Unser erster eigener Hund

Der Titel ist eigentlich ein wenig irreführend. In meinem Elternhaus haben wir immer einen Hund gehabt. Ich bin also mit Hunden groß geworden. Bei meinem Mann war dies kaum anders. Auch dort hat immer ein Hund zum Leben dazu gehört. Doch dann haben wir geheiratet und unser eigenes Leben gebaut. Da war es zu Anfang nicht möglich einen Hund zu haben.

Nachdem wir nach dem Tod von meinem Schwiegervater das alte Bauernhaus von Schwiegereltern übernommen haben, mit Anhang, gleich seinem Hund, stand für uns fest: Wenn „Waldi“ nicht mehr ist(so hieß der Hund) bekommen wir selber einen. Waldi war ein Dackelmischlung, schaute aus wie ein Langhaardackel und gewöhnte sich sehr schnell an die neue Situation.

Ein paar mal im Jahr ging er auf Tour. Dann war keine Hündin vor ihm sicher. Wenn Schwiegermutter ihn nicht fand, war er auch schon mal über Nacht weg und kam erst am nächsten Tag wieder. Briefträger und Zeitungsträger hatten dann an der Haustür bei der Hündin schlechte Karten. So ganz freiwillig ließ er da Niemanden ran. Nach zwei Jahren ist er jedoch gestorben.

Zu der Zeit sah es so aus, dass mein Mann immer wieder mit irgendeinem Getier ankam. Die Nachbarn meinten, ich könne mich ja schon immer, wenn mein Mann seinen grauen Arbeitskittel anzog, auf Familienzuwachs einstellen. So in etwa war es auch.

Also wurde jetzt beschlossen: Ein neuer Hund muss her!
Wie es auf dem Dorf so üblich ist, wird also erst mal in der näheren Umgebung gehorcht, wer kleine Hunde hat. Ein Arbeitskollege erzählte meinem Mann dann, dass ein Nachbar des Kollegen noch kleine Hunde habe. Da wir auf Reinrassigkeit keinen Wert legen, hat mein Mann gesagt: „Heiner, kümmer dich mal und such einen aus.“ - Der Auftrag war also erteilt und der Kollege machte sich auf den Weg.

Am nächsten Tag kam er dann mit dem Welpen bei meinem Mann auf der Baustelle an. Der schaute sich den kleinen Kerl kurz an und meinte: „Sieh zu dass du ihn zu uns nach Hause bringst und meine Frau dir das Geld gibt. Ob das so Alles richtig ist, weis ich nicht.“
Also bekam ich den Welpen nach Hause gebracht. Ihr könnt es euch nicht vorstellen: Ein kleines Häufchen Elend. Aussehen wie ein schwarzer Spitz, eingeklemmter Schwanz vor Angst , keine Haare am Schwanz, das Fell voller Heu schaute er mich mit seinen Knopfaugen an. Von dem Tag an hatte er mein Herz erobert trotz aller Widrigkeiten. Aber auch umgekehrt schien es so zu sein. Auf Schritt und Tritt folgte er mir nun. Wenn ich in ein Zimmer ging und machte die Tür hinter mir zu, strullte er mir vor die Tür. Fand ich nicht so lustig, doch das hat er dann auch schnell gelernt. Jedenfalls unser Blacky (so haben wir ihn genannt) entwickelte sich super.

Nachdem er ein paar Monate bei uns war, sah man ihm nicht mehr an was für ein häßliches kleines Etwas er mal war. Sein Fell glänzte und sein haarloser Schwanz hatte sich zu einem dicken Büschel entwickelt den er stolz wie Oscar auf seinem Hinterteil postierte. Wenn ich mit ihm spazieren ging, brauchte ich keine Leine. Blacky lief immer drei Schritte hinter meinen Füßen. Wenn ich unverhofft stehen blieb, stieß er sich seine Nase an meinen Schuhen. „Sein Grundstück“ bewachte er so genau, dass es nur wenige wagten durch den Hintereingang ins Haus zu kommen. Wenn ich dann dabei war, konnten sich alle Besucher frei bewegen und ihn auch streicheln.

Alle bewunderten ihn und meinten, wir würden ihn mindestens alle vier Wochen baden und bürsten. Dem war aber nicht so.

Da bei uns die ganzen Schulkinder vorbei müssen, hatten wir ihn so erzogen, dass er nicht vom Grundstück runter durfte ohne uns. Das klappte auch ganz hervorragend. Er störte sich so nicht an den Kindern. Nur wenn ihn welche ärgerten, dass vergaß er nie. Er ging zwar nicht über den Zaun, doch bellte er dann ganz schön giftig.
Mit wahrer Begeisterung passte er im Winter die Leute abends, wenn sie zur Turnhalle wollten ab. Da stand er dann ganz ruhig hinter dem Gartenpfeiler und wartete bis Leute ungefähr auf seiner Höhe waren. Den schwarzen Kerl konnten sie ja auch nicht sehen. In dem Moment sprang er hoch und verbellte sie ordentlich. Da haben so Einige sich ganz heftig erschrocken.

Er war der liebste Spielkamerad unseres zu der Zeit achtjährigen Sohnes und als unsere Tochter geboren war, durfte sich Niemand zu sehr dem Kinderwagen nähern. Unser Blacky ist vierzehn Jahre alt geworden und dann ganz friedlich in den Hundehimmel gewechselt.
Fortsetzung: Hund Nummer zwei = Bingolin

:-B

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Kommentare

  1. 🙂 Liebe Bingolin,

    eine schöne Geschichte, ich freue mich schon auf deine nächste Hundegeschichte, wie dir bekannt ist, bin ich bekennende Hundefreundin und habe wie du, immer in meinem Leben Hunde gehabt und geliebt.

    Mach weiter so---

    liebe Grüße
    die Flo48ra 🙂 😉

  2. Hallo Bingolin,

    das kann ich mir lebendig vorstellen, dass ein Blacky unter deiner Fürsorge richtig auflebt!

    Aber es gibt noch eine Steigerung , die Geschichte vom Hund Bingolin!

    Werden wir es erfahren!?

    liebe Grüße

    Oldie65/Oldie43

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