Startseite Foren Politik - Zentrale Zur Erinnerung: 17.Juni 1953

  • Zur Erinnerung: 17.Juni 1953

     rooikat antwortete vor 1 Jahr, 2 Monate 11 Teilnehmer · 38 Beiträge
  • Stadtwolf

    Teilnehmer
    17. Juni 2020 um 19:25

    An diesem Tage kam es zum Volksaufstand in der ehemaligen DDR.

    Damals stand es schlecht um die DDR,Enteignung der Bauern,Bodenreform,es drohten ernsthafte Engpässe in der Lebensmittelversorgung.Und dann sollten auch noch zum 30.Juni,dem 60.Geburtstag Walter Ulbrichts die Arbeitsnormen um 10% angehoben werden.Man geht bis zu 1,5 Millionen Demonstranten aus,13.ooo Menschen sollen verhaftet worden sein,55 kamen zu Tode.

    Bis 1953 hat die DDR die höchsten Reparationen der Weltgeschichte an die SU geleistet.

    Westdeutschland hat ab 1946 NULL Reparationen an die SU geleistet und seit Beginn des kalten Krieges auch keine mehr an die Westmächte.Die BRD hat durch den Marshallplan massivste Unterstützung erhalten.

    Der 17.Juni war von 1954 bis 1990 in der BRD Nationalfeiertag.Man dachte kurz an den Aufstand in der DDR, aber freute sich,auch ich,über den zusätzlichen Feiertag.

    Sollte ich etwas falsch interpretiert haben,lasse ich mich gerne belehren.

    SW

  • happyday

    Teilnehmer
    17. Juni 2020 um 22:25

    Meinen Beitrag von gestern habe ich jetzt gelöscht, nachdem ich die Zeilen von ingo.x gelesen habe. Bleibt für mich mal wieder die Frage: An wen zahlen wir ehemaligen DDR-Bürgen den Soli ? An uns selbst ???

    Danke an euch, Stadtwolf und Dabbes, für die Erinnerung an den 17. Juni.

    • Dieser Beitrag wurde vor 1 Jahr, 3 Monate von  happyday bearbeitet.
  • philosophin

    Teilnehmer
    18. Juni 2020 um 19:09

    @Dabbes, der Faulheit halber https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Waggonbau.

    Die DDR hat so ziemlich den Ostblock mit Eisenbahnwaggons versorgt, nicht nur Personenwagen, die DB teilweise zumindest auch und in China gibt es heute noch DDR Eisenbahnwaggons, die in Betrieb sind z.B. Schlafwagen.

    Zuviel real existierender Sozialismus auf der Transsib, zuviel für einen guten Westlinken ?

    Oder zuviel Gegend?

    Wie auch immer. Russen haben mich immer nach dem deutschen -Feiertag der Liebe- gefragt, der im Juni war. Sie meinten den 17. Juni.

    Die DDR Geschichte ist inzwischen gut recherchiert von West- und Ostautoren. Schlecht werden kann einem da trotzdem noch, wenn man sich die Fakten auf der Zunge zergehen läßt, auch die nach 1990. Für mich war interessant welche Fragen Westautoren wie stellen zur Geschichte natürlich aus der Sicht der 90er Jahre. Teilweise schärfer und die Frage; Hat der Westen und wenn ja wie, in welchem Umfang von der DDR oder dem Osten profitiert?

    Das haben DDR Autoren so nicht formuliert, nicht in der Schärfe. Diese Art Fragestellung und die gründliche Recherche erklärt manches was in den 50ern stattgefunden hat und klärt manche Vermutung hier. Ich müßte in meinem Bücherschrank kramen und bin derzeit zu faul dazu .

    Und wenn Adenauer Stalins Angebot, demokratische Wahlen im Osten durchzuführen, angenommen hätte, dann säh die Welt auch anders aus. Dass das nicht zu Adenauers Vorteil hätte ausgehen können, wußte er natürlich.

    Naja, soweit erstmal

    Schönen Abend

    phil

    • Dieser Beitrag wurde vor 1 Jahr, 2 Monate von  philosophin bearbeitet.
    • Dieser Beitrag wurde vor 1 Jahr, 2 Monate von  philosophin bearbeitet.
    • Dieser Beitrag wurde vor 1 Jahr, 2 Monate von  philosophin bearbeitet.
  • philosophin

    Teilnehmer
    18. Juni 2020 um 20:09

    @Stadtwolf, wenn ich mich recht entsinne, wär ein ziemlicher Teil der sogenannten Vereinigungskosten damit ausgeglichen gewesen, und wenn man da rausrechnet, wieviele Milliarden -meist westdeutscher Steuergelder- direkt in die Taschen westdeutscher Firmen und Privatpersonen geflossen sind, in Gestalt von Sonderafa, symbolischen Eine D-Mark Kaufpreisen, mehr oder weniger geduldetetem Subventionsbetrug usw. , dann noch deutlich mehr.

    Wenn eine solche Etappe einmal kulturell verdaut ist, weil die betroffenen Generationen weggestorben sind, oder an den Rand der Gesellschaft gedrängt, dann ist es nur noch was für die Geschichtsbücher, dann gerinnt sozusagen ein Geschichtsbild , ob es richtig ist oder nicht. Letzteres hängt ja auch immer vom Blickwinkel des Betrachters ab. So kommt mir das jedenfalls vor. Es hat aber auch was Gutes, das dann ruhen zu lassen und nur noch an besonderen Tagen daran zu erinnern. Man kann ja eh nichts mehr ändern.

    schönen Abend

    phil

  • Carlos1

    Teilnehmer
    24. Juni 2020 um 18:23

    Lieber Stadtwolf, du willst dich gerne belehren lassen, schreibst du am Schluss deines Beitrags. Ich möchte dich nicht belehren. Die Zeit habe ich gut in Erinnerung und Dtld, nicht nur die DDR auch der westliche Teil hat damals nicht gut ausgesehen. Es gab aber Unterschiede in dem, was weniger gut war.

    Der 17. Juni 1953 auf die Erhöhung der Normen allein zurückzuführen ist m. E. nicht richtig. Die Erhöhung war nicht auschlaggebend, weil diese nicht die Sklaventreibernormen waren als die sie oft im Westen angesehen wurden. Hinter dem Unmut und Zorn verbergen sich viele Formen der Unzufriedenheit mit dem Regime der SED. Die Bodenreform war übrigens bereits 1945 in Sachsen durchgeführt worden. Das Land des Großgrundbesitzes ging an Kleinbauern, die weniger produktiv wirtschafteten. Das trug zur Lebensmittelknappheit bei. Die Enteignugen dieser Kleinbauern erfolgte später im Zuge der Kollektivierung der Landwirtschaft ab 1960.

    Die DDR litt vor allem unter der Unterbrechung gewachsener Verbindungen mit ihren Lieferketten im westlichen Teil.

    Die Reaparationen an die Sowjetunion spielen bei der relativ geringen Größe des Staatsgebietes mit knapp 20 Mio Einw 1945/46 eine größere Rolle. Form und Ausmaß der Reparationen sind beipiellos, weil es in den Anfangsphasen reine Beutezüge waren und man nicht sagen konnte, welchen Sinn und Zweck sie der SU dienten. Sie wurden auch nicht behördlich verzeichnet, so dass nur Schätzungen möglich sind. Es gab Ankündigungen, dass Demontagen ein Ende hätten; sie hörten auf, um kurz darauf wieder zu beginnen.

    Demontagen hat es im Westen auch gegeben, aber nicht in dieser Form. Die Potsdamer Konferenz hatte eine Vierzonenverwaltung mit Alliiertem Kontrollrat (entspr einer Regierung) installiert, der Dtld verwalten sollte, gemeinsam wohlgemerkt. Dtld wurde nicht auf der Potsdamer Konferenz geteilt. Diese Linie gemeinsame Linie wurde mit den eigenmächtigen Reformmaßnahmen 1945 (Enteignungen, Bodenreform) von der SU verlassen. Sie wollte ihr eigenes System installieren. Als Folge davon gaben die Westmächte die Praxis auf, die SU an den Reaparationen im Westen zu beteiligen. Auch im Westen wurde demontiert, nach Plan gewirtschaftet, ein sehr hoher Anteil der demontierten Güter ging an die SU. Das wurde 1946 gestoppt. Die USA verzichteten auf Reparationen, Frkrch holzte weite Flächen des Schwarzwaldes ab, England nahm gerne (nehme ich an) die veralteten Maschinen.

    Dtld hungerte und Europa hungerte auch, lag am Boden. Die Dollarlücke war damals ein geflügeltes Wort. Dort wo die in Europa fehlenden Produkte zu kaufen waren, musste mit Dollar bezahlt werden. Europa war aber total verarmt. Nicht nur Dtld.

    Die USA initiierten als Folge der Misere und der sowjetischen Politk in Dtld (Eiserner Vorhang), Polen, Ungarn Griechenland, CSR das Europ. Wiederaufbauprgramm (ERP = European Recovery Program). Es war in erster Linie für Europa gedacht, Dtld hat eine vergleichsweise geringe Summe erhalten.

    Das ERP arbeitete mit Privatkrediten für kleine und große Firmen zum Kauf von Maschinen. Ein Schneider konnte sich also eine Nähmaschine in den USA kaufen. Die Tilgungen der Unternehmen wurden u. a. in einen Fond einbezahlt. Die heutige Staatsbank KfW, die günsttige Gelder für Investitionszwecke zur Verfügung stellt, geht auf diesen Fond zurück.

    Voraussetzung für das ERP war eine Währungsreform, die natürlich gegen die Abmachungen von Potsdam verstieß. Die USA nahmen aber keine Rücksicht mehr. Die Spaltung Dtlds hatte also im Wirtschaftsbereich begonnen, bereits 1945, und wurde nun verfestigt mit der Ausarbeitung einer Verfassung für einen westdt. Staat. Am 23. Mai 1949 trat das Grundgesetz der Bundesrepublik in Kraft. Im September 1949 erfolgten die ersten Wahlen zum Dt. Bundestag. Auf dieser Grundlage konnte das ERP in Dtld durchgeführt werden. Bis 1952 flossen ca 3,5MRD USD nach Westdtld.

    Das ERP war vorgesehen für alle europ. Staaten auch Polen, Ungarn, CSR. Diese lehnten das Angebot ab, ebenso die DDR. 1948 wurde mit der Blockade Westberlins klar, dass in Europa der Kalte Krieg die Beziehungen zwischen den beiden dt. Staaten dominieren würde.

    Der Wert der ERP-Gelder für die Buindesrep. würde heute bei ca 30 Mio € leigen. Die DDR hat nach den Berechnungen des zuständigen dt. Ministeriums keinesfalls die höchsten jemals geforderten Reparationen bezahlt. Unter Berücksichtigung der wilden Beutezüge der sowjet. Besatzungsmacht mit Schätzungen, den direkten Entnahmen aus der Produktion, den Sowjet-AGs, den Zahlungen für den Unterhalt der SU-Streitkräfte liegen die KJosten über 60 MRD DM.

    Voraussetzung für die BRD war die Regelung der dt. Kriegsschulden nach dem 1. WKrieg und den Dawes und Young-Anlehen zur Schuldentilgung (ca. 30 MRD DM). Die BRD verpflichtete sich im Junktim mit der LOndoner Schuldenkonferenz die Opfer des Holocaust zu entschädigen und Zahlungen an Israel zu leisten. Die Summe dafür liegt bei über 120 MRD DM. Doppelt so hoch wie der hochgerechnete Anteil der Reaparationender DDR an die SU.

    Die Politik der SED hat der BRD sehr geholfen die schwierige Zeit nach der Währungsreform zu überstehen. Viele Firmen aus dem östlichen Teil Dtlds kam nach Westdtld (WELLA, ZEISS in Oberkochen u. a.). Gut ausgebidlete Menschen gingen in den Westen. Ingenieure aus Zwickau von Audi brachten auch gleich die Blaupausen mit. Ein Aderlass ohne Unterlass bis zum Mauerbau 1961. Der BRd hat weiterhin der Koreakrieg sehr geholfen. Während die USA und andere Westmächte im Koreakrieg(engagiert waren, konnte die BRD Konsumgüter im Windschatten dieses Krieges liefern. Mit Glück und durch Fehelr von andern zum wirtschaftlichen Erfolg.

  • Holzhacker

    Teilnehmer
    25. Juni 2020 um 10:41

    Na philpsophin, einen Umstand scheint man hier im Westen gerne zu übersehen: Da der größte Teil der Fläche in der DDR im Staatsbesitz war, fielen die wesentlichen Teile dieses Areals an den Weststaat! Dieses Land wurde dann von uns Wessis verkauft. Ich habe noch nirgendwo etwas darüber gelesen, wohin diese Summen flossen.

  • GSaremba61

    Teilnehmer
    25. Juni 2020 um 12:26

    @happyday – einwenig habe ich jetzt geschmunzelt, Happy. Wenn ich bedenke wofür der Soli mal eingeführt wurde, dann… ja, dann haben die ehemaligen DDR-Bürger an sich selbst gezahlt. Wenn ich dann bedenke, wie sich die Städte, die ich in den Jahren in der Verwandlung gesehen habe – ja… sehe ich, dass das Geld auch dort eingesetzt wurde.

    @ingo.x – mit Geld kann man Nachteile. Entbehrungen nicht ausgleichen! Vergangenheit? Kann ich nich beurteilen. Doch auch Vergangenheit gehört zur Zukunft – denke ich.

    GeSa

  • happyday

    Teilnehmer
    25. Juni 2020 um 12:45

    @GSaremba61 …, ja, ich habe mich unklar ausgedrückt, das ist mir bewusst.

    Was ich eigentlich sagen wollte: immer noch wird von so manchem Bürger der ehemaligen BRD behauptet, nur sie müssen den Soli zahlen. Das stimmt aber nicht, auch die ehemaligen DDR-Bürger zahlen den Soli…Wie wenig hier im FfS sachbezogen diskutiert werden kann, habe ich inzwischen verstanden und halte mich weitestgehend zurück. –

    Mit dem 17. Juni, wo bis heute noch manches im “Giftschrank” zu liegen scheint, hat das jedenfalls nichts zu tun…

  • GSaremba61

    Teilnehmer
    25. Juni 2020 um 12:49

    @happyday – ich fand es nicht unklar, hatte Dich verstanden. Und ja, mit dem 17. Juni hat es nichts zu tun

    GeSa

  • Stadtwolf

    Teilnehmer
    25. Juni 2020 um 17:28

    Hallo Carlos,

    Danke für deine ausführliche Darstellung.Sie hat mein Wissen über diese Zeit erweitert.

    SW

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