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Darf ich (teilweise) widersprechen und – der Einfachheit halber – auf Wikipedia verweisen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Rassismus
Rassismus als soziales und psychisches Phänomen existiert unabhängig von Rassentheorien, als rassistisch zu beschreibende Gruppenkonflikte lassen sich bis in die frühe Menschheitsgeschichte nachweisen.
Rassismus als systematisches Lehrgebäude dagegen entwickelte sich seit dem ausgehenden 18. Jh. im kontinentalen Europa und der angelsächsischen Welt.
In den USA steht das Verhältnis von weißen und schwarzen Amerikanern in krassem Gegensatz zum Verhältnis von arm und reich, von Beschäftigen und Arbeitslosen, von Krankenversicherten und Nichtkrankenversicherten, von Gebildeten und Nichtgebildeten…
….und von weißen zu schwarzen an Corona Verstorbenen.
M.a.W.: Es sterben 3-4 x mehr schwarze als weiße Amerikaner an Covid 19, was für jeden, der die amerikanischen Verhältnisse ein wenig kennt, keine Überraschung ist.
Vermutlich auch nicht für den Rassisten Donald Trump, weshalb ich in Betracht ziehe, dass seine Begründung, er habe die von Covid19 ausgehende tödliche Gefahr von Anfang an bewußt heruntergespielt und verharmlost um eine landesweite Panik zu verhindern, nur vorgeschoben ist und er in Wirklichkeit auf die hohe Wahrscheinlichkeit setzte, dass vor allem jene dezimiert und das Sozialbudget entlasten würden, die in seiner Welt den geringsten Stellenwert haben: Arme Schwarze mit geringer Bildung und begrenztem Zugang zu lebensrettenden Informationen und Maßnahmen!
In Zahlen: Von den (per heute) knapp 7,0 Mio. Erkrankten sind inzwischen mehr als 202.000 gestorben. Bei einem Verhältnis von 1:4 heißt das: ca. 40.000 Weiße + ca. 160.000 Schwarze! (Plus hohe Dunkelziffer an nicht registrierten Toten.)
https://www.sueddeutsche.de/politik/coronavirus-usa-schwarze-sterberate-1.4872535
In USA stirbt man an Rassismus; er nennt sich nur gerade Covid19!
M.
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Die Großmutter meines Mannes väterlicherseits, in deren Elternhaus er nebst seinen Eltern aufwuchs, war eine Native Northern American. Wer aufmerksam ist, sieht meinem Mann einen „Nativ-Zug“ im Augenbereich an. Mein Mann ist sehr stolz Native – Vorfahren zu haben. Natürlich haben sie sich über Natives, ihre Gewohnheiten, Bräuche, Gutes und Schlechtes im Zusammenleben mit den „Weißen“ unterhalten. Man war auch froh, dass das Wort Red Skin aus Namen von Sportteams und Universitäten verschwand. Wie mir mein Mann aber auch erzählte, war seine Großmutter gegen jegliche Änderungen. Sie meinte, einiges müsse bleiben, denn sonst würde eine gewisse Art von erzählbarer Geschichte verschwinden, über die es sich zu unterhalten lohnen würde. Auch so könnten Wörter im Sprachgebrauch von Menschen durch Erkennen verschwinden, auch wenn es länger dauern würde als per „Anweisung“. Wer nicht wolle, ändere mit oder ohne Anweisung nichts.
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@Paesi, Rassismus gehört zu den „eingeschliffenen“ Verhaltensweisen seit Menschengedenken. Er wurde erst seit wenigen Jahrzehnten als solcher überhaupt wahrgenommen, da er im Alltag – sofern hingeschaut wird – omnipräsent ist. Ansonsten… Menschenrassen gibt es nicht!
https://www.bpb.de/gesellschaft/migration/dossier-migration/223738/rassismus
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Ich sehe diesen Produktnamen nicht als rassistisch – als Mittel zur guten Vermarktung doch. Aber ist das schon rassistisch, genug um jemanden zu „unterstellen“, rassistische Gedanken bei der Namensvergabe zu haben?
Rassismus würde ich den Produktmachern unterstellen, wenn sie die Trennung „schwarz-weiß“ aufrechterhalten wollten bzw. wieder einführen wollen.
Den Namen zu ändern beinhaltet für mich, dass man der jetzigen gesellschaftlichen Entwicklung entspricht. Denn alle Länder, die dieses Produkt Jahrzehnte unter diesem Namen im Angebot hatten, alle Käufer, die es gekauft haben, haben sich somit (theoretisch von mir angenommen) noch nie mit der eigentlichen Problematik beschäftigt. Haben sie nur gedankenlos oder „mit-rassistisch“ gehandelt, da sie durch Kauf am Profit beteiligt waren?
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@Paesi: Wenn man den Produktnamen ändert, dann sehe ich darin einen Schritt, dass man sich nicht auf weitere Diskussionen einlassen will. Wenn die Afro-Amerikaner es rassistisch sehen, muss ich nicht gleich ihren Standpunkt übernehmen.
Wer die Geschichte der Afro-Amerikaner kennt, wundert sich überhaupt nicht über deren kämpferischen Geist! Denn der Ku-Klux-Kan feiert fröhliche Urständ. Und nicht nur in den Südstaaten! Statt teeren und federn benutzt man heute Schießeisen.
(Ku-Klux-Klan Rassistischer Geheimbund in den Südstaaten der USA
Der Ku-Klux-Klan ist ein rassistischer und gewalttätiger, vor allem in den Südstaaten der USA aktiver Geheimbund…)
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Paesi – 24.09.20 / 13:42
Wenn es nie Sklaverei und Rassismus gegeben hätte, wäre an dieser Variante der Erzählung wenig zu beanstanden. Dem ist aber nun mal nicht so.
Das Produkt wurde Anfang der 1930-er erfunden und gleich „Uncle Ben’s“ genannt. Von Weißen!
Die aber hielt man damals nur für Konsumenten, nicht aber für besondere Experten was den praktischen Anbau und die Verarbeitung von Reis anbelangt. Ganz anders dagegen die Schwarzen, die sich eine Tradition und einen Ruf als hervorragende Reisbauern und -verarbeiter erworben hatten – allerdings zwangsweise und als Sklaven!
Genau diesen, aus der Sklaverei stammendenden, guten Ruf schwarzer Reisbauern haben der aus Deutschland stammende Chemiker Erich Gustav Huzenlaub und Forrest Edward Mars (Sohn eines amerikanischen Schokoriegelfabrikanten) bei der Vermarktung ihres Produkts zugrunde gelegt als sie es “Uncle Ben’s“ nannten – und nicht z.B. „Master John’s“ oder „Sir William’s“.
Damit suggerierten sie perfekt das jahrhundertealte, handwerkliche Know-how schwarzer Reisfarmsklaven und taten so, als wäre ihr Produkt das Ergebnis von Onkel Bens freiwilliger Bereitschaft, sein ganzes Wissen über Reis in den Dienst guter Ernährung für Amerika und die Welt zu stellen.
Abgesehen von dieser Täuschung und dem Umstand, dass kein Schwarzer an der Entwicklung und Vermarktung des Produkts beteiligt war, verniedlichten die weißen Erfinder und Firmengründer die schwarzen Sklavenarbeiter im Nachhinein zu ‚Onkeln‘, als ob sie stets wohlgelittene Familienmitglieder gewesen und auch so behandelt worden wären…. und setzten damit im Grunde genommen Verharmlosung und Ausbeutung weiter fort und trieben es mit dem später hinzugekommenen Bild vom imaginären ‚Uncle Ben‘ auf die Spitze.
Gut, dass diese Erscheinungsform von Rassismus endlich ein Ende hat!
M.
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Ich empfehle das Buch „Americanah“. Nach dieser Lektüre weiß man, was Alltags-Rassismus ist:
https://www.fischerverlage.de/buch/chimamanda-ngozi-adichie-americanah-9783596521067
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Hallo @Robert13 , wie würde es sich für Europäer anhören, wenn das Lied umgedichtet würde so in etwa wie „10 kleine Bleichgesichter“!
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