Der Autist

Der Autist... er benötigt klare Sicherheitsstrukturen

 

Müde komme ich vom Hundespaziergang zurück, nach Hause.

Klaviermusik klingt mir entgegen. Matthew spielt am weißen Klavier das Stück  -Für Elise... . Wir haben es Tagelang geübt, jetzt ist es ein leichtes für ihn.  Immer wieder die gleichen Tasten, ergeben immer wieder die gleiche Musik. Beruhigend... nichts ändert sich. Diese Piano-Musik gibt ihm Sicherheit, sie ist freundlich-leise, etwas beschwingt. Der Junge mag nichts Lautes, Kreischendes... obwohl er es manchmal selbst ist z.B. wenn ich ihn von der Schule abhole und nicht auf dem geraden Weg nach Hause fahre oder einen neuen Supermarkt besuche also nicht den Einkaufsmarkt den Matthew kennt, in dem er immer an der Fleischtheke sein Stück Fleischwurst von der netten Verkäuferin bekommt. Matthew hat während der Autofahrt stets prüfend seinen Blick nach draußen gerichtet. Muss ich mal eine Umleitung fahren,  kreischt er hinten im Auto, fuchtelt wild mit seinen Armen herum und schiebt sich drehend und wendend in den Sicherheitsgurten von einer Pobacke zur anderen.  Eine Veränderung seiner Person findet statt...  seine Sicherheit bekommt einen Knacks.                                                                                                            Schneeflocken tanzen am Fenster, passend zur Musik. Sie ist eine der Sprachen der Engel. Gleich einer Schneeflocke schneite Matthew eines Tages in unser Wolkenkuckucksheim.  Er war etwas Neues, anders...   Matthew mag das Neue aber nicht.  Es ist unsicher, unberechenbar für ihn.  Er mag Änni, seine Therapie-Hündin. Sie gibt ihm die dringend notwendige Hilfe, die er benötigt. Matthew braucht nun mal klare Sicherheitsstrukturen.  Auf  leisen Pfoten schleicht Änni sich zu ihm hin und legt sich neben sein Klavier, unübersehbar für ihn. Änni ist klug. Sie weiß genau... Matthew wird gleich zu ihrem Fressnapf gehen  und ihr ein Leckerchen hinein legen. Das ist ihre Belohnung , da sie  andächtig- still seiner Klaviermusik zugehört hat ... ohne einen dummen Kommentar ab zu geben. Es ist die gleiche Prozedur wie jeden Tag um diese Uhrzeit.  Nach dem Klavierspiel gehen die beiden zu den Hühnern in den Garten um ihnen frische Salatblätter zu bringen. Es riecht nach noch mehr Schnee. Matthew hebt schnuppernd die Nase in die Luft... alles paletti!   Mit einem Male wird der Junge unruhig..., sein Blick sagt das aus. Ja, seine Augen, sie sind der Spiegel zu seiner Seele.

-2-

-2-

 

Manchmal spiegeln sie den Ausdruck innerer Zufriedenheit oder Freude wider, ein anderes Mal  aber auch seine Wut,  Niedergeschlagenheit oder Trauer.                                Die Sicherheit schwindet dann dahin...Eine harmonische, glückliche-innere Einstellung ist nun mal die beste Voraussetzung für ein liebenswertes Aussehen. Aber das ist bei Matthew nicht der Fall. Er sieht irgendwie anders aus,... vor allem wenn etwas Unvorhergesehenes ihn erschreckt.   Ein paar Minuten später kann er aber auch –ganz unbewußt- den ureigenen Charme zeigen.  Nur seine Freunde mögen ihn so wie er ist. Sie sind Ruhe und Zuflucht in seiner Welt, sie hören ihm zu, geben ihm die Schulter zum Anlehnen – sie geben ihm einfach Sicherheit im Leben. Es sind Menschen, die da sind wenn er sie braucht... in seiner Unsicherheit.                                                                                              Ein Wechselbad der Gefühle findet gerade in Matthew  statt. Schnell geht Mutter zu ihm hin, nimmt ihn in die Arme und versucht einen Krampfanfall zu verhindern. Mit beruhigenden Worten  redet sie auf den Jungen  ein und sagt ihm, dass Julia –seine Freundin- gleich kommt. Eigentlich müsste Julia schon da sein. Sie weiß doch... Matthew mag Pünktlichkeit.                                                                                               Matthew benötigt die Klarheit der Mathematik... da ist alles verständlich für ihn.  Er mag auch die Geschichten, die ich für ihn  geschrieben habe. Manchmal lächelt er sogar dabei...  dann sind seine Gedanken frei. Er liebt auch unser gemeinsames backen. Der Tortenboden braucht 200g Mehl, 1Ei, Milch und Margarine...  immer! Anschließend schleckt er dann den übrig gebliebenen Teig aus der Schüssel und gibt Änni davon etwas ab. Sie dankt ihm dafür mit einem genußvoll-strahlendem  Blick. Matthew’s Welt ist dann in Ordnung...er ist dann glücklich.

Die Straßen des Lebens sind meist unsicher, aber die vielen kleinen  Nebenstraßen mit ihren markanten Menschen in den bunten Häusern verheißen auch ein wenig Sicherheit...

 

 

 

 

 

Ähnliche Beiträge

Kommentare

Verstoß melden

Schließen

Jetzt kostenlos Mitglied werden!

Werden Sie jetzt ganz einfach und völlig risikolos Mitglied in der großen Gemeinschaft 50Plus und finden Sie neue Freunde. Völlig kostenlos. Ohne Tricks und Kniffe. Und mit umfassendem Schutz Ihrer Daten gemäß DSGVO.