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  • Der steuerbare Mensch

     FlorianS antwortete vor 5 Tagen, 20 Stunden 5 Teilnehmer · 10 Beiträge
  • FlorianS

    Teilnehmer
    23. Juli 2020 um 16:14

    Mit einem gewissen Unbehagen sehe ich die Aktivitäten der gigantischen Unternehmen im Bereich IT und Hightech. Ich denke an Apple, Intel, eBay, Facebook und an andere. Im Jahr 2018 gab es einen Facebook-Skandal wegen der Weitergabe von Daten für politische Zwecke – wofür heutzutage unsere Daten benutzt werden, kann nur vermutet werden.

    Der Philosoph Richard David Precht hat sich zu diesem Thema klar positioniert. So kritisiert Precht das Menschenbild dieses Industriezweigs. Es sei nicht das Menschenbild der Aufklärung, jenes Bild also, das die Freiheit und die Mündigkeit des Menschen würdigt. Im Gegenteil – es sei das Bild, das den Menschen als einen lernenden Organismus versteht, der als Reflexmechanismus funktioniert, ähnlich einer Ratte im Labor.

    Die Unternehmen arbeiteten nach folgendem Prinzip: Wenn ich weiß, was du willst, dann werde ich dir immer das empfehlen, was du magst. Die Gefahr für die Gesellschaft bestehe darin, dass jeder Mensch zu einem vorhersehbaren Objekt werde, welches steuerbar ist – die Entscheidungsfreiheit werde ersetzt durch Reiz und Reaktion.

    Deutschland ist bekanntlich nur Mittelmaß in Sachen Digitalisierung, der Sprung in die Oberklasse steht uns noch bevor.

    Übrigens: Was geschieht mit den Daten, die hier in diesem Forum mit unserem Einverständnis gesammelt werden?

    • Dieser Beitrag wurde am vor 3 Wochen, 1 Tag von  FlorianS geändert.
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  • Noscetempus

    Teilnehmer
    8. August 2020 um 11:43

    Du hast schon recht Gerhard, der grösste Teil der Menschheit schwimmt im Mainstream. Der Intellekt des einzelnen scheint abhanden gekommen zu sein. Mir bangt schon um die Nachkommensgeneration, aber wir alten Semester sind da nicht mehr gefragt. Wie heisst es doch so prägnant: “jeder ist selbst seines Glückes Schmied”.

  • Palmstroem

    Teilnehmer
    8. August 2020 um 12:34

    Zitat: „Mir bangt schon um die Nachkommensgeneration, aber wir alten Semester sind da nicht mehr gefragt.“

    Da stellt sich mir die einfache Frage, wo die „alten Semester“ denn so viel klüger gewesen sind als die folgende Generation. Das Jammern über die Jugend hat eine mehrtausendjährige Tradition und eigentlich müßte die Welt gemäß dieser Klage schon vielfach untergegangen sein. Man muß nur „Jammern über die Jugend“ bei einer Suchmaschine eingeben und erhält einen Berg von interessanten und auch amüsanten Verweisen.

  • Robert13

    Teilnehmer
    8. August 2020 um 15:19

    FlorianS 23. Juli 2020 um 16:14

    „Die Gefahr für die Gesellschaft bestehe darin,

    dass jeder Mensch zu einem vorhersehbaren Objekt werde,

    welches steuerbar ist – die Entscheidungsfreiheit werde ersetzt

    durch Reiz und Reaktion.“

    Diesem Prozess kann ich mich entziehen, indem ich einfach

    keinen PC mehr benutze. Aber will ich das ?

    Antworten auf Fragen, die ich habe, bekomme ich teilweise bei

    den Suchmaschinen. Und das dort meine Daten gesammelt

    und in für mich passende Angebote umgesetzt werden,

    bei denen sogenannte Drittanbieter mit im Boot sitzen,

    die für meine Daten an die Suchmaschinenbesitzer bezahlen,

    ist ja auch bekannt. Es ist ein Geschäftsmodell, mit dem wir

    Älteren uns erstmal auseinandersetzen müssen. Es muss

    aber nicht unbedingt schlecht sein, wenn ich „gläsern“,

    durch die Algorithmen der Suchmaschinen geworden bin.

    Durch die Erfindung des Schwarzpulvers gab es positive

    Möglichkeiten, nämlich Sprengung von Felsen beispielsweise,

    aber auch negative Möglichkeiten, nämlich Munition zu

    Kriegszwecken herzustellen. Genauso wird es sich mit den

    Möglichkeiten der -digitalen Welt-, jetzt und in Zukunft

    verhalten. Und ein letztes, wie ich finde, positives Beispiel

    möchte ich benennen: Informationen, gleich welcher Art,

    können mit Hilfe des Internet in Millisekunden rund um

    den Erdball, ja sogar bis zur ISS, transportiert werden.

    Mein Fazit: Ich muss wissen, wem ich welche meiner

    Daten gebe, eventuell muss ich auf Informationen

    verzichten, wenn ich der Meinung bin, dass meine Daten

    dort, von wo ich die Information bekommen kann,

    nicht sicher sind. Für mich ist die Möglichkeit einen

    PC zu nutzen, eine zeitsparende und informative

    Angelegenheit. Hätten wir ohne die -digitale Welt-

    nicht so viele Informationen über Covid-19, wie wir

    sie haben ?

    Gesund bleiben !!!

    Robert13

  • philosophin

    Teilnehmer
    8. August 2020 um 15:34

    @FlorianS, die modernen IT Unternehmen wollen den Menschen steuern? Macht das die Werbeindustrie nicht schon sehr erfolgreich seit Jahrzehnten ? Die modernen Unternehmen optimieren es stärker – dem würde ich zustimmen. Die Manipulation der Menschen geschieht in vielen Bereichen Das Framing z.B. in der Politik ist so ein Beispiel – Läßt sich gerade hier gut beobachten die Lagerzuweisungen(Rassismus,Nazidiskussionen, die Genderei u.a. ) oder auch der Umgang mit Corona.

    Sehr viel gefährlicher erscheint mir im Zusammenhang mit IT Unternehmen die Optimierung des Menschen und die Entwicklung der künstlichen Intelligenz. Es wird entwickelt und immer selbständigere Roboter entstehen. Aber sehr selten wird diskutiert , dass die KI, je selbständiger sie agieren kan,n immer weniger nur Assistenz des Menschen ist. Denkt man das konsequent zu Ende, kommt man an den Punkt, dass die künstliche Intelligenz die Menschen nicht braucht. Was dann?

    Schönes Wochenende

    phil

    • Dieser Beitrag wurde vor 6 Tagen, 18 Stunden von  philosophin bearbeitet.
  • Noscetempus

    Teilnehmer
    8. August 2020 um 15:44

    Du hast mich falsch verstanden. Ich wollte nicht jammern über die Jugend, geschweige denn sagen, wir Älteren seien klüger gewesen. Im Gegenteil: Unsere Generation hat die Nachfolgenden erst in diese Situation hineinmanövriert!

  • Palmstroem

    Teilnehmer
    9. August 2020 um 9:51

    @Noscetempus : Das verstehe ich noch viel weniger, aber egal, das ist nicht Thema des thread.

    @philosophin :Ich stimme dir zu was die Werbung betrifft. Das war in den 80ern ein häufiges Thema, scheint aber heute niemanden mehr zu interessieren. Im Gegensatz zum Datensammeln von Google & Co. begegnet uns diese Art der Manipulation bei jedem Einkauf. Das soll die Datensammler nicht verharmlosen, ich habe nur den Eindruck, daß Google & Co. undurchschaubarer und deshalb bedrohlicher erscheinen.

    Die KI allerdings stellt auf absehbare Zeit keine Bedrohung dar. Was wir aktuell darunter verstehen ist die sog. „schwache KI“, ein besserer Fachidiot. Diese Systeme können zum Beispiel Röntgenbilder besser auf Anzeichen von Lungenkrebs durchsuchen als ein Facharzt, aber sie können nur das. Mit dem Röntgenbild eines Knochenbruchs oder eines vereiterten Zahns wären sie hoffnungslos überfordert. Das Prinzip dahinter heißt „Mustererkennung“ und darin sind sie tatsächlich Menschen überlegen. Sie müssen aber mit zehntausenden von Vorlagen auf ihre spezielle Aufgabe trainiert werden. Wie sehr sie dabei auf den Menschen angewiesen sind zeigte sich beim Unfall eines Tesla, der in einen Tieflader krachte. Beim Training hatten die Entwickler leere Tieflader nicht ausreichend berücksichtigt und so erkannte die KI das Hindernis nicht.

    Was wir als Bedrohung durch Künstliche Intelligenz empfinden und nicht mit der schwachen KI verwechseln dürfen ist die „starke KI“. Die hätte dann tatsächlich so etwas wie Intelligenz, könnte kreativ sein und hätte vielleicht sogar so etwas wie ein Bewußtsein. Auf jeden Fall könnte sie komplexe Aufgaben erledigen, die über Mustererkennung hinausgehen. Es ist aber umstritten, ob so etwas überhaupt in absehbarer Zeit realisierbar ist, denn dabei geht es nicht nur um die Geschwindigkeit der Rechner, sondern um die Komplexität des Systems und die damit exponentiell wachsende Fehleranfälligkeit.

  • Robert13

    Teilnehmer
    9. August 2020 um 9:55

    philosophin 8. August 2020 um 15:34

    „Denkt man das konsequent zu Ende, kommt man an den Punkt,

    dass die künstliche Intelligenz die Menschen nicht braucht. Was dann?“

    @philosophin, so schwarz möchte ich die Auswirkung Deiner Aussage

    nicht sehen. Auch wenn Roboter neue Roboter -erschaffen- können, werden

    sie nicht das haben können, was uns Menschen mitgegeben ist: Glücksgefühle,

    Mitleid, Trauer, Zufriedenheit etc. Ich bin auch der Meinung, dass es trotz

    der KI immer noch Menschen bedarf, die mit ihrem Schöpfergeist neues

    ersinnen. Wer hat sich 1960 vorstellen können, dass eine riesige Menge

    von Menschen rund um den Erdball vor einem PeZeh/Läppi sitzt und

    durch vorgegebene Programme ( Exel,Word bspw. ) eine völlig andere

    Arbeitswelt hat, als damals üblich ?

    Ich bin der Meinung, dass die KI die Welt insgesamt verändern wird,

    der Mensch aber immer noch Herr über 0 und 1 ist.

    Bleib gesund !!!

    Robert13

  • philosophin

    Teilnehmer
    9. August 2020 um 14:20

    @FlorianS, unser Daten können für sehr viel verwendet werden. Es soll Arbeitgeber geben, die Bewerber erstmal im internet checken und das was dort ohne Mühe über sie zu erfahren ist. Kann mitunter peinlich sein.

    Es werden so viele Daten gesammelt über unsere Vorlieben. All unsere Einkäufe sind katalogisierbar und werden auch sortiert nach bestimmten Algorithmen. Es können komplette Profile erstellt werden über Personen, Gesundheitsrisiken abgeschätzt werden z.B. für Versicherungen. Es kann Erpressungspotential gesammelt werden, wenn man Interessen hat ,die etwas neben dem Mainstream liegen oder wer weiß woraus noch. . Für Geheimdienste sollten all diese Daten eine Fundgrube sein.

    Ein ehemaliger Stasioffizier wurde in den 90ern, also noch vor der Internetflut zitiert damit. dass “die Stasi niemals in der Lage gewesen wäre, all die vielen Daten über so viele Menschen zu sammeln, die sie im nun geeinten Deutschland nicht selten freiwillig preisgeben . Dass meine Adresse mit Telefonnummer verkauft wird und das ein normaler Geschäftszweig ist , hat mich ziemlich schockiert. Die Antwort darauf war , dass ich mich nicht so anstellen soll . Es passiert mir schon nichts außer ein bisschen Werbung.

    Frau Leuthäusser- Schnarrenberger trat als Bundesjustizministerin zurück wegen der Zustimmung der FDP zum großen Lauschangriff .

    Auch heute wundere ich mich, wofür welche Daten von mir erwünscht werden. Gebe ich sie nicht freiwillig, komme ich gar nicht auf manche Websiten oder stimme ich nicht sämtlichen Cookies zu, auch nicht. Da will ich dann auch nicht hin. Momentan kann ich das noch selbst entscheiden.

    Schönen Sonntag

    phil

  • FlorianS

    Teilnehmer
    9. August 2020 um 15:15

    Die Fülle der jetzt aufgeworfenen Fragen überrascht mich. Wie Phil aaO. erwähnt, ist »Digitalisierung« von »künstlicher Intelligenz« zu unterscheiden. Vor meiner Verrentung habe ich Programme entwickelt zur Dimensionierung, Kalkulation und Erstellung von Angeboten für Industrieanlagen. Hobbymäßig habe ich auch Schachprogramme geschrieben, die Amateure locker schlagen konnten. Beides hat mit künstl. Intelligenz gar nichts zu tun.

    Mir kam es beim Eingangsposting darauf an, darüber nachzudenken, welche Konsequenzen das zunehmende Abgreifen unserer Daten im Netz haben kann. Im Gegensatz zur Werbung alten Stils wird durchs Sammeln persönlicher Daten durch IT-Unternehmen ein passgenaues Angebot möglich, und, das ist entscheidend für mich, es können neue, künstliche Bedürfnisse und Wünsche beim Einzelnen generiert werden. Der Manipulation ist Tür und Tor geöffnet.

    Mich treibt die Frage um, in wie weit in diesem, unserem Forum Daten ausgewertet werden für gezielte Werbung. Da ich nur in den Foren für Philosophie und Religion unterwegs bin, erhalte ich keinerlei Werbeeinblendungen – stets ist lediglich eine Blankofläche vorhanden. Ist das bei anderen Mitgliedern auch der Fall?

    Noch eine Anmerkung: Richard David Precht äußert sich zu diesem Thema auf eine (für mich) angenehme Weise.

    Gruß/Florian,

    • Dieser Beitrag wurde vor 5 Tagen, 20 Stunden von  FlorianS bearbeitet.
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