Eisiger Podhalaner-Spaziergang

Eisiger Podhalaner-Spaziergang (RockyP)

Es liegt nun mal in der Natur der Sache, dass Hündinnen läufig werden.An sich ist es ein wiederkehrendes Ereignis, was für mich keine besonderen Probleme aufwirft, da ich meinen eigenen Rüden im Griff habe. Schwierigkeiten bereiten mir nur die Halter, welche ihre freilaufenden aufdringlichen Hunde nicht abrufen können. Diese Rüden lassen selbst dann nicht locker, wenn die Hündin sie abbeißt und sie sich dabei blutige Ohren holen. Um dieses Desaster nach Möglichkeit einzuschränken, gestalte ich meine Gassirunde zu den Zeiten, an denen nicht so viele Hundehalter unterwegs sind. Trotzdem lassen sich so ab und an unliebsame Begegnungen nicht vermeiden.

Laut schallte der Ruf: »Jonathan«, den steilen Wall am See hinunter. Doch Jonathan reagierte nicht. Er hatte sich über die vereiste Grasnarbe zu uns in Bewegung gesetzt. Seine, für den kleinen Hund sehr langen Ohren, flatterten bei jedem Bewegungsablauf auf und nieder und waren wohl auf Durchzug gestellt, was seinen Namen betraf. Der Geruchssinn des Kleinen war einsame Spitze. Auf gut 80 Meter Entfernung hatte sein kleines Näschen den Duft meiner läufigen Podhalaner-Hündin aufgenommen. Das war schon eine großartige Leistung.

Offenbar litt dieser Taschenknirps an totaler Selbstüberschätzung. Sein Widerrist reichte nicht einmal bis zum Sprunggelenk meiner Hündin. Da hatte er sich viel vorgenommen, aber über den gewaltigen Größenunterschied schien er sich aber im Moment keinen Kopf zu machen. Er war so euphorisch drauf, dass er sich schon im freien Luftraum in Stimmung brachte. Während sein Herrchen oben von der Deichkrone weiterhin seine Lunge strapazierte und lauthals Jonathan brüllte. Die Schreierei seines Namens ignorierte der Kleine total. Vielleicht dachte er auch so bei sich: »Wie ich heiße weiß ich selber, hilf mir lieber bei meinem Problem, was sich hier auftut.«

Meine beiden Hündinnen reagierten ganz entspannt, was mich eigentlich verwunderte. Sonst ist es genau das Gegenteil, alles wird weggebissen. Vielleicht tat der Kleine ihnen auch leid. Was so in Hundeköpfen vorgeht, lässt sich nicht immer genau ergründen. Da aber von der Deichkrone nur gerufen wurde und ansonsten keine weitere Reaktion erfolge den Taschenknirps zu holen, setzte ich meine Gassirunde fort, denn langsam wurde es mir kalt. Freund Jonathan schloss sich spontan unserem Spaziergang an. So leicht kann man auf den Hund kommen, nun hatte ich drei Hunde bei mir. Zwei freilaufende Hunde und meine Osa angeleint. Von der Deichkrone waren die Ruffetzen des Hundenamens immer leiser zu vernehmen.

Weil sich meine alten Socken, welche ich vorsichtshalber wegen der vereisten Fußwege über meine Schuhe gestülpt hatte, langsam auflösten, trat ich kurz darauf den Rückweg an. Nur weiß ich nicht, wer krasser drauf war: der liebestolle Hund oder sein Herrchen? Bei meiner Rückkehr stand er noch immer an der gleichen Stelle, angelehnt an einer Bank und winkte uns zu sich. Dachte er allen Ernstes, ich würde den eisigen Hang hochkraxeln und ihm seinen Hund bringen? Das konnte es nicht sein! Doch an der nächsten Weggabelung legte ich zwangsläufig erneut Rast ein. Mit drei Hunden konnte ich den Heimweg nicht antreten. Und so nach einer gefühlten Stunde in eisiger Kälte kam endlich dieser Hundefreak und holte kommentarlos seinen Jonathan ab. Kein Dankeswort für meine Wartezeit - kein Gruß - nichts. Was soll man dazu noch sagen!

Ein Text von: RockyP

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