Vielleicht erinnert ihr euch noch

  • Vielleicht erinnert ihr euch noch

     Constantia antwortete vor 3 Jahren, 6 Monate 2 Teilnehmer · 4 Beiträge
  • Constantia

    Organisator
    20. August 2020 um 11:00

    Im letzten Jahr habe ich euch ein Stück meiner Stadt vorgestellt. Beginnend am Goldenen Reiter sind wir eine wunderschöne Straße entlang gebummelt, haben uns an Brunnen erfrischt und auch mal geschaut, wer so alles im Laufe der Zeit in dieser Straße gewohnt hat.

    Ganz am Anfang standen wir bei dem eben erwähnten Reiterstandbild und schauten rund um. Da fiel auch das Blockhaus ins Auge. Am 3. August 1732 legte ein gewisser Graf Wackerbarth, Generalintendant der Königlichen Bauten den Grundstein. Nachdem am 6. August 1685 ein Großfeuer gewütet hatte sollte mit einem Wiederbebauungsplan ein Marktplatz entstehen. Dazu gehörte auch ein “Corps de Garde” (Wachgebäude). Naja, nicht jeder Entwurf dazu fand Begeisterung. Ich will euch auch nicht mit der langen und umfangreichen Geschichte der Entstehung langweilen.

    Letzen Endes entstand das Blockhaus. Dem Bombenangriff vom 13. Februar 1945 konnte das so massiv wirkende Gebäude nicht standhalten. In den ersten Nachkriegsjahren fanden Sanierungsarbeiten statt und mit dem Bebauungsplan der Straße der Befreiung/Hauptstraße gab es auch für dieses Gebäude einen Plan. Der Dresdner Architekt Manfred Arlt entwarf mit dem Institut für Denkmalpflege den Wiederaufbau und es gab auch einen Plan für die Nutzung. Als die Straße der Befreiung 1979 eingeweiht wurde, war auch der Rohbau des Blockhaues fertig.

    Und wer nutzte das Haus? Die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft fand hier einen Platz. Foyer, Festsaal, 3 Klubräume und eine Gaststätte mit einer guten Küche waren in dem Haus untergebracht.

    Mit der Wende war das mit der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft so eine Sache. Hin und wieder wurde das Haus für dieses und jenes genutzt. Aber so eine richtige Idee fehlte.

    Am 10./11. November 2018 veröffentlichte die “Sächsische Zeitung” einen Artikel, der unter anderem der Frage nachging, wer in das Haus einziehen sollte.

    Bis 2022 soll im Inntern ein adäquater Platz für das Archiv der Avantgarden entstehen, ein Geschenk des deutsch-italienischen Sammlers Egidio Marzona. Am Freitag informierte die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) darüber, dass Marzona den SKD neben seiner ersten Schenkung von n1,5 Millionen Objekten im Jahr 2016 nun weitere 200 000 Stücke übertragen hat. Darunter Designergegenstände, Möbel und Glasobjekte aus dem italienischen Design der 1970er bis 90er Jahre. Das Dresdner Archiv hat jetzt einen Wert von geschätzten 139 Millionen Euro. Und es füllt ein Lock in der reichen Landschaft der bildenden Kunst in Dresden.

    Dafür wird das Haus nun umgebaut. 2018 schätzte man den geplanten Umbau auf 20 Millionen.

    Das Projekt war mir aus dem Blickfeld geraten. Letzten Montag wollte ich die Wirtschaft ankurbeln und quer durch die Stadt in das große Einkaufsobjekt fahren. Als ich dabei am Goldenen Reiter vorbeifuhr, bin ich bald vom Sitz gefallen und unter meiner Maske bekam ich Schnappatmung. Von dem Haus ist so gut wie nichts mehr übrig. Die Außenwände sind alles was noch an das Haus erinnert.

    Ich schwanke nun hin und her. Das mit dem Archiv finde ich gut, aber muss man dafür ein solches historisches Gebäude so, ja was eigentlich? Verändern ? Verschandeln? Oder zeigen Historisches und Modernes können auch zusammenpassen?

    Auf der gegenüberliegenden Straßenseite trägt das Reiterstandbild vermutlich die größte Maske in Corona-Zeiten. Zum wiederholten Male wollten ein paar unverbesserliche auf das Pferd von August dem Starken oder wollten ein wenig von dem Gold abhaben.

    Von Constantia bleibt nur noch ein Schatten Frowning2Mask

    • Dieser Beitrag wurde am vor 3 Jahren, 6 Monate von  Constantia geändert.
  • Constantia

    Organisator
    27. August 2020 um 11:29

    Hallo liebe @Uhuline

    vielen Dank für Deine Wortmeldung. Stimmt, “entkernen” ist das Wort des Fachmannes/der Fachfrau.

    Auch hier habe ich es schon einige Male erlebt, auch ganz in meiner Nähe. Nur bei einem Haus dieser Art frage ich mich, wo war da eigentlich der Denkmalschutz?

    Natürlich ist von der ursprünglichen “Alten Wache” schon in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts nicht mehr viel übrig. Aber “innen” und “außen” bildeten einen Einklang, fand ich.

    Ich habe eine Broschüre der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft in meinem “Archiv” aus den Siebzigern gefunden. Zwei Seiten stelle ich hier mal rein.

    Wenn man einen Tisch auf der linken Seite am Fenster ergattern konnte, hatte man eine Variante des “Canaletto-Blickes”, allerdings die DDR-Variante. Wie wäre es heute? Wir werden es nie erleben dürfen Frowning2.

    Ich hätte das Haus auch gern mit dem benachbarten Hotel “Bellevue” verbunden gesehen. Aber das eine ist privat, das andere gehört dem Land. Und mich fragt ja sowieso keine(r) .

    Komisch auch, dass sich niemand daran zu stören scheint. Wie groß war der Aufschrei in den 90igern als Frank Stella einen modern(sten) Bau in der Nähe des Zwingers bauen wollte. Ein bisschen Modern Art, ein bisschen Bilbao.

    Constantia

    • Dieser Beitrag wurde vor 3 Jahren, 6 Monate von  Constantia bearbeitet.
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