... mich wundert, dass ich so fröhlich bin

Ich floh aus einer brennenden Stadt
Ich Glückskind, froh von Anbeginn
Fress mich durchs Leben hungrigsatt
Mich wundert, dass ich so traurig bin

Ich heul zur Sonne, heule zum Mond
Ein Wolf bei mancher Schäferin
Und hab den Herden beigewohnt
Mich wundert, dass ich so einsam bin.

Ich half mir selbst, drum hilft mir Gott
Im Beten seh ich keinen Sinn
Bin ein moderner Don Quichote
Mich wundert, dass ich so hilflos bin

Ich weiß ja: Unrecht ist uralt
Verlust ist unser Hauptgewinn
Und doch lässt mich kein Elend kalt
Mich wundert, dass ich so zornig bin

Ich bin gewiss - und weiß nicht wer
Ich gehe und weiß nicht wohin
Ich komme und weiß nicht woher
Mich wundert, dass ich so fröhlich bin

Wolf Biermann

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