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  • Ein Blick in die Vergangenheit

     seestern47 antwortete vor 3 Jahren, 10 Monate 4 Teilnehmer · 5 Beiträge
  • Constantia

    Teilnehmer
    12. April 2020 um 10:19

    Die verordnete intensive Nutzung meiner Wohnung habe ich für mehrere Blicke in die Vergangenheit des Gesundheitswesens zu werfen, genutzt.

    Ich weiß nicht wie oft auch ich in den Anfangstagen von Corona den Vergleich zur Grippe-Epidemie 1918 gezogen habe. Zumindest gedanklich. Ein Artikel der Sächsischen Zeitung vom 10./11. März 2018 nimmt sich des Themas in Bezug auf Dresden an.

    Ein Absatz lässt einen direkten Bezug zur Gegenwart zu.

    "In Dresden wurden während der Epidemie von 1918 unter anderem Theater und Kinos geschlossen. Es gebe deswegen eine Flut von Protesten, berichtete im Okotber des Jahres bei einer Sitzung der Dresdner Gesellschaft für Natur- und Heilkunde einer der anwesenden Experten. Viele Menschen hielten diese Maßnahmen für nicht notwendig. Aus deren Sicht werde nur das Erwerbsleben geschädigt. Tatsächlich sei es außerordentlich schwer festzustellen, wie weit sich die Grippe ausgebreitet habe, denn es gebe keine Meldepflicht, sagte der Experte weiter. Und auf Grundlage von so unzuverlässigen Mitteilungen zu treffen, das sei bedenklich."

    Dieser Bezug auf Meldepflicht – auf Zahlen – zur Eindämmung und Beherrschung fand ich auch in einem Buch über Florence Nightingale. Das kleine Buch von Werner Legère "Schwester Florence" erzählt von ihrem sanitären Einsatz in den Krim-Kriegen 1854-56 und ihrer Analyse über Missstände. Sie gilt auch als Begründerin der weiblichen Krankenpflege bei militärischen Einsätzen. England verehrt diese Frau noch heute. Ein Museum in London in den des St. Thomas-Hospital (Boris Johnson wird gerade hier behandelt erzählt von ihr.

    Zurück nach Sachsen. Am 21. Juni 1568 fand vor den Toren der Stadt Dresden die Grundsteinlegung für ein "Pesthaus" statt. 1574 gab es den "Pestbarbier", die "Wehenmutter" und auch zwei Zuträger. Im Jahr 1607 kam dann ein Verwalter und ein Pestilentialpfarrer für die Seelsorge dazu.

    Eine anderes Detail aus dem 16. Jahrhundert zitiere ich aus der bereits genannten Zeitung aus dem Jahre 1984 (Serie "Hospitäler, Lazarette und Krankenhäuser)

    "So musste der Spittelmeister einmal pro Woche in die Stadt gehen, ausgerüstet mit der Holzklapper der Aussätzigen, um Almosen und Spenden zu erbetteln. Der Krach der Klapper warnte alle Gesunden vor den Aussätzigen."

    Bereits Kurfürstin Anna (1532 – 1585) beschäftigte beschäftigte sich mit Medizin und Pharmazie und produzierte u. a. Arzneimittel für Freunde und Untertanen. Von ihren 15 Kindern überlebten nur 4.

    https://up.picr.de/38271374bo.jpg

    Zum Abschluss noch einen Hinweis auf den Cholerabrunnen. Er ist zwischen dem Dresdner Zwinger und dem Taschenbergpalais zu finden. Seine Existenz verdanken wir dem Umstand, dass die Stadt Dresden der Cholera-Epedemie in den Jahren 1841 – 1842 zwischen Oder und Elbe verschont geblieben war und der Initiative Freiherr Eugen von Gutschmid.

    https://up.picr.de/38271381ps.jpg

    Mit Absicht habe ich Frauen in den Mittelpunkt gestellt und auch meine Heimstadt bevorzugt. Ihr findet in Eurer näheren Umgebung sicher Ähnliches.

    Ich wünsche allen ein gesegnetes Osterfest, bleibt gesund und vielleicht fallen mit einem Blick zurück die Einschränkungen in diesen Tagen und Wochen etwas leichter.

    Constantia

  • seestern47

    Teilnehmer
    12. April 2020 um 15:46

    Wünsche ich Dir auch, liebe Constantia. Ein interessanter Vergleich. Ich hatte auch schon. Die Assoziation zur spanischen Grippe.
    Liebe Grüße!

  • seestern47

    Teilnehmer
    15. April 2020 um 8:51

    Ich habe mich immer gefragt, warum so viele junge Menschen an der spanischen Grippe starben: im NDR wurde berichtet, dass im Vorjahr, also 1917, viele ältere Menschen an Grippe erkrankt waren, die waren dann immun. Die jungen Männer waren im Krieg, konnten sich leicht anstecken und hatten ein schwaches Immunsystem.

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