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Heute Abend - 3SAT, 20.15
Von Ricarda01 am 1. September 2021 um 11:01Aus der HörZu:
„Kinder des Krieges, D. 2020, Deutschland 1945
Noch leben die letzten Angehörigen der Generation, die zu jung war, um Schuld auf sich geladen zu haben, die aber alles miterlebte. Zeitzeugen des Jahres 1945 und ihre Erinnerungen stehen im Zentrum dieser Doku. Ihre Aussagen machen deutlich: Das allgemeine Bild vom Jahr 1945 ist rückblickend geschönt.“
Ich gehöre dazu – und wenn es mich nicht zu sehr aufregt, werde ich mal reinschauen.
Schönen Tag – Ricarda
Heide79 antwortete vor 4 Jahre, 5 Monaten 7 Mitglieder · 13 Antworten -
13 Antworten
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Danke @Ricarda01 für den Hinweis, ich werde mir die Doku anschauen. Ich bin J. 40 und kann mich noch gut an einige Momente erinnern. Zum Beispiel, als Ende 44 in Freiburg die Alarmsirenen heulten, meine Mutter mit mir und meinem kleinen Bruder in den Keller eilte, auch meine Oma und zwei Nachbarinnen waren dabei, denn an diesem Tag waren wir bei ihr zu Besuch. Das rettete uns wahrscheinlich das Leben, denn ihr Haus lag am Stadtrand, während unsere Wohnung in der Innenstadt vollkommen zerstört wurde. Meine Mutter fand später gerade noch zwei unversehrte Frühstücksteller in der Asche. –
In der Schule ging es mir wie den meisten, die Geschichte endete beim 1. Weltkrieg. In der Familie war das Thema tabu, mein Vater war in Russland vermisst und kehrte nie zurück, meine Mutter hatte auf meine Fragen nur eine Antwort: „das wußten wir doch nicht“. Gruß Heide
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Als es vielleicht noch möglich gewesen wäre, die Mutter über die Zeit in
Ostpreußen, Krieg und Flucht zu befragen, war meine kindliche Neugier
noch nicht so ausgeprägt. Und plötzlich (als 12Jährige) war es zu spät dafür,
weil niemand mehr da war, den/die ich hätte befragen können.
Schon allein deswegen kann ich mich diesbezüglichen Dokumentationen schlecht entziehen, obwohl mich der Anblick dieser Kriegstreiber stets große Überwindung kostet. -
Auch den ersten Weltkrieg erreichte mein Geschichtslehrer nicht. Er hatte beide Kriege erlebt.
Mein Vater erzählte mir eine Geschichte seines jüdischen Schulfreundes von 1938. Ich war so entsetzt und musste mir deutlich vor Augen führen, dass mein Vater noch Kind war. Ein Mann, der nie tatenlos zu sah wenn andere in Not waren. Doch da … er war ein Kind.
Nachtrag: Gerade noch mal gelesen was ich geschrieben habe. Um Missverständnissen vorzubeugen – nein – mein Vater war bei der Geschichte kein Täter. Er war ein Junge, der seinen Freund zum Training abholen wollte und musste erleben wie die Horden mit Juden umgingen.
GeSa
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„Ausgespart“ wurde wohl vor allem, wie es zu diesem Krieg gekommen war. Der Durchgang durch die deutsche Geschichte endete oft mit dem Ende des „Ersten Weltkriegs“
Ein kurzes Streiflicht auf den Geschichtsunterricht in m e i n e r Schulzeit:
„Bei der jüdischen Familie Stein wurde ein Konzertflügel herausgereicht. Unten war aber keiner, der ihn annahm.“
(Mein Musik- und Geschichtslehrer am Gymnasium im Jahr 1951)
Den Krieg konnte man uns nicht verschweigen denn wir hatten ihn erlebt.
Die Vernichtungskampagne gegen die Juden war wohl nicht immer Thema der „Vergangenheitsbewältigung“ in den Fünfzigern.
Immerhin, es gab meinen oben zitierten Lehrer.
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Ricarda @Ricarda01 Du sagst es selbst – wenn es Dich nicht zu sehr aufregt. Ich habe zweimal erlebt, bei meinem Vater und meiner Tante, wie die Erinnerung an diese Zeit wirken kann. Beide hatten Tränen in den Augen. Besonders bemerkenswert bei meinem Vater. Ich habe ihn nur 5x in meinem Leben weinen sehen. Mich hat es gelehrt die Vergangenheit für Zeitzeugen eher ruhen zu lassen.
@etaner34 manchmal, etaner, sind Vergleiche auch positiv. Für mich, wenn ich glaube, dass es mir „dreckig“ geht, mich zu erinnern, dass es schlimmer kommen kann und war. Ich stimme Dir zu, für die Generation, die es erlebt hat wird es nichts Neues geben. Eher wie oben geschrieben Erinnerungen wecken, die nicht gut sind.
Ich schaue mir hin und wieder solche Dokus an. Sie brechen das Schweigen, das gerade meine Nachkriegsgeneration erlebt hat. Die Geschichtsstunde endete bei der französischen Revolution. Nur wenige waren bereit Fragen zu beantworten. Ich habe erlebt, wie eine konkrete Frage selbst Jahre nach dem Krieg (ca. 1963) Angst in Augen aufflammen ließ.
Selbst mich, die diese Zeit nicht erlebt hat, katapultieren diese Berichte in Situationen, die mich einerseits das Leben meiner Eltern und Großeltern besser verstehen lässt und trotzdem oder gerade deshalb, in Zeiten meiner Kindheit mit Fragen, die mir niemand mehr beantworten kann. Dann ist es wichtig das Karussell im Kopf anzuhalten. Eine nicht immer einfache Aufgabe.
Ob ich schauen werde? Ich weiß es jetzt noch nicht.
GeSa
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Bei mir war der 2. Weltkrieg kein Schulstoff. Weder auf der Realschule, noch auf dem Gymnasium
wurde dieses Thema im Geschichtsunterricht durchgenommen. Viele Kinder in meinem Alter,
hatten Geschichtslehrer, die das Thema ‚ ausgespart‘ haben.
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@etaner34 , ich habe die Ausstellung auf meiner Liste stehen. Wenn ich es schaffe, werde ich berichten.
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Danke für den Hinweis. Die Ausstellung würde ich gern besuchen. Die Chance, noch einmal im Leben nach Dresden zu kommen, schätze ich allerdings als gering ein. Traurig! 😪
etaner34
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Die Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden haben dazu noch etwas mehr zu bieten
https://gruenes-gewoelbe.skd.museum/ausstellungen/bellum-et-artes/
Bis zum 4. Oktober 2021 zu sehen.
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Eben Schulstoff! Wie der „Dreißigjährige Krieg“.
Ich schreibe gerade an einer Familienchronik. Im persönlichen Bereich für die Nachkommen noch greifbarer Verwandten mag unsere „Geschichte“ von Interesse sein. Da handelt es sich ja auch nicht um eine Fernsehsendung für jedermann.
Allzu häufig wird der beständige Hinweis auf Erlebtes aus dieser Zeit einfach nur als lästig empfunden. Gegenwärtige Sorgen und Nöte scheinen „entwertet“ zu werden, weil sie dem Vergleich mit längst vergangenen (angeblich oder wirklich) nicht standhalten.
etaner34
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