Startseite Foren Themen des Tages Worthülsen - aber vergoldet

  • Fischersfruwe

    Mitglied
    30. Juli 2019 um 1:33

    Jeder Kontakt wurde nicht vermieden, im Gegenteil: Zwischen Vietnamesen und Deutschen bestehen enge freundschaftliche Kontakte, die über Jahrzehnte gewachsen sind. Und das weiß ich nicht vom Hörensagen, sondern aus persönlicher Anschauung. Ich kann allerdings nur für die Stadt Brandenburg sprechen.

    Ja, GeSa, die meisten Ossis können zaubern. Es gibt kaum ein technisches Problem, das sie nicht lösen können. Sie verfügen über eine breit gefächerte technische Fantasie. Ich fand das immer bewundernswert und habe oft Hilfe erfahren. Und irgendwie ist es auch schade, dieses Know-How brach liegen und verkümmern zu lassen.

    Generell und für mich abschließend kann ich zu dieser Diskussion nur sagen, meinem Eindruck nach ist die Ähnlichkeit zwischen Ost- und Westdeutschen unverkennbar, nämlich eindeutig DEUTSCH.

  • Madame.C

    Mitglied
    29. Juli 2019 um 20:29

    Nachdem sich die Diskussion immer weiter entfernte von meinen Eingangsfragen nach den "Worthülsen" habe ich den Text vorsichtshalber nochmal durchgelesen. Das löste eine Erinnerung aus.

    Ich war mal Teilnehmerin in einem Gruppenprozess mit etwa 30 Menschen. Eine zunächst harmlos erscheinende Übung war folgende:

    Man sollte zu zweit zueinanderfinden. Dann Hand und Arm des Gegenüber fest greifen und runterdrücken immer mit den laut gesprochenen Worten "Ich habe Recht"!

    Das ging immer hin und her zwischen A und B, "Ich habe Recht" – "Ich habe Recht" und es entwickelte sich eine derart starke fast tumultartige überlaute Atmosphäre. Bis das ganze irgendwann im langsamen Verebben abgebrochen wurde.

    Man kann auf so leichte Weise, Menschen motivieren, sich zu echauffieren, richtig wütend zu werden und für was "zu kämpfen", was ganz was anderes ist als die scheinbare Nullige Vorgabe.

    Muss hier nicht jede/r verstehen. Aber die mitgemacht hatten damals, die hatten Gelegenheit zu Betroffenheit bis befreiendem Gelächter. Und waren um eine Erkenntnis reicher.

  • GSaremba61

    Mitglied
    29. Juli 2019 um 20:22

    ….vietnamesischen Kontingent-Arbeiter sowie Studierende aus Mozambique….

    Mit denen man möglichst privaten Kontakt vermeiden sollte wie ich gehört habe. Damit fehlt dann eben doch die Erfahrung.

    Das sie nicht arbeiten konnten, könnte eine schlecht Formulierung sein. Meine Erfahrung in Kurzform- Auftrag Beimaterial abzuholen. Nach der ersten Fuhre setzte sich der Mitarbeiter hin. Auf die Nachfrage des Vorarbeiters weshalb er nicht die nächste Fuhre holt – Überraschung beim MA – wieso ist denn noch mehr Material da? Er kannte es nicht anders. kann man auch als "nicht arbeiten können" locker formulieren.

    Oder: Eine Maschine fällt aus. Der ostdeutsche Mitarbeiter will sofort reparieren. Wird selbstverständlich von den Kollegen und dem Chef zurückgehalten. Selbst 20 Jahre später hatte diese Person nicht verstanden, dass es zu seinem Schutz und dem Schutz der Firma war (Versicherungsschutz bei Unfall/Regressanspruch der Firma an Maschinenfabrik). Er füllte sich bevormundet, die Besserwessis konnten es nicht und ihn ließ man nicht. :-I

    Aus solchen Situationen, Fifru entstehen "Märchen". Und davon gibt es viele. Angebliche Bevormundung und/oder Benachteiligung, die viel mit den Möglichkeiten und den Rechten und Pflichten Westdeutschlands zu tun haben. Nicht gekannt, nicht verstanden = dann muss es der Besserwessi sein.

    GeSa

  • Fischersfruwe

    Mitglied
    29. Juli 2019 um 20:01

    Das stimmt so nicht. Es gab – und gibt sie noch – die vietnamesischen Kontingent-Arbeiter sowie Studierende aus Mozambique, glaube ich, aber die gingen meist zurück in ihre Heimat nach Studienende.

  • Cocco

    Mitglied
    29. Juli 2019 um 19:58

    "…Daß es Menschen gibt, die die "alte Heimat" heute in einer gewissen Verklärtheit sehen, sich einiges (aber meist nur Teile) davon zurück wünschen, hängt unmittelbar damit zusammen…"

    "Alte Heimat", die unter neuem System (DDR) eine ganze Generation zu Bruderfeinden umerzogen hat.

    Bis zur sog. Wiedervereinigung wird es daher
    wohl noch eine ganze Weile dauern.

  • Fischersfruwe

    Mitglied
    29. Juli 2019 um 19:57

    Daß den Menschen die Anerkennung ihrer Lebensleistung verweigert würde, halte ich für nicht gegeben! Wer (schutz)behauptet denn sowas?

    Susa, das habe ich mehr als einmal von lieben Wessi-KollegInnen so gehört. Manche haben ja sogar behauptet, dass Ossis nicht wüssten, wie man arbeitet (das traf für meine Mitarbeiterinnen nun überhaupt nicht zu, die waren hochmotiviert und sehr effizient). Andere behaupteten, dass es in der Ex-DDR keine Toiletten mit Wasserspülung gegeben habe und so weiter und so fort. Solche Behauptungen kamen vornehmlich von Menschen, die noch nie im Osten gewesen waren und auch nicht vorhatten, das zu ändern. Besonders nachhaltig in Erinnerung geblieben ist mir diesbezüglich der Pressesprecher einer bayerischen Universität, den ich mal auf einer Pressesprecher-Tagung traf…

    Was du über das Gefühl de Heimatverlustes schreibst ist sehr klug. Ich denke damit liegst du richtig.
    Fifru.

  • GSaremba61

    Mitglied
    29. Juli 2019 um 19:47

    Biste verrutscht, SusiSoho – Reaktion auf Mondin?

    Beitrag von Dabbes vom 29.07.2019, 19.38 Uhr

    [Neu] Re:: Konstruktive Lösung

    Wie kommst Du denn darauf, liebe Mondin?

    Schließlich habe ich doch lediglich versucht, Deiner einfühlsamen Analyse, uninterpretiert einen praktischen Ausfluss beizuordnen.

    Beitrag von SusiSoho vom 29.07.2019, 19.38 Uhr

    [Neu] Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Worthülsen – aber vergoldet

    Wie kommst Du denn darauf, liebe Mondin?

    Schließlich habe ich doch lediglich versucht, Deiner einfühlsamen Analyse einen praktischen Ausfluss beizuordnen.

    Oder gibt es hier Schwesterchen und Brüderchen? Ein Genderproblem? Ein doppeltes Lottchen nur eben männlich/weiblich?

    Muss/soll ich mich jetzt wundern? Beim Betrachten der Uhrzeit kann es auch einfach sein, dass es der Technik zu warm ist und zwei Beiträge zu einem gekoppelt hat. 🙂

    GeSa

  • SFath

    Mitglied
    29. Juli 2019 um 19:01

    Akunos hat einen Satz in seinem Beitrag gesagt, der ganz sicher stimmt und für viele(s) gilt:
    Ich vermute mal dass die erkennbare Unzufriedenheit von vielen Ostdeutschen mit dem plötzlichen Verlust ihrer DDR Identität zu tun hat

    Das kann man mit dem Verlust der "Heimat" vergleichen. Und so ein "Verlust" ist weder mit guten Worten, noch mit Geld, auszugleichen.
    Daß es Menschen gibt, die die "alte Heimat" heute in einer gewissen Verklärtheit sehen, sich einiges (aber meist nur Teile) davon zurück wünschen, hängt unmittelbar damit zusammen.

    Daß den Menschen die Anerkennung ihrer Lebensleistung verweigert würde, halte ich für nicht gegeben! Wer (schutz)behauptet denn sowas?

  • GSaremba61

    Mitglied
    29. Juli 2019 um 18:31

    Was auch gerne vergessen wird: Alle Ossis, sofern berufstätig, zahlen ebenso den Soli wie wir auch und das, obwohl die Löhne und Renten nach 30 Jahren immer noch nicht an das Westniveau angepasst sind. Fifru

    Es ist ja schön, dass Du Dich so für Deine neue Heimat einsetzt. Doch es schadet nicht dabei einen klaren Blick zu behalten. Unabhängig von der Höhe des Einkommen, Löhne und Renten zahlen ALLE Steuerzahler jährlich 5,5% Prozent der fälligen Einkommensteuer zusätzlich als Solidaritätszuschlag. Und auch das gilt für ALLE, Geringverdiener zahlen keinen oder einen reduzierten Soli. Somit werden die Unterschiede bedacht und niemand ist benachteiligt. Dafür spricht alleine schon das Wort – Prozent. 😉

    Für die Schwere, die Misswirtschaft des alltägliche Lebens und Lügen eines Regimes mag ich so wenig geradestehen wie für die Zeiten des Krieges.

    Ebenso sollte gesehen werden – die Wende war nicht das Ansinnen, sondern Freiheit. Erst als erkannt wurde, dass man die Freiheit mit der Ostmark nicht bezahlen konnte kam der Wunsch nach DM und dann fiel einigen auch die Einheit ein.

    Ebenfalls sei erinnert, nach Mauerfall wanderten viele in den Westen. Wenn jedoch Arbeitskräfte abwandern kann kein Unternehmen investieren!

    Ich verstehe, dass 30 Jahre vieles anders aussehen lässt, doch es verändert nicht die Geschichte. Treuhand oder reiche Westdeutsche (wobei das die Ersten waren, die sanierten bzw. neu bauten, wer hätte es sonst tun sollen!) hin oder her, vieles lag in der Hand der Ostbürger. Z.B. auch Erfahrung nicht als Besserwessi abzutun.

    GeSa

  • Fischersfruwe

    Mitglied
    29. Juli 2019 um 16:30

    Genau! Es wäre schon viel gewonnen, wenn die Lebensleistung unserer Ostdeutschen "Schwestern und Brüder" endlich von uns "Besserwessis" anerkannt und entsprechend gewürdigt würde. Sie haben nicht nur unter sehr viel schwereren Bedingungen als sie im Westen dank Marshall-Plan gegeben waren ihr Land wieder aufbauen müssen, nachdem die Russen es leer geräumt hatten. Die Ostdeutschen erlebten wirklich eine Stunde Null.

    Und auch das alltägliche Leben war viel anstrengender wegen des Mangels an allen Ecken und Enden. Es fehlten nicht nur Bananen, sondern viele Produkte des täglichen Lebens. Ein Teil des Lebens spielte sich in Warteschlangen ab und endete oft frustrierend. Und die Ostdeutschen haben keinesfalls weniger geschuftet als wir Wessis – im Gegenteil.

    Was auch gerne vergessen wird: Alle Ossis, sofern berufstätig, zahlen ebenso den Soli wie wir auch und das, obwohl die Löhne und Renten nach 30 Jahren immer noch nicht an das Westniveau angepasst sind.

    Ich war nie eine Anhängerin von Kohl und der CDU, aber ich bitte auch zu bedenken, dass es so etwas wie die Wende, die ja übrigens auch die Ostdeutschen mit der sogenannten friedlichen Revolution herbei geführt haben, vorher noch nirgendwo gegeben hatte, man also gar nicht wusste, wie man das richtig macht.

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