Was ist Toleranz?

Wenn sich mehrere Glaubensüberzeugungen diametral gegenüberstehen, dann lässt sich Frieden nur bewahren, wenn man tolerant miteinander umgeht. Der Philosoph Isaiah Berlin (1909-1997) sieht in der Toleranz den Grundstein für eine plurale Gesellschaft. Dabei ist Toleranz für ihn zunächst ein historisches Ergebnis der Einsicht in die Unversöhnbarkeit ähnlicher dogmatischer Glaubensüberzeugungen.

Zugleich ist Toleranz das Ergebnis das Ergebnis einer weiteren Einsicht, nämlich der praktischen Erkenntnis in die Unwahrscheinlichkeit des vollständigen Sieges einer Glaubensüberzeugung über die anderen. Wenn eine Glaubensüberzeugung nicht ihre Existenz aufs Spiel setzen wolle, so müsse sie nach Isaiah Berlin lernen, das Andersdenken des Gegenübers zu tolerieren.

Im Lauf der Renaissance und der Aufklärung gelangte man allmählich zu der Einsicht, dass Toleranz mehr ist als eine pragmatische Geisteshaltung. Die Mannigfaltigkeit von Meinungen und Wahrheiten wurde selbst zu einem Wert erhoben und als Gegenthese zu der Vorstellung von dogmatischen Wahrheiten benutzt.

Das Ergebnis dieses Prozesses ist unsere plurale Gesellschaftsordnung. Solange die Grundwerte der Verfassung nicht verletzt werden, gilt das Prinzip der Toleranz.

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Unterschätztes Toleranz-Problem „Sprich deutlicher! Wie oft muss ich das noch sagen..."hört man den Oberförster klagen." Mehr Toleranz erbitt ich mir!!!"erzürnt sich drauf das Murmeltier© KarlHeinz…

Kommentare

    1. Zum Kommentar von NouveauVie:
      Ja, die Regierung stellt mit Begründung "SARS-CoV-2" mittlerweile die Rechtsordnung um. Ganz eindeutig gegen Grundwerte der Verfassung mit - wahrscheinlich - Zustimmung der Mehrheit der Staatsbürger. Schönes neues Leben.
      Selbst wenn mit ... das Paradigma 'Mehrheit' darf nicht ausschlaggebend sein, es sei denn, man / frau will nicht aus der Geschichte lernen. Aber das ist jetzt ein anderes Thema zu politischer Philosophie, Staatstheorien, letztendlich zu Menschenwürde und Menschenrechten.

  1. Laut Wikipedia ist "Toleranz, auch Duldsamkeit, ist allgemein ein Geltenlassen und Gewährenlassen anderer oder fremder Überzeugungen, Handlungsweisen und Sitten."
    Wäre sich jeder von uns dessen bewusst,dass wir alle Fehler behaftet sind und niemand DIE WAHRHEIT für sich alleine in Anspruch nehmen kann,wir wären in allem ein ganzes
    Stück weiter! Aber das bedarf eben der T o l e r a n z !

    Danke für das interessante,wichtige so weitreichende Thema, Florian S.
    Gruß von der Silbermalerin

  2. Es gibt - wie immer im Leben und somit im Denken - weitere Sichten auf alles, so auch auf ‚Toleranz‘. Das hier wurde vor Jahrzehnten sogar im Rundfunk gesendet - mehr als einmal.

    (* Quelle im Internet: lyrix.at/t/ *)

    Künstler: Robert Long
    Titel: Morgen Sind Wir Tolerant
    Typ: Liedertext

    Niemand ist perfekt, und es sind alle Menschen gleich
    das sagt man so dahin, doch danach handeln ist nicht leicht.
    Da schielt man hin zur Nachbarin mit ihrem neuen Hut
    und sagt: "Mein Gott, daß so 'ne alte Ziege so was auf die Rübe tut."
    Da mustert man genau und lang die kleine Kellnerin und denkt:
    "Die Sorte kenn ich, die treibt es oft und schlimm."

    Ich schliess' mich da nicht aus
    ich habe leider auch ein arges Lästermaul
    Doch ich verspreche Euch
    daß ich mich jetzt bessern will
    und vor der eig'nen Türe kehre.

    Immer wieder, Freunde, werd' ich gefragt:
    "Warum bist Du bloß so kritisch?
    Man muß doch leben und leben lassen."
    Und dann geh' ich in mich und sag' zu mir:
    "Robert", sag' ich "du mußt toleranter werden."
    Aber das fällt mir verdammt schwer, Freunde,
    und ich weiß: vielen von Euch geht es gerad' so wie mir.

    Und darum: Bevor sie zu Ende geht, diese wunderbare Langspielplatte,
    die Ihr hoffentlich nicht nur bei Freunden hört, sondern auch selbst kauft,
    am Ende dieses Albums will ich Euch um etwas bitten:
    Laßt uns einander etwas versprechen:
    Wenn unser Fernsehabend endet und wir schlafen gehen
    dann sagen wir zu uns selber, ehe wir das Licht ausdrehen:

    (Kehrreim:)
    Morgen sind wir tolerant, tolerant, tolerant
    und finden selbst die größten Idioten interessant,
    wir reichen jedem Arsch die Hand, und was uns stört in diesem Land
    das wird ab morgen nicht mehr eine Schweinerei genannt.
    Ab morgen sind wir positiv, und nicht mehr so auf dem qui-vive
    wir rücken nichts mehr gerade, nein, wir lassen alles schief, na klar!
    Fortan glauben wir an Lügen, weil sie in der Zeitung steh'n
    greifen nichts mehr mit Kritik an - was geht uns die Politik an?
    Haben wir uns nicht schon oft genug die Finger dran verbrannt?
    Das wird anders: morgen sind wir tolerant.

    Vielleicht, Freunde, ist das böse Kritisieren ein Laster
    wie Zigarettenrauchen und Schokoladenaschen.
    Es ist schwer, damit aufzuhören.
    Ich kann halt manchmal den Mund nicht halten.
    Aber es ist ja bekannt,
    daß eine Entwöhnungskur leichter durchzuhalten ist,
    wenn andere dabei mitmachen.
    Und deshalb meine herzliche Bitte: Entsagt wie ich dem Laster!
    Hebt die Arme, ballt die Fäuste, holt tief Luft und singt alle mit:

    Kehrreim
    |: Tolerant, tolerant, tolerant, tolerant, tolerant 😐

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