Startseite Foren Philosophie Gerecht oder ungerecht?

  • Gerecht oder ungerecht?

    Von Webra am 4. September 2019 um 18:39

    Unter "Menschenkenntnis" läuft Novis Beitrag
    "Können Sie verzeihen"?

    In seinem Kommentar vom heutigen Tag, 17.28 Uhr
    schreibt peter-ingo13: " Was mir nahe geht ist
    Ungerechtigkeit, da werde ich zum Teufel".

    Da der Begriff "Ungerechtigkeit" aber ein abstrakter
    ist, genau wie z.B. der Begriff "Kunst", ist es doch
    interessant zu erfahren, was sich der einzelne
    darunter vorstellt.

    Meine Frage: "Was ist nach deiner Meinung Ungerecht, stelle ich hiermit speziell an
    peter-ing13, aber gleichzeitig auch an alle
    anderen.

    Zum Begriff Kunst habe ich im Internet 30
    verschiedene Definitionen von " berühmten oder
    populären Menschen" gefunden.

    Einigkeit ist deshalb nicht zu erwarten, Übereinstimmung ist jedoch möglich. :-B

    Irmgardis antwortete vor 6 Jahre, 3 Monaten 10 Mitglieder · 22 Antworten
  • 22 Antworten
  • Irmgardis

    Mitglied
    24. September 2019 um 8:35

    Klare Worte Dabbes .
    Irmgardis

  • Carlos1

    Mitglied
    15. September 2019 um 23:08

    Lieber Webra, leider schon zu Ende das große Thema, dabei sind wichtige Dinge nicht erwähnt worden.

    Ich denke wir sollten aktuelle Rahmenbedingungen eines Nachdenkens über Gerechtigkeit dem Thema vorausschicken. Der Bezug zu Erwartungshaltungen und deren Enttäuschung ist einfach zu wenig ffür die vielen Handlungsfelder, in denen sich Gerechtigkeit analysieren ließe.

    Wenn der geschätzte Forist Novis, dessen Beitrag du zur Vorlage für diese Diskussion genommen hast und der nach eigener Aussage ein starkes Gerechigkeitsempfinden sein eigen nennt bei dessen verletzung er zu einem "Teufel" werden kann so ist er nicht allein. Das gehört zum Alltag einer Empörungsdemokratie.

    Wenn ejmand sich aufgrund verletzten Gerechtigkeitsempfinden entscheider anderen nicht zu verzeihen oder sich zu praktischen politischeb Schritten entschließt, so ist das aber noch lange kein tragfähiges Gerechigkeitskonzept für ein bestimmtes Handlungsfeld. Dies fällt auch nicht vom Himmel dadurch, dass eine Kränkung oder ungerechte Zurüclsetzung erfolgt ist. Ein Gerechtigkeitskonzept lässt sic a uch nicht durch Sichtung und Systematisierung emprischen Materials ermitteln. Das ist nicht möglich, weil das, was besteht nicht einfach Auskunft darüber geben kann, wie es besser oder anders in einem spezifischen Handlungszusammenhang gemacht werden könnte. Philosophisch auf den Begriff gebracht heißt das: Aus dem Sein lässt sich kein Sollen ableiten.

    Das hast du mit dem Begriff Verfüghen über Gerechtgkeit wohl gemeint. Allerdings bleibt es nicht dabei. Denn Gerechtigkeit ist ein emotional stark besetzter Begriff, der zur "Hantierung" verleitet. Der Philosoph I. Kant hat dazu gemeint, dass nicht jede Hantierung "Praxis" genannt werden könne, sondern "nur diejenige, die als Befolgung gewisser im allgemeinen vorgestellten Prinzipien des Verfahrens gedacht wird." Es gibt kein Vefahren für die Wahrhreitsfindung in Sachen des Begriffs Gerechtigkeit. Deshalb heißt es auch in der Unabhängigkeitserklä#rung der englischen Kolonien in Amerika 1776: Wir "erachten" diese Wahrheiten für gültig. Dazu gehören Recht auf Leben,Frehieht, Gesundheit….).

    In diesem Zusammnehang ein Zitat des Kirchenvaters Augsusin: Wo die Gerechtigkeit in einem Staat fehlt, werden die Staaten zu einer Räuberbande.

    Gerechtigkeit ist also konstitutiv für einen Staat. Niemals wird man mit dem erreichen des Ziels fertig werden.

    Aber man kann in bestimmten ökonomisch, rechtlichL und politisch geprägten Lebens Lebensverhältnissen feststellen, ungeachtet der eingeübten Standards der kulturellen Prägung, feststelln dass das Gerechtigkeitsempfinden weniger gekränkt wird als anderswo. Genau das wäre dann Bedingung für die Ausarbeitung eines Gerechtigkeitskonzepts das aktuell und international der Situation gerecht wird.

    Die Diskussion erschöpft sich also in Wiederholungen des klassischen Gerechtigkeitmodells (geht auf Aristoteles zurück), das sich auf die verteilende und ausgelichende Gerechtighkeit stützt. Dies Gerechtigkaitsmodell war und ist nicht für globale Kontexte ausgelegt. Anders gesagt im Zeitalter der Klimakrise und Globalisierung sollten wir nicht nur die Positionen der Frauenrechtlerinnen aus dem 19. und 20. Jhd wiederholen. Selbstverständllich ist die Gleichberechtigung der Frau Betandteil der Grundrechte und diese Rechte müssen umgesetzt werden, auch weil diese Rechte aich aus dem Demokratieprinzip ableiten lassen.

    Viele Grüße
    c

  • Webra

    Mitglied
    9. September 2019 um 23:10

    Nach meinem Sprachempfinden, Madame.C, kann man
    über Gerechtigkeit nicht verfügen. Verfügen im Sinne von "weitergeben oder behalten".
    Wenn eine Ungerechtigkeit durch ein Geschehnis beseitigt
    wird, entsteht im gleichen Moment Gerechtigkeit.
    Diese besteht dann für das betroffene Wesen oder
    für die betroffene Gruppe so lange weiter, bis durch ein neues Geschehnis wieder Ungerechtigkeit entsteht.
    Personen oder Gruppen erfahren im Laufe ihres Lebens oft Beides.

    In der Geschichte der Menschheit und in vielen Bereichen auch noch heute, waren und sind es vorwiegend die Männer, die durch ihr "Machtkartell" für das Entstehen von Ungerchtigkeit Frauen gegenüber verantwortlich sind.
    🙁

  • Madame.C

    Mitglied
    9. September 2019 um 15:11

    Kann es sein @Webra, dass es Männer sind, die über die Gerechtigkeit in der Welt "verfügen"?

  • Webra

    Mitglied
    7. September 2019 um 19:08

    "Alle Unrechtsempfindungen entstehen nach meiner
    Meinung dadurch, dass berechtigte Erwartungen nicht erfüllt werden"…

    @Webra, wer legt fest, was "berechtigte" Erwartungen sind? Meist sind es nur falsche Hoffnungen. Und daDer Mensch legt dies fest, Madame.C.

    Ich nenne mal 3 Beispiele aus dem Interessensbereich
    der Frauen.

    Die Erwartung der Frauen, für die gleiche Arbeit
    wie Männer auch den gleichen Lohn zu bekommen
    ist berechtigt.

    Das Recht, über ihren Körper zu bestimmen, weil er ja ihnen gehört, ist berechtigt.

    Die Erwartung, bei Stellenausschreibungen im
    höheren oder mittleren Führungsbereich, beim
    Vorhandensein von gleichen Fähigkeiten wie sie
    männliche Mitbewerber haben, nicht benachteiligt
    zu werden nur weil sie Frauen sind, ist berechtigt.

    Da sich im ersten und letzten Beispiel ihre
    berechtigten Erwartungen bisher nicht erfüllt haben, empfinden sie dies als ungerecht.

    Im mittleren Beispiel haben sie nach langen,
    kämpferisch Einsatz erreicht, dass dort das Unrecht beseitgt wurde.
    Für mich ist nicht erkennbar, warum sie nicht mit
    der gleichen Entschlossenheit versuchen, dort auch
    die Ungerechtigkeit zu beseitigen.

  • Madame.C

    Mitglied
    7. September 2019 um 17:10

    "Alle Unrechtsempfindungen entstehen nach meiner
    Meinung dadurch, dass berechtigte Erwartungen nicht erfüllt werden …"

    @Webra, wer legt fest, was "berechtigte" Erwartungen sind? Meist sind es nur falsche Hoffnungen. Und das Gefühl der Ungerechtigkeit, das jemand empfindet, wird oft nichts weiter sein als Mißgunst. Klingt nur mieser.
    Was die Affen betrifft, werden sie wohl kaum ein Gefühl von Gerechtigkeit empfinden, sie gönnen es nur dem anderen nicht.

  • Cocco

    Mitglied
    7. September 2019 um 13:28

    Danke Webra …ein ähnliches Experiment habe ich im TV zwischen einem Schäferhund und dienstbeflissenem
    Border Collie gesehen.

    Die Mimik war wirklich zum Brüllen; irgendwann hat der Collie beleidigt seine "Mitarbeit" verweigert.

    Freundliche Grüsse
    von C;-)cco

  • Webra

    Mitglied
    7. September 2019 um 12:09

    Hallo Cocco,
    ich habe mir erst heute deinen Link angeschaut und
    herzhaft gelacht. Erstaunt war ich aber über das
    Verhalten des Affen, der erkannt hat, dass sein Artgenosse im Nebenkäfig etwas bekam, das ihm
    vorenthalten wurde. Das als ungerecht zu erkennen
    und entsprechend zu reagieren, erfordert schon ein gewisses Maß an Intelligenz. Bei Primaten wissen
    wir ja, dass die vorhanden ist.

    Seine Reaktion darauf war schon sehr stark von
    Aggression geprägt, das hatte ich aber nicht erwartet.
    Vielleicht ist es bei denen aber auch so wie bei uns Menschen, der eine lehnt sich dagegen auf und der andere erträgt es.

    Gibt es da nicht so einen Spruch: "Selig sind die
    Duldsamen, denn die kommen ins Himmelreich". 😉

  • Webra

    Mitglied
    6. September 2019 um 18:41

    Hallo zigeunermädche,
    du hast ein weiteres, zutreffendes Beispiel für
    den Begriff "Ungerecht" geliefert. Ungerecht ist auch, wenn ein Mensch verurteilt wird für etwas,
    das er gar nicht getan hat, wie sich später herausstellte.

    Alle Unrechtsempfindungen entstehen nach meiner
    Meinung dadurch, dass berechtigte Erwartungen nicht erfüllt werden, oder wie in deinem Beispiel, Tatsachen verdreht werden.

    Frauen,die die gleichen Fähigkeiten wie Männer haben, die gleiche Arbeit verrichten, erwarten auch den gleichen Lohn.

    Ein Angeklagter, der ja weiß dass er unschuldig
    ist, erwartet einen Freispruch.

    Ein Mensch, der sich in allen Bereichen "redlich
    verhält" erwartet, dass Menschen in seiner Umwelt
    über sein Verhalten keine Lügen verbreiten.
    .

    Gerechtigkeit ist somit eine Erwartungshaltung,
    die davon ausgeht, dass der Mensch ein ethisch
    gesteuertes Wesen ist. In Wirklichkeit sind Menschen, wie alle anderen Lebewesen auch, egoistisch geprägt. Dies ist von der Evolution
    so gewollt, da dadurch die Überlebenschancen größer sind.

    Der evolutionäre Befehl lautet: ÜBERLEBE.
    Der Mensch aber hat dann hinzugefügt"…aber nicht um jeden Preis".

    Gesagt bedeutet jedoch nicht "auch getan". 🙁

  • Cocco

    Mitglied
    6. September 2019 um 12:23

    stimmt Webra – selbst in der Tierwelt keine Seltenheit.

    Siehe die Dokumentation ab Minute 1:20 🙂
    http://www.youtube.com/watch?v=5e6o11zg9D0

    mfG C;-)cco

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