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  • Gescheiterter Putschversuch

     Madame.C antwortete vor 1 Jahr, 7 Monate 4 Teilnehmer · 5 Beiträge
  • Twdore

    Teilnehmer
    20. Juli 2019 um 6:35

    Versuchte 1944, der Hitler-Herrschaft ein Ende zu setzen: Claus Schenk Graf von Stauffenberg – 20. Juli 1944

    Der gescheiterte Putschversuch des 20. Juli 1944 ist bis heute umstritten. Aber gleichgültig wie und warum er kritisiert wird, dient dieser Versuch des Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Hitler bei einer Beratung mit einer Bombe zu töten, zur Ehrenrettung der Deutschen. Das Datum steht für die Behauptung, dass doch nicht „alle“ Deutsche blindlings dem „Führer“ gefolgt seien und deshalb auch nicht für den schlimmsten Völkermord der Menschheitsgeschichte an Juden und Millionen Kriegsgefangenen, Zigeunern sowie anderen Menschen „verantwortlich“ gemacht werden könnten.

    Schwieriges Zitat

    Zudem hat sie der „Neuen Zürcher Zeitung“ ein sehr emotionales Interview gegeben. Dort sagte sie: „Beim Begriff Attentäter denken wir an Terroristen, die mit Gewalt Aufmerksamkeit erregen wollten, an den IS, die RAF, Anders Breivik. Der Umsturzversuch vom 20. Juli war das Gegenteil davon: der Versuch, Terror und Tyrannei zu beenden.“

    Dann wehrt sie sich gegen die verbreitete Behauptung, dass ihr Großvater Antisemit gewesen sei. Als Beleg für die Behauptung wird oft ein Brief Stauffenbergs an seine Frau Nina herangezogen. In diesem schrieb er kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges: „Die Bevölkerung ist ein unglaublicher Pöbel, sehr viele Juden und sehr viel Mischvolk.

    Ein Volk, welches sich nur unter der Knute wohlfühlt.“ Der Historiker Peter Steinbach sagt dazu, es gebe keine Hinweise dafür, dass der radikale Antisemitismus der Nazis ein zentrales Motiv für Stauffenbergs Widerstand gegen Hitler war. Steinbach ist der wissenschaftliche Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin.

    Die Enkelin, eine gelernte Historikerin, gesteht: „Ich weiß noch, wie schockiert ich war, als ich diesen Brief zum ersten Mal gelesen habe. Die Sprache ist abscheulich.“ Die NZZ fragte, was der Brief über den Großvater aussage: „Dass auch er wohl ein Kind seiner Zeit war. Schon vor der Machtergreifung der Nazis war die Stimmung im Land unglaublich aufgeheizt.

    Wenn wir heute lesen, wie sich politische Gegner damals betitelt haben, finden wir das grauenhaft. Diese Sprache haben wir uns Gott sei Dank abgewöhnt.“ Weiter sagte sie: „Hinter den Äußerungen meines Großvaters hat sich jedenfalls kein Judenhass verborgen. Sie werden nirgendwo einen Beleg dafür finden, dass er die antisemitische Programmatik der Nazis befürwortet hätte. Wenn er von konkreten Übergriffen erfahren hat, dann hat ihn das zutiefst empört.“

    Diskriminierung wegen Herkunft

    An dieser Stelle muss ich, der Autor dieses Artikels, eine sehr persönliche Notiz einbringen: Meine Eltern haben mich auf den Namen meines angeheirateten Onkels getauft, Ulrich Wilhelm Graf Schwerin von Schwanenfeld. Er war der Mann der Schwester meines Vaters, Marianne.

    Der war einer der Verschwörer beim Putschversuch, wurde vom Nazi-Richter Roland Freisler verhört und zum Tode verurteilt. Er wurde in Plötzensee am 8. September 1944 hingerichtet, also wenige Wochen nach dem gescheiterten Attentat.

    Mein Vater war Diplomat. Ab meinem 4. Lebensjahr wurde ich immer wieder wegen meiner deutschen Herkunft diskriminiert. Die Grundschule in London besuchte ich knapp zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Auch später, im internationalen Gymnasium in Paris, erlebte ich, wie mir vor allem Franzosen den Arm ins Gesicht stießen und „Heil Hitler“ riefen.

    Nach einem Studium in Bonn und Köln gelangte ich vor etwa 50 Jahren nach Israel. Dort erlebte ich kaum jemals Ablehnung oder Anfeindungen wegen meiner deutschen Herkunft. Im Gegenteil: Für mich waren Begegnungen mit Überlebenden und die intensive Beschäftigung mit dem Holocaust und seinen Folgen eine beständige Verpflichtung.

    Nachforschungen bei der „Familienfeier“

    Für meinen Vater war die Beschäftigung mit dem 20. Juli ein lebenslanger „Auftrag“. Mein Vater wurde in der Potsdamer Wohnung Schwerins von der Polizei aufgegriffen und inhaftiert. Er saß kurze Zeit im Untersuchungsgefängnis in Potsdam. Das war ein einschneidendes Erlebnis. Und so passierte es, dass ich vor einigen Jahren zu der jährlichen Gedenkfeier in Plötzensee eingeladen war.

    Dazu flog ich aus Jerusalem ein. Wegen der Anwesenheit vieler Verwandte und meines Vaters war die Zusammenkunft in Plötzensee fast eine Art „Familienfeier“. Und so hatte ich keine Bedenken, die Anwesenden zu fragen, was mich – aus Israel kommend – am meisten beschäftigte: Welche Rolle spielte der Holocaust für die Verschwörer?

    Weiterlesen unter:
    https://www.israelnetz.com/kommentar-analyse/2019/07/18/welches-weltbild-hatten-die-hitler-attentaeter/

    Twdore

  • Madame.C

    Teilnehmer
    20. Juli 2019 um 15:19

    Sagte Sophie von Bechtolsheim , Stauffenberg-Enkelin in einem Interview:
    „… finde ich es sehr fragwürdig, dass diese Kolportage, die von einem Regimentskameraden und aus der Nachkriegszeit stammt, als Beleg für diese These heranzuziehen, mein Großvater sei anfangs für Hitler gewesen.“

    Leider finde ich nicht das im Radio gehörte Interview. Was mich stört, ist Deine immer aus der gleichen Quelle gespeiste Nach-Sicht.

    Wer sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen will, könnte nach dem gerade erschienenen Buch greifen

    "Mein Großvater war kein Attentäter".

    "Attentäter" hat heutzutage einen ganz üblen Ruf wegen ganz anderer Motivationen zum Töten. Deshalb der gewählte Titel, der ohne Erklärung zu Irritationen führt.

  • Syringia

    Teilnehmer
    20. Juli 2019 um 15:42

    Meinst du das Interview, das hier als Video angehört werden kann?

    https://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/vis_a_vis/201907/19/340989.html

  • Madame.C

    Teilnehmer
    20. Juli 2019 um 20:11

    Danke @Syringia, ich wurde trotz Bemühens nicht fündig.

    Gerade ärgerte ich mich über die Wortwahl einer Berichterstatterin im TV. "Die Kanzlerin legte einen Kranz nieder zum Gedenken".
    Quatsch. Sie ließ anbringen. Sie selber berührte man gerade für die Photographen die goldene Schärpe an dem an der Mauer angebrachten Kranz.
    Vieles den Symbolen Geschuldete 🙁 wirkt dann eher lächerlich.

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