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Erinnerungen zur Gründung Espelkamps
21. Juni 2013 in Weblogs
Ereignisse zur Entstehung von Espelkamp
Am Ende des Krieges 1945, als die Engländer hier bei uns das große Waldgebiet besetzten,haben sie nicht schlecht gestaunt, ein intaktes Munitions- lager vorzufinden.
Dieses große Waldgebiet gehörte dem Baron von dem Busche Münch, wo der Vater meines späteren Schwagers, Wilhelm Blotevogel sen. als Forst- angestellter in Diensten war.
Er wohnte in dem Heuerlingshaus, auch als Kotten bekannt, mitten im Munitionsgebiet.
Ich selber habe das alte Heuerlingshaus 1953-56 kennen gelernt. In den letzten Kriegstagen fiel hier die Entscheidung, in diesem Munitionslager Flüchtlinge anzusiedeln. Hier trafen sich heimlich der deutschen General August Skirde und Major Küppers. Er erhielt den Befehl, das Munitionslager in die Luft zu sprengen.
Sie setzten sich mit ihrem Freund, dem schwedischen Pastor Birger Forrell, in Verbindung.
Er redete ihnen ins Gewissen, den Befehl nicht auszuführen, weil der Krieg in den nächsten Tagen zu Ende gehe. Er versprach im Gegenzug, nach dem Krieg dafür zu sorgen, dass hier viele Flüchtlinge eine neue Heimat finden könnten.
So sammelte er bei seinen Freunden in der ganzen Welt die Mittel zusammen. Hätte Major Küppers den Befehl ausgeführt, wäre im Umkreis von 25 km jegliches Lebewesen ausgelöscht worden.Es lagerten hier etliche Güterzüge der unter- schiedlichsten Munitionsarten, die so nach und nach ausgeräumt und abtransportiert wurden.
Die USA schickten die Kriegsdienstverweigerer, die einen Ersatzdienst von 2 Jahren im Aus-
land leisten mussten. Ein großer Teil von ihnen blieb hier, und vermischte sich mit der Bevölkerung. Viele junge Bauersfrauen, die ihre Männer im Krieg verloren hatten, bekamen arbeitswillige junge Männer.Mein Schulfreund Willi, der Sohn des Forstangestellten Wilhelm Blotevogel, wurde später mein Schwager. Die Stadt, die hier gegründet wurde, nannte man Espelkamp-Mittwald. Ganz in der Nähe lag das Dörfchen Espelkamp mit einer über 700 Jahre alten Geschichte.
Die Endsilbe ...kamp hatte die Bedeutung von Lager, kampieren. Espelkamp-Mittwald wurde später umbenannt in Espelkamp.
Später berichteten mir die Blotevogels viele Ereignisse zur Gründung Espelkamps. Unter den Flüchtlingen war bekannt, dass bei Tante Blotevogel Der Die Das zu essen gab. Wie sie mir später erklärte, war das ein riesiger Kochtopf mit Eintopf in dem wirklich
der Speck, die Wurst und das Fleisch enthalten waren.
Wilhelm Blotevogel sen. schilderte mir viele Begebenheiten, die er in Diensten des Baron von dem Busche-Münch erlebt hatte. Er berichtete mir, wie die für das Munitionslager Verantwortlichen, sich heimlich bei ihm in dem alten Fachwerkhaus trafen.
Ein bisschen habe ich das Munitionslager-Gebiet im Urzustand im Sommer 1945 noch
kennen gelernt. Als Kinder krabbelten wir durch ein Loch im Zaun neben dem großen Tor,wo die Züge hineingefahren sind. Wir sammelten die leckeren Blaubeeren, die hier
in großen Mengen gediehen.
Anfang der 60er Jahre wurde das alte Fachwerkhaus abgebaut und in einem Museumsdorf in Melle wieder aufgebaut.
So hat das alte Fachwerkhaus ausgesehen und ist mir noch in guter Erinnerung, wenn Frau Blotevogel ihren Sohn und mich hereinbat.
Espelkamp, den 27.08.2012
Georg Trümper
Gefährliche Blaubeerernte 1945
21. Juni 2013 in Weblogs
Aufregende Blaubeerernte im August 1945
Vier Freunde: Herbert, Willi und Markus, die Zwillinge und ich, hatten eine Idee.
Herbert, der älteste der Gruppe und gleichzeitig Anführer, hatte vor wenigen Tagen seinen 15. Geburtstag gefeiert. Die Zwillinge waren 11 und ich, als jüngster, gerade 9 Jahre alt, als wir beim Kühe hüten einen Entschluss fassten: Wir wollten Blaubeeren sammeln gehen. Dafür gab es in Espelkamp einen guten Platz. Nachdem der schwierigste Teil, das Überzeugen unserer Eltern geschafft war, hätte es eigentlich losgehen können. Schließlich hatten wir den Ausflug schon sorgfältig vorbereitet und uns mit großen, verschließbaren Milchkannen ausgerüstet. Mit Blick auf meine Schuhe gab Herbert jedoch zu bedenken: Du, Georg, es ist ein weiter Weg, mindestens 7 km! Wie recht er hatte, meine Schuhe waren viel zu klein geworden! Das wäre ein schmerzhafter Spaziergang gewesen. So mussten meine Holzschuhe herhalten. Schnell nagelte ich Gummistücke von einem alten Autoschlauch darunter. Jetzt würde ich ohne zu klappern gut vorwärts kommen. An jedem Fuß wurden die Holzpantinen noch mit 2 zusätzlichen Einmachgummis für Weckgläser gesichert. Perfekt! Voller Erwartung marschierten wir zum Bahnhof nach Rahden. Von dort aus ging es schnurstracks an den Bahngleisen entlang. Als wir die Häuser fast hinter uns gelassen hatten, liefen wir wie Kinder nun mal so sind - in einer Art Hüpfgang direkt auf den Schwellen weiter. Am Ziel angekommen, war das Gelände durch ein riesiges Metalltor verschlossen. Enttäuschung stand auf unseren Gesichtern! Getreu nach dem Motto: Hindernisse können überwunden werden, machten wir uns auf die Suche. Schon bald entdeckten wir eine Vertiefung im Boden. Hier konnten wir unter dem Zaun hindurchkriechen. Einige Zeit später stießen wir auf eine freie Fläche mit herrlich duftenden und reifen Blaubeeren. Das Pflücken machte großen Spaß, denn die eine oder andere Beere verschwand nicht in unseren Kannen, sondern im Mund. Auch Herbert trug zu unserer Unterhaltung bei. Er hatte viele Geschichten seiner Oma im Kopf, die er nach eigenen Vorstellungen, so wie es ihm gefiel und gerade passte, veränderte. Vertieft in seine Worte hörten wir gespannt zu. Doch plötzlich knackte es im Gebüsch und jemand befahl mit tiefer Stimme: Stand up, boys! Zu Tode erschrocken fuhren wir herum. Hinter uns stand ein mit Gewehr bewaffneter Soldat. Sein finsterer Blick versprach nichts Gutes. --
Keiner von uns hatte mit so etwas gerechnet! Hätten wir das nicht müssen? 1945!? Nachkriegszeit!? In einem Sperrgebiet bzw. Munitionslager!!!? Doch, eigentlich schon, aber die Abenteuerlust war stärker. --
Ah, blueberry, very gut, hellte sich seine Miene unerwartet auf, und er lächelte uns an. Die Erleichterung, die wir verspürten, hielt jedoch nicht lange an, denn schon griff er zu seiner Pistolentasche. Vor Schreck stand uns der Mund, in den wir eben noch so fröhlich Blaubeeren geschoben hatten, weit offen. Hoffentlich erschießt er uns nicht, fuhr es mir durch den Kopf. Voller Furcht schaute ich die anderen an. Auch ihnen stand die nackte Angst im Gesicht geschrieben. Niemand wagte es, sich zu rühren. Ungeachtet dessen beschäftigte sich der Soldat weiter mit seiner Pistolentasche, öffnete den Druckknopf, hob die Lasche an, sah uns noch einmal forschend in die Gesichter und zog etwas längliches heraus. Doch was kam da zum Vorschein? Das konnte doch nicht wahr sein! Eine ganze Tafel Schokolade! Mit einem Augenblinzeln warf er sie Herbert zu, der die köstliche Gabe geschickt auffing. Unsere Gefühle fuhren Achterbahn: Angst, Schrecken und Erleichterung rasten an uns vorbei. Am Schluss überwog allein die Freude. Lächelnd verschwand der Offizier wieder im Gebüsch. Gott sei Dank, der Schock war bald überwunden, die Schokolade köstlich und etwas Besonderes nach dem Krieg 1945! Der Heimweg verging wie im Flug trotz gefüllter Kannen.
Espelkamp, 25.02.2007
Georg Trümper