Pflegetagebuch: Tipps für die Dokumentation inkl. Download - Vordruck

Pflegetagebuch
Bild von Freepik

In der Welt der Pflege ist Dokumentation von zentraler Bedeutung. Ein Pflegetagebuch dient nicht nur als wertvolles Werkzeug für pflegende Angehörige und Fachpersonal, sondern es ist auch ein unverzichtbarer Begleiter in der täglichen Pflegepraxis. In diesem Artikel werden wir die Bedeutung, den Aufbau und die Nutzung eines Pflegetagebuchs detailliert erörtern.

Was ist ein Pflegetagebuch?

Ein Pflegetagebuch ist ein detailliertes Protokoll, das alle Aspekte der täglichen Pflege dokumentiert. Es unterscheidet sich von anderen Dokumentationsformen durch seine Spezialisierung auf die individuellen Bedürfnisse der Pflegebedürftigen und bietet eine maßgeschneiderte Übersicht über die erbrachten Pflegeleistungen.

Das Konzept des "Pflegetagebuchs" wurde ursprünglich entwickelt, um den täglichen Aufwand für die Betreuung bedürftiger Personen detailliert festzuhalten. Vor der Implementierung des Pflegestärkungsgesetzes II basierte die Zuweisung einer Pflegestufe primär auf der in Minuten erfassten Pflegezeit. Seit der Umstellung auf einen Pflegegrad 2017 und der damit einhergehenden Anpassung der Begutachtungsrichtlinien, erfolgt die Einstufung von Pflegebedürftigen nun basierend auf dem Grad ihrer Selbstständigkeit in verschiedenen Alltagsbereichen.
Es ist daher von großer Bedeutung, dass ein Pflegetagebuch dem aktuellen Bewertungssystem entspricht. Ein einfaches Aufzeichnen der für die Pflege aufgewendeten Zeit ist nicht mehr ausreichend und bietet keine ausreichende Grundlage für die Beurteilung der Pflegebedürftigkeit.

Mit dem Inkrafttreten des neuen Pflegestärkungsgesetzes wurde auch ein aktualisiertes Begutachtungsverfahren, bekannt als NBA, eingeführt. Seitdem bewerten Gutachter des Medizinischen Dienstes (MD für gesetzlich Versicherte, vormals MDK) oder von MEDICPROOF (für privat Versicherte) die Selbstständigkeit von Hilfs- und Pflegebedürftigen anhand von sechs Kriterien. Im Gegensatz zur früheren Praxis, bei der die Pflegeminuten im Vordergrund standen, sind nun körperliche, geistige und kognitive Einschränkungen maßgeblich für die Einstufung in einen Pflegegrad. 

Das Pflegegutachten zeigt auf, wie umfangreich der Pflegebedarf ist und in welchen Alltagsbereichen die betroffene Person auf Unterstützung angewiesen ist. Basierend auf diesem Gutachten trifft die Pflegekasse die Entscheidung über die Anerkennung und Zuweisung eines entsprechenden Pflegegrades.

Wie sieht ein Pflegetagebuch aus?

In einem Pflegetagebuch werden neben grundlegenden Informationen zur Pflegesituation und den beteiligten Personen auch der spezifische Pflege- und Unterstützungsbedarf der hilfsbedürftigen Person festgehalten. Hierfür beinhaltet ein Pflegeprotokoll einen Fragenkatalog, der sich an den neuesten Begutachtungsrichtlinien ausrichtet. Das System zur Bestimmung des Pflegebedürftigkeitsgrades ist im SGB XI rechtlich verankert.

Das typische Pflegetagebuch besteht aus mehreren Abschnitten, die verschiedene Aspekte der Pflege abdecken. Dazu gehören medizinische Informationen, Pflegeanweisungen, tägliche Routineaufgaben und besondere Vorkommnisse. Die Gestaltung variiert, aber ein gut strukturiertes Pflegetagebuch ist übersichtlich und benutzerfreundlich.

Die Bedeutung der Dokumentation in der Pflege

Durch diese Aufzeichnungen wird der wirkliche Pflegeaufwand für die pflegebedürftige Person erfasst. Solche Pflegeaufzeichnungen sind nicht nur für die eigene Bewertung der Pflegesituation wertvoll, sondern sie unterstützen auch den Gutachter bei einer Begutachtung dabei, den Selbstständigkeitsgrad des Pflegebedürftigen angemessen einzuschätzen.

Dokumentation in der Pflege hat sowohl rechtliche als auch qualitative Aspekte. Sie dient als Nachweis der erbrachten Pflegeleistungen und ist grundlegend für die Qualitätssicherung und -verbesserung in der Pflege.

Ziele von Pflegeprotokollen

Pflegeprotokolle zielen darauf ab, eine kontinuierliche, qualitativ hochwertige Pflege zu gewährleisten. Sie unterstützen die Kommunikation zwischen allen Beteiligten und helfen, den Pflegebedürftigen eine individuell abgestimmte Betreuung zu bieten.
Insbesondere in den Aspekten der Mobilität, der Körperpflege und der Ernährung ermöglicht ein Pflegetagebuch dabei eine präzise Erfassung des Pflegebedarfs.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Führen eines Pflegetagebuchs

Die Führung eines Pflegetagebuchs beginnt mit der Auswahl des richtigen Formats. Es sollte alle relevanten Informationen enthalten und regelmäßig aktualisiert werden. Eine klare Struktur und einfache Handhabung sind dabei entscheidend.

Auswahl des Formats:
Entscheiden Sie, ob Sie ein digitales oder ein physisches Pflegetagebuch führen möchten. Digitale Versionen können leichter aktualisiert und geteilt werden, während physische Versionen für manche Nutzer zugänglicher sein können.
Wählen Sie ein Format, das ausreichend Platz für tägliche Einträge bietet und leicht zu handhaben ist.

Strukturierung des Pflegetagebuchs:
Teilen Sie das Pflegetagebuch in relevante Bereiche ein, wie Mobilität, kognitive Fähigkeiten, Verhaltensweisen, Selbstversorgung und medizinische Bedürfnisse.
Jeder Bereich sollte Felder für die Beschreibung der Aktivität, den benötigten Zeitaufwand und spezielle Kommentare enthalten.

Einführung wichtiger Informationen:
Beginnen Sie mit den grundlegenden Informationen des Pflegebedürftigen, einschließlich Name, Geburtsdatum, Adresse und Kontaktinformationen.
Fügen Sie bei Bedarf auch Kontaktdaten des gesetzlichen Vertreters oder der Hauptpflegeperson hinzu.

Tägliche Eintragungen:
Führen Sie täglich detaillierte Aufzeichnungen über alle Pflegeaktivitäten, einschließlich Zeiten und spezifischer Hilfeleistungen.
Notieren Sie Besonderheiten wie Verhaltensänderungen, neue Symptome oder besondere Ereignisse.

Regelmäßige Aktualisierung:
Aktualisieren Sie das Pflegetagebuch regelmäßig, um Veränderungen im Zustand oder in den Bedürfnissen des Pflegebedürftigen festzuhalten.
Überprüfen Sie die Einträge auf Vollständigkeit und Genauigkeit.

Einfache Handhabung:
Gestalten Sie das Pflegetagebuch so, dass es leicht zu führen ist. Dies kann durch Verwendung klarer Überschriften, Checklisten und einfacher Tabellen erreicht werden.
Berücksichtigen Sie die Benutzerfreundlichkeit für alle, die das Pflegetagebuch nutzen werden, einschließlich Pflegepersonal und Familienmitglieder.

Zusammenfassung und Überprüfung:
Überprüfen Sie das Pflegetagebuch regelmäßig, um sicherzustellen, dass es eine genaue Darstellung des Pflegebedarfs bietet.
Nutzen Sie das Pflegetagebuch zur Vorbereitung auf die Begutachtung und zur Kommunikation mit Pflegefachkräften.

Pflegetagebuch ausfüllen
Bild von Freepik
Newsletter abonnieren

Erhalten Sie einmal pro Woche die neuesten Artikel aus dem Ratgeber bequem zugesandt.

Wie führe ich ein Pflegetagebuch?

Das Führen eines Pflegetagebuchs erfordert eine gewisse Regelmäßigkeit und Sorgfalt. Tägliche Eintragungen und genaue Aufzeichnungen sind essentiell, um eine lückenlose Dokumentation zu gewährleisten.

Zeitraum der Führung eines Pflegetagebuchs
Um sicherzustellen, dass Sie oder Ihr pflegebedürftiger Angehöriger die passenden Pflegeleistungen erhalten, ist es ratsam, ein kontinuierlich geführtes Pflegetagebuch als Unterstützung für die Beurteilung zu nutzen. Idealerweise beginnen Sie mit dem Pflegetagebuch direkt ab dem Zeitpunkt der Antragstellung für Pflegeleistungen.

Regelmäßige Dokumentation über einen Zeitraum von zwei Wochen
Für eine authentische Darstellung des täglichen Unterstützungsbedarfs ist es empfehlenswert, das Tagebuch mindestens über einen Zeitraum von zwei Wochen zu führen. Vermerken Sie täglich, welche Hilfsleistungen Sie in Anspruch nehmen und wie lange diese andauern. Falls Sie selbst dazu nicht in der Lage sind, können pflegende Angehörige dabei unterstützen.

Richtige Dokumentation Ihrer Pflege
Erfassen Sie sämtliche Aspekte der Grundpflege (wie zum Beispiel Unterstützung beim Waschen oder Treppensteigen) und der hauswirtschaftlichen Versorgung (wie Kochen und Putzen). Unterscheiden Sie bei der Dokumentation, ob Sie lediglich Unterstützung benötigen oder ob Ihnen Tätigkeiten teilweise oder vollständig abgenommen werden. Notieren Sie auch jene Aktivitäten, die Sie selbst ausführen, jedoch mit Anleitung oder Überwachung erledigen.

Vorteile eines Pflegetagebuchs

Ein gut geführtes Pflegetagebuch bietet zahlreiche Vorteile. Es erleichtert die Kommunikation mit medizinischem Personal, hilft bei der Planung und Koordination der Pflege und dient als wichtige Informationsquelle für alle Beteiligten.

Pflegeprotokoll schreiben – Tipps zum Ausfüllen

Beim Schreiben eines Pflegeprotokolls sollte man auf Klarheit und Vollständigkeit achten. Es ist wichtig, alle relevanten Ereignisse und Beobachtungen detailliert und verständlich festzuhalten.

Wie lange muss ein Pflegetagebuch geführt werden?

Es empfiehlt sich, das Pflegetagebuch so lange zu führen, bis von der Pflegeversicherung ein Pflegegrad genehmigt wird, der den tatsächlichen Bedürfnissen der Pflege entspricht. In der Regel wird es jedoch für die gesamte Dauer der Pflegebedürftigkeit geführt.

Pflegerin mit Pflegebedürftiger und Pflegetagebuch
Bild von Freepik

Pflegetagebuch Vorlage

Vordrucke und Vorlagen sind eine große Hilfe beim Führen eines Pflegetagebuchs. Sie bieten eine grundlegende Struktur und erleichtern das Ausfüllen.
Pflegetagebuch Muster kostenlos herunterladen >>

Fazit

Die Führung eines aktuellen Pflegetagebuchs spielt eine entscheidende Rolle in der Pflege und Betreuung pflegebedürftiger Personen. Es dient nicht nur als ein wichtiges Instrument zur Vorbereitung auf die Begutachtung, sondern unterstützt auch effektiv bei der Einstufung der Pflegebedürftigkeit im Hinblick auf die Pflegegrade. Durch das Führen eines Pflegetagebuchs erhalten Pflegende und Pflegebedürftige eine grundlegende Übersicht über den täglichen Unterstützungsbedarf, was von großer Bedeutung für die Beantragung von Leistungen der Pflegeversicherung ist.

Neben dem Führen eines Pflegetagebuchs, das Einblick in alltägliche Aktivitäten wie Einkaufen oder Kochen gibt, ist es wichtig, das Pflegetagebuch richtig auszufüllen, um eine genaue Darstellung des Pflegeaufwands zu gewährleisten. Ein gut geführtes Pflegetagebuch hilft dabei, den tatsächlichen Bedarf an Pflegeleistungen transparent und nachvollziehbar zu machen. Es dient als wesentliche Grundlage für Entscheidungen über die Zuteilung von Pflegegraden und damit verbundene Leistungen.

In der Gesamtbetrachtung ist das Pflegetagebuch als wichtiges Dokumentationswerkzeug zu verstehen, das einen erheblichen Einfluss auf die Qualität und Effektivität der Pflege hat. Daher ist es unerlässlich, dass sowohl pflegende Angehörige als auch professionelle Pflegekräfte ein Pflegetagebuch führen, um eine adäquate Pflege sicherzustellen und den Pflegebedürftigen die bestmögliche Unterstützung und Fürsorge zu bieten.

Was andere Leser noch gelesen haben

Newsletter abonnieren

Erhalten Sie einmal pro Woche die neuesten Artikel aus dem Ratgeber bequem zugesandt.

Bei mit (*) gekennzeichneten Links und Links unter Button handelt es sich um Affilate-Links. Produkte zzgl. Versandkosten. Preise können abweichen (zuletzt aktualisiert am 23.01.2024). Produktbilder werden direkt von Amazon bereitgestellt.

Kommentare