Passionszeit: Vom Aschermittwoch bis Ostern - Ein liturgischer Leitfaden

Passionszeit
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Die Passionszeit, oft synonym mit der Fastenzeit verwendet, ist eine Zeit der Reflexion und spirituellen Vorbereitung in der christlichen Kirche, die auf Ostern hinführt. Doch was bedeutet diese Zeit genau, und wie wird sie in den verschiedenen Konfessionen gelebt und verstanden?

Definition und Ursprung

Historisch wurzelt die Zeit in den frühen Tagen des Christentums. Sie beginnt mit dem Aschermittwoch und endet am Karsamstag, dem Tag vor Ostersonntag. Diese Zeit dient traditionell der Vorbereitung auf das Osterfest durch Fasten, Buße und Gebet.

In der katholischen Kirche umfasst sie die zwei Wochen vom fünften Sonntag der Fastenzeit, auch Judica oder Passionssonntag genannt, bis zum Karsamstag. In der evangelischen Kirche erstreckt sich diese Zeit von Aschermittwoch bis zum Karsamstag, also über 40 Tage.

Während in der katholischen Liturgie der Fokus in der Passionszeit vom Bußgedanken hin zur Betrachtung des Leidens Christi wechselt, ist ein äußerliches Merkmal die Verhüllung von Kreuzen und Kruzifixen, sowie mancher Statuen, mit violetten oder schwarzen Tüchern. Dieser Brauch, der bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts auch in der evangelisch-lutherischen Kirche in Deutschland verbreitet war, findet sich heute vorwiegend in einzelnen Gemeinden in Bayern und Sachsen.

Sie wird sowohl in der römisch-katholischen als auch in den orthodoxen Kirchen als Fastenzeit begangen. In den evangelisch-lutherischen und unierten Kirchen ist sie eine Zeit für zusätzliche Passionsandachten und gilt als Phase der Buße und Besinnung auf die Erlösung von Sünde und Tod durch Jesu Kreuzesopfer.

Die liturgische Bedeutung der Passionszeit

Im liturgischen Kalender nimmt sie eine zentrale Rolle ein. Sie ist gekennzeichnet durch eine Abkehr von festlichen Farben und Themen, symbolisiert durch das Tragen violetter oder blauer Gewänder in vielen Kirchen, was Buße und Besinnung repräsentiert.

Jesus am Kreuz
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Fest- und Sonntage der Passionszeit

Die Zeit umfasst mehrere wichtige Fest- und Sonntage. Sie beginnt mit dem Aschermittwoch, gefolgt von den Sonntagen Invocavit, Reminiscere, Oculi, Laetare, Judica und Palmarum. Jeder dieser Sonntage hat seine eigenen thematischen Schwerpunkte, die sich auf Aspekte der Passionsgeschichte konzentrieren. Der Palmsonntag leitet dann über zur Karwoche, die mit den Gedenktagen Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag ihren Höhepunkt findet.

Die christliche Tradition kennt eine besondere Vorbereitungszeit vor der Passionszeit, die mit der Epiphanias-Zeit endet und die sogenannte Vorpassion einläutet. Diese umfasst drei Sonntage, bekannt unter den Namen Septuagesimä (70 Tage vor Ostern), Sexagesimä (60 Tage vor Ostern) und Estomihi. Sie markieren den Countdown zur eigentlichen Fastenzeit.

Der Sonntag Estomihi, der letzte dieser drei Sonntage, ist besonders bedeutsam. An diesem Tag wird in den biblischen Lesungen erstmals Jesu Ankündigung seines Leidens und Sterbens thematisiert. Der Name "Estomihi" stammt aus Psalm 31,3b ("Sei mir ein starker Fels...") und folgt der Tradition, Sonntage nach den ersten Worten des zugehörigen Psalms zu benennen.

Die eigentliche Passionszeit beginnt dann mit dem Aschermittwoch. Dieser Tag war traditionell durch das Streuen von Asche auf das Haupt gekennzeichnet, ein Symbol für Buße und Reue, das sich im Sprachgebrauch "Asche auf mein Haupt" noch widerspiegelt.

Jeder Sonntag im Kirchenjahr ist thematisch geprägt und mit spezifischen Bibeltexten, einschließlich eines Psalms, verbunden. Die lateinischen Anfangsworte dieser Psalmen prägen die Namen der Sonntage:

Invokavit (Psalm 91,15): "Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören."
Reminiscere (Psalm 25,6): "Gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit."
Oculi (Psalm 25,15): "Meine Augen sehen stets auf den Herrn."
Laetare (Psalm 66,10): "Freut euch mit Jerusalem."
Judica (Psalm 43,1): "Schaffe mir Recht, Gott."

Diese Namen und Texte unterstreichen die spirituelle Tiefe und Kontinuität, die in dieser Zeit des Kirchenjahres zum Ausdruck kommt.

Passionszeit in verschiedenen christlichen Traditionen

In der evangelischen Tradition liegt der Fokus auf Wortgottesdiensten und Predigten, die sich auf die Passion Christi konzentrieren. Die katholische Kirche betont zusätzlich die Rolle von Fasten und Buße. Andere Konfessionen haben ihre eigenen Bräuche und Traditionen, die diese Zeit prägen.

Biblische und theologische Dimensionen

Die biblische Grundlage ist die Leidensgeschichte Jesu, wie sie in den Evangelien erzählt wird. Theologisch gesehen ist diese Zeit eine Einladung zur Reflexion über Sünde, Erlösung und die Bedeutung des Kreuzestodes Jesu.

Ostereier
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Traditionen und Bräuche während der Passionszeit

Das Fasten, als Verzicht auf bestimmte Lebensmittel oder Genussmittel, ist eine traditionelle Praxis in dieser Zeit. Besondere Gottesdienste und Gebete begleiten die Gläubigen durch diese Zeit der inneren Einkehr und spirituellen Erneuerung.

Passionszeit in der Kunst und Musik

Sie hat in der Kunstgeschichte eine reiche Tradition. Von Gemälden, die das Leiden Christi darstellen, bis hin zu musikalischen Werken wie Bachs Passionen, spiegelt sich die Tiefe und Komplexität dieser Zeit in zahlreichen kulturellen Ausdrucksformen wider.

Die Passionszeit im Kontext der modernen Welt

In einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft bietet sie eine Möglichkeit zur Besinnung und zum Innehalten. Sie stellt eine Herausforderung dar, das christliche Zeugnis in einer sich wandelnden Welt relevant und bedeutungsvoll zu gestalten.

Kreuzigung
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Fazit

Die Passionszeit, die mit dem Aschermittwoch beginnt und mit dem Karsamstag endet, ist eine tiefgreifende und symbolträchtige Periode im christlichen Kalender. Sie markiert die Leidenszeit, die an das Leiden und Sterben von Jesus erinnert, insbesondere an seine Kreuzigung und Verurteilung. Diese Zeit umfasst sieben Wochen, in denen viele Christinnen und Christen fasten, um sich auf die Auferstehung Christi vorzubereiten. Diese Fastenzeiten, in denen der Verzicht auf Fleisch und Wein üblich ist, dienen der inneren Einkehr und Reflexion.

Die kirchliche Farbe der Passionszeit, Violett, symbolisiert die Farbe der Buße und steht für die Ernsthaftigkeit und den spirituellen Charakter dieser Zeit. Die Zahl 40 findet sich in dieser Periode wider, was an die 40 Tage erinnert, die Jesus in der Wüste fastete. Besonders intensiv wird die Passionszeit in der Woche vor Ostern, der Karwoche, gelebt, die ihren Höhepunkt in der Osternacht findet. In dieser Zeit gedenken Christen nicht nur des Leidens, sondern auch der Hoffnung, die sich in der Auferstehung Christi offenbart.

Anhang

Übersicht der Fest- und Sonntage der Passionszeit

- Aschermittwoch
Beginn der Passionszeit und der Fastenperiode
Kennzeichnung durch das Aschenkreuz

- Invokavit (1. Sonntag der Passionszeit)
Thema: Versuchung Jesu

- Reminiscere (2. Sonntag der Passionszeit)
Thema: Verheißung göttlicher Barmherzigkeit

- Oculi (3. Sonntag der Passionszeit)
Thema: Gottes Schutz in Zeiten der Prüfung

- Laetare (4. Sonntag der Passionszeit)
Thema: Freude und Hoffnung trotz Leid

- Judica (5. Sonntag der Passionszeit)
Thema: Göttliche Gerechtigkeit

- Palmsonntag
Einzug Jesu in Jerusalem

- Gründonnerstag
Erinnerung an das Letzte Abendmahl

- Karfreitag
Gedenken an die Kreuzigung Jesu

- Karsamstag
Tag der Grabesruhe Jesu

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