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  • Gerecht oder ungerecht?

     Irmgardis antwortete vor 1 Jahr, 3 Monate 10 Teilnehmer · 23 Beiträge
  • Webra

    Teilnehmer
    4. September 2019 um 18:39

    Unter "Menschenkenntnis" läuft Novis Beitrag
    "Können Sie verzeihen"?

    In seinem Kommentar vom heutigen Tag, 17.28 Uhr
    schreibt peter-ingo13: " Was mir nahe geht ist
    Ungerechtigkeit, da werde ich zum Teufel".

    Da der Begriff "Ungerechtigkeit" aber ein abstrakter
    ist, genau wie z.B. der Begriff "Kunst", ist es doch
    interessant zu erfahren, was sich der einzelne
    darunter vorstellt.

    Meine Frage: "Was ist nach deiner Meinung Ungerecht, stelle ich hiermit speziell an
    peter-ing13, aber gleichzeitig auch an alle
    anderen.

    Zum Begriff Kunst habe ich im Internet 30
    verschiedene Definitionen von " berühmten oder
    populären Menschen" gefunden.

    Einigkeit ist deshalb nicht zu erwarten, Übereinstimmung ist jedoch möglich. :-B

  • Madame.C

    Teilnehmer
    5. September 2019 um 15:00

    "Was ist nach deiner Meinung Ungerecht?"

    Die Frage @Webra passt zu meinen subjektiv gefärbten Gedanken, die ich seit Tagen mit mir herumtrage. Am besten ein aktuelles Beispiel, das alle nachempfinden, wenn auch nicht alle gut und richtig finden werden.

    Wer es von den Flüchtlingen bis ins Mittelmeer geschafft hat, der wird entweder gerettet oder ertrinkt. Jedenfalls haben alle die es bis dahin schafften alles an "Schubkraft", woran es jenen, die in ihrer Heimat schuldlos verdorren, verhungern oder sonstwie zu Tode kommen, mangelte.

    Die Evolutions-Theorie mag helfen, das zu verstehen. Auch jene, die an Schicksal glauben. Ich finde es jedenfalls ungerecht

    In einem Vogelnest wird jenes Küken am meisten Futter abkriegen , das den Hals am höchsten reckt und den Schnabel am weitesten aufreisst. So früh schon kann der oft rücksichtslose Kampf ums Überleben beginnen. Schwächere werden immer schwächer und werden auch mal aus dem Nest gedrängt. Auch das ist ungerecht, denn Schwache werden nur deshalb nicht stärker weil Stärkere immer stärker werden …

  • Annalea

    Teilnehmer
    5. September 2019 um 18:07

    Dazu habe ich etwas Intressantes gelesen.
    In der Verhaltensforschung gibt es Ultimatumspiel:
    Stellen Sie sich folgende Situation vor: ein Spiel mit zwei Teilnehmern; einer davon sind Sie. Ihr Mitspieler erhält 1.000.- Euro, mit der Maßgabe, Ihnen einen Teil davon abzugeben. Wie viel, kann er selber bestimmen. Allerdings gibt es eine Bedingung: Sie müssen der Aufteilung zustimmen. Nur dann darf jeder seinen Anteil behalten. Wenn Sie nein sagen, bekommt keiner etwas.
    Angenommen, Ihr Mitspieler bietet Ihnen 500.- Euro, also genau die Hälfte. Nehmen Sie an? Vermutlich ja.
    Angenommen, er bietet Ihnen 50.- Euro. Wie entscheiden Sie dann? – Schon schwieriger. – Wenn Sie nein sagen, bekommen Sie gar nichts. Der andere allerdings auch nicht. Wenn Sie ja sagen, haben Sie immerhin 50.- Euro, der andere allerdings 950.-. Stimmen Sie zu?
    Sehr wahrscheinlich werden Sie nein sagen. Dies behauptet zumindest die so genannte Spieltheorie. Die Spieltheorie ist eine Teildisziplin der Mathematik, die das Entscheidungsverhalten von Menschen in bestimmten Situationen erforscht.
    Bei Experimenten mit dem Ultimatum-Spiel zeigte sich, dass die Mehrzahl der Teilnehmer Angebote von weniger als 30 Prozent ablehnte. In unserem Beispiel wären dies also Angebote von weniger als 300.- Euro. Das heißt, Sie hätten, sofern Sie dem statistischen Durchschnitt entsprechen, in unserem Ultimatum-Spiel auf bis zu 300.- Euro verzichtet. Warum? Vermutlich,
    weil sonst Ihr Sinn für Gerechtigkeit verletzt worden wäre.
    Das Ultimatum-Spiel zeigt somit, wie wichtig uns Gerechtigkeit ist. Unser Gerechtigkeitssinn ist offenbar so stark, dass wir sogar bereit sind, materielle Nachteile in Kauf zu nehmen. In welchem Umfang, ist sicherlich individuell verschieden und hängt auch von der persönlichen Lebenssituation ab. Wenn gerade ein dringender finanzieller Engpass besteht, lassen wir uns möglicherweise eher auf Kompromisse ein. Aber im Grunde ist wohl jeder bereit, sich Gerechtigkeit etwas kosten zu lassen. Und umgekehrt empört kaum etwas die Menschen so sehr wie Ungerechtigkeit, natürlich
    vor allem, wenn sie uns selber widerfährt, aber auch, wenn "nur" andere betroffen sind…

    https://www.online-philosophie.de/

  • zigeunermaedche

    Teilnehmer
    5. September 2019 um 18:27

    " Das heißt, Sie hätten, sofern Sie dem statistischen Durchschnitt entsprechen, in unserem Ultimatum-Spiel auf bis zu 300.- Euro verzichtet. Warum? Vermutlich,
    weil sonst Ihr Sinn für Gerechtigkeit verletzt worden wäre."
    Zitat
    Diesen Satz verstehe ich nicht, Annalea. Was hat das mit Gerechtigkeit zu tun?
    Gruß zi

  • Minkabh

    Teilnehmer
    5. September 2019 um 18:33

    Hallo Annalea ,
    zu deinem interessanten Bericht habe ich eine Frage: gibt es dazu auch eine Quellenangabe?
    Danke.

    Minkabh

  • Fischersfruwe

    Teilnehmer
    5. September 2019 um 19:09

    Und was hat das mit Philosophie zu tun?

  • Florena

    Teilnehmer
    5. September 2019 um 19:52

    @Fischersfruwe

    Und was hat das mit Philosophie zu tun?

    Das Thema hat sehr viel mit Gerechtigkeit und nicht gerecht zu tun. Es war schon vor der Antike in der Philosophie ein großes Thema.

    """Gerechtigkeit/Camus: Wenn der revoltierende Mensch gegen ungerechte Verhältnisse und deren ideologische Verbrämungen aufbegehrt, kommt es ihm darauf an, die Welt zu verändern, allerdings nicht um jeden Preis und gleich universell. Camus bringt seine Position auf die knappe Formel: »Für uns alle kann heute nur eine einzige Parole gelten: in nichts nachgeben, was die Gerechtigkeit betrifft, und auf nichts verzichten, was die Freiheit angeht« (1).
    Brocker I 324
    Camus: Das revoltierende Individuum weiß darum, dass es eine absolute Gerechtigkeit nicht gibt. »Die Revolte zielt jedoch nur auf das Relative ab und kann nur eine gewisse Würde im Verein mit einer relativen Gerechtigkeit versprechen« (2). Gerechtigkeit kann weder schlicht allgemein noch absolut bestimmt werden. Vielmehr realisiert sie sich immer vor Ort, im Einzelfall, im Ereignis. Jedenfalls schließen sich absolute Gerechtigkeit und absolute Freiheit gegenseitig aus."""

    Siehe auch:

    https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/ethik-und-philosophie/gerechtigkeit-wandel-philosophie-thema100.html

    Im Internet gibt es noch zig Seiten darüber.

  • Madame.C

    Teilnehmer
    5. September 2019 um 19:56

    "Unser Gerechtigkeitssinn ist offenbar so stark, dass wir sogar bereit sind, materielle Nachteile in Kauf zu nehmen."

    @Webras Thema war bzw. ist "Gerechtigkeit", das lässt sich bestimmt auch in philosophischen Kreisen diskutieren @Fischersfruwe

    Und Du musst sicher nicht lange warten, bis ein entsprechend belesener Prof. Dr. Dabbes seinen Zitatenschatz durchsucht hat.

  • Florena

    Teilnehmer
    5. September 2019 um 20:07

    @Madame.C

    oh, über das Thema Gerechtigkeit gab es schon in der Antike Philosophen, die darüber sinnierten und man kann es entsprechend heute noch lesen.
    Auch Camus schrieb einiges darüber. In bestimmten Epochen ist das Thema Gerechtigkeit immer wieder von großem Interesse und auch kulturell bestimmt und kann sich verändern.

    Auch heutige Philosophen schreiben darüber, halten Vorträge.

    Google sei Dank 🙂

    Gerechtigkeit/Camus: Wenn der revoltierende Mensch gegen ungerechte Verhältnisse und deren ideologische Verbrämungen aufbegehrt, kommt es ihm darauf an, die Welt zu verändern, allerdings nicht um jeden Preis und gleich universell. Camus bringt seine Position auf die knappe Formel: »Für uns alle kann heute nur eine einzige Parole gelten: in nichts nachgeben, was die Gerechtigkeit betrifft, und auf nichts verzichten, was die Freiheit angeht« (1).
    Brocker I 324
    Camus: Das revoltierende Individuum weiß darum, dass es eine absolute Gerechtigkeit nicht gibt. »Die Revolte zielt jedoch nur auf das Relative ab und kann nur eine gewisse Würde im Verein mit einer relativen Gerechtigkeit versprechen« (2). Gerechtigkeit kann weder schlicht allgemein noch absolut bestimmt werden. Vielmehr realisiert sie sich immer vor Ort, im Einzelfall, im Ereignis. Jedenfalls schließen sich absolute Gerechtigkeit und absolute Freiheit gegenseitig aus.

  • Webra

    Teilnehmer
    5. September 2019 um 20:21

    Hallo Fischersfruwe,
    als logische Schlussfolge auf deine Frage muss ich
    davon ausgehen, dass du eine allgemeingültige
    Definition des Begriffes "Philosophie" kennst.
    Bisher gibt es jedoch dafür, genau wie für die
    die Begriffe Gerecht oder Ungerecht, viele Definitionen.

    Philosophie ist für mich der Versuch, durch Denken zu Erkenntnissen zu kommen.

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