Erinnerungen zur Gründung Espelkamps

Ereignisse zur Entstehung von Espelkamp
Am Ende des Krieges 1945, als die Engländer hier bei uns das große Waldgebiet besetzten,haben sie nicht schlecht gestaunt, ein intaktes Munitions- lager vorzufinden.
Dieses große Waldgebiet gehörte dem Baron von dem Busche Münch, wo der Vater meines späteren Schwagers, Wilhelm Blotevogel sen. als Forst- angestellter in Diensten war.
Er wohnte in dem Heuerlingshaus, auch als Kotten bekannt, mitten im Munitionsgebiet.
Ich selber habe das alte Heuerlingshaus 1953-56 kennen gelernt. In den letzten Kriegstagen fiel hier die Entscheidung, in diesem Munitionslager Flüchtlinge anzusiedeln. Hier trafen sich heimlich der deutschen General August Skirde und Major Küppers. Er erhielt den Befehl, das Munitionslager in die Luft zu sprengen.
Sie setzten sich mit ihrem Freund, dem schwedischen Pastor Birger Forrell, in Verbindung.
Er redete ihnen ins Gewissen, den Befehl nicht auszuführen, weil der Krieg in den nächsten Tagen zu Ende gehe. Er versprach im Gegenzug, nach dem Krieg dafür zu sorgen, dass hier viele Flüchtlinge eine neue Heimat finden könnten.
So sammelte er bei seinen Freunden in der ganzen Welt die Mittel zusammen. Hätte Major Küppers den Befehl ausgeführt, wäre im Umkreis von 25 km jegliches Lebewesen ausgelöscht worden.Es lagerten hier etliche Güterzüge der unter- schiedlichsten Munitionsarten, die so nach und nach ausgeräumt und abtransportiert wurden.
Die USA schickten die Kriegsdienstverweigerer, die einen Ersatzdienst von 2 Jahren im Aus-
land leisten mussten. Ein großer Teil von ihnen blieb hier, und vermischte sich mit der Bevölkerung. Viele junge Bauersfrauen, die ihre Männer im Krieg verloren hatten, bekamen arbeitswillige junge Männer.Mein Schulfreund Willi, der Sohn des Forstangestellten Wilhelm Blotevogel, wurde später mein Schwager. Die Stadt, die hier gegründet wurde, nannte man Espelkamp-Mittwald. Ganz in der Nähe lag das Dörfchen Espelkamp mit einer über 700 Jahre alten Geschichte.
Die Endsilbe ...kamp hatte die Bedeutung von Lager, kampieren. Espelkamp-Mittwald wurde später umbenannt in Espelkamp.
Später berichteten mir die Blotevogels viele Ereignisse zur Gründung Espelkamps. Unter den Flüchtlingen war bekannt, dass bei „Tante Blotevogel“ Der – Die – Das zu essen gab. Wie sie mir später erklärte, war das ein riesiger Kochtopf mit Eintopf in dem wirklich
der Speck, die Wurst und das Fleisch enthalten waren.
Wilhelm Blotevogel sen. schilderte mir viele Begebenheiten, die er in Diensten des Baron von dem Busche-Münch erlebt hatte. Er berichtete mir, wie die für das Munitionslager Verantwortlichen, sich heimlich bei ihm in dem alten Fachwerkhaus trafen.
Ein bisschen habe ich das Munitionslager-Gebiet im Urzustand im Sommer 1945 noch
kennen gelernt. Als Kinder krabbelten wir durch ein Loch im Zaun neben dem großen Tor,wo die Züge hineingefahren sind. Wir sammelten die leckeren Blaubeeren, die hier
in großen Mengen gediehen.
Anfang der 60er Jahre wurde das alte Fachwerkhaus abgebaut und in einem Museumsdorf in Melle wieder aufgebaut.
So hat das alte Fachwerkhaus ausgesehen und ist mir noch in guter Erinnerung, wenn Frau Blotevogel ihren Sohn und mich hereinbat.

Espelkamp, den 27.08.2012
Georg Trümper

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