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     Webra antwortete vor 3 Jahren, 5 Monate 8 Teilnehmer · 17 Beiträge
  • Webra

    Teilnehmer
    29. August 2019 um 1:06

    BUREAU-ORDNUNG 1863-1872

    1. Gottesfurcht, Sauberkeit und Pünktlichkeit sind
    die Voraussetzungen für ein ordentliches Geschäft.

    2. Das Personal braucht jetzt nur noch zwischen
    6 Uhr vormittags und 6 Uhr nachmittags anwesend sein. Der Sonntag dient dem Kirchgang. Jeden
    Morgen wird im Hauptbureau das Gebet gesprochen.

    3. Es wird erwartet, dass alle Mitarbeiter
    Überstunden, wenn es die Arbeit erfordert.

    4. Der dienstälteste Angestellte ist für die
    Sauberkeit der Bureaus verantwortlich. Alle
    Jungen und Junioren melden sich 40 Minuten vor dem Gebet und bleiben auch nach Arbeitsschluß zur
    Verfügung.

    5. Einfache Kleidung ist Vorschrift.Das Personal darf sich nicht in hellschimmerncen Farben bewegen
    und nur ordentliche Strümpfe tragen. Überschuhe
    und Mäntel dürfen im Bureau nicht getragen werden,
    da dem Personal ein Ofen zur Verfügung steht.
    Ausgenommen sind bei schlechtem Wetter Halstücher und Hüte. Außerdem wird empfohlen, in Winterszeiten täglich 4 Pfund Kohle pro Personalmitglied mitzubringen.

    6. Während der Bureaustunden darf nicht gesprochen werden. Die Einnahme von Nahrung ist zwischen
    11.30 Uhr und 12 Uhr erlaubt. Jedoch darf die Arbeit dabei nicht eingestellt werden. Das Verlangen nach Tabak, Aein oder geistigen Getränken ist eine Schwäche des Fleisches und als
    solche allen Mitgliedern des Bureaupersonals
    untersagt.

    7. Ein Angestellter, der Billiardsäle und politische Lokale aufsucht gibt Anlaß, seine Ehre,
    Gesinnung, Rechtschaffenheit und Redlichkeit anzuzweifeln. Seibliche Angestellte haben sich
    eines frommen Lebenswandels zu befleißigen.

    8. Der Kundschaft und den Mitgliedern der Geschäftsleitung nebst Familienangehörigen ist mit
    Ehrerbietung und Bescheidenheit zu begegnen.
    Der Angestellte hat die Pflicht, den Chef über
    alles zu informieren, was über diesen dienstlich
    oder privat gesprochen wird. Denken Sie immer daran, dass Sie Ihrem Brotgeber Dank schuldig sind. Er ernährt Sie schließlich.

    9. Jeder Angestellte hat die Pflicht, für die
    Drhaltung seiner Gesundheit zu sorgen. Kranke
    Angestellte erhalten keinen Lohn. Deshalb sollte
    jeder sollte jeder verantwortunsbewußte Commis von
    seinem Lohn eine gewisse Summe zurücklegen, damit
    er bei Arbeitsunvermögen und bei abnehmender
    Schaffenskraft nicht der Allgemeinheit zur Last
    fällt. Ferien gibt es nur in dringenden familären Fällen. Lohn wird für diese Zeit nicht bezahlt.

    10. Zum Abschluß sei die Großzügigkeit dieser
    neuen Bureauordnung betont. Zum Ausgleich wird eine wesentliche Steigerung der Arbeit erwartet.

    Dass wir "Heute" Arbeitsbedingungen haben, die sich "Damals" Niemand vorstellen konnte, haben wir Generationen von politisch tätig gewesenen Menschen zuverdanken.
    Dies sollten wir öfters berücksichtigen, wenn wir
    die Arbeit der heutigen Politiker be-oder- verurteilen.

  • Cocco

    Teilnehmer
    29. August 2019 um 8:31

    Danke Webra …es geht eben nichts
    über ein "ordentliches Geschäft".
    Habt einen guten Tag.

    C;-)ccogrüssse

  • Florena

    Teilnehmer
    29. August 2019 um 9:26

    Sehr interessant diese alte Büroordnung zu lesen, also man war damals schon fast Leibeigene/r eines Chefs oder Unternehmens. Dies konnte nur so gehandhabt und akzeptiert werden, weil es noch keine Ablenkungen im privaten Bereich gab so wie heute Wellness, Sport, TV, Filme, Reisen usw, was heute für jeden selbstverständlich ist und auch viel Zeit in Anspruch nimmt. Damals war man auch nicht so aufgeklärt über die gesundheitlichen Aspekte von Pausen und Einteilung seiner eigenen Kräfte.

    Nicht allein die Politiker haben eine Änderung der Arbeitsbedingungen geschaffen, sondern viele Angestellte und Arbeitnehmer, Ärzte und der Druck auf die Politiker.

    Ich meine, Änderungen werden immer erst durch Druck der Menschen auf Politiker geschaffen.
    Heute gibts Gewerkschaften, die Arbeitnehmer vertreten.

  • seestern47

    Teilnehmer
    29. August 2019 um 9:31

    Das war damals eine schreckliche Arbeitswelt! Danke fürs Einstellen! 🙂

  • Ricarda01

    Teilnehmer
    29. August 2019 um 9:37

    Wow, lieber Webra – wo hast du das denn 'ausgegraben'? Mir ging auch gerade der Begriff 'Leibeigene' durch den Kopf, aber den hatte Florena schon ins Spiel gebracht. Auch 'Sklaven' wäre durchaus angebracht…..
    Freuen wir uns also (auch als Rentner), dass wir in der besten aller möglichen Welten leben dürfen.
    Ricarda 😉

  • Clandi

    Teilnehmer
    29. August 2019 um 10:33

    Ich glaube vor allen Dingen, das die Gründung von Gewerkschaften dazu beigetragen hat vernünftige Arbeitsbedingungen zu bekommen.

  • Webra

    Teilnehmer
    29. August 2019 um 11:47

    Wir, lieber Dabbes, ist nach meiner Meinung eine
    Gruppe von Betroffenen, die die
    Entscheidungen der Politiker bewerten.

    Viele von ihnen kritiesieren aber auch Entscheidungen, die sie persönlich als negativ
    empfinden, allgemein gesehen aber positiv sind.
    Sie vergessen dabei aber den Grundsatz:
    " Allgemeinnutz geht vor Eigennutz". 😉

    Der Ausspruch der BK im September 2015: "Wir schaffen das", bedeutet doch, die Betroffenen, also alle Bürger der BRD, schaffen es mit diesem Problem fertig zu werden, wenn wir gemeinsam alle unsere Kräfte darauf konzentrieren.

    Verglichen mit dem damaligen Chaos und der Normalität die heute wieder in der BRD herrscht,
    haben wir es auch, vorerst, geschafft, obwohl sich nicht alle dafür eingesetzt haben.
    Probleme, die jetzt im Zustand der Ordnung sichtbar werden, können doch leichter gelöst werden als in einem Chaos. Allerdings muss auch eine Mehrheit der Bürger bereit zu glauben, dass
    wir das schaffen.

    Glaube kann ja bekanntlich Berge versetzen.

  • Florena

    Teilnehmer
    29. August 2019 um 12:03

    @Webra

    Glaube kann ja bekanntlich Berge versetzen.

    Wenn der Glaube aber ein Schuss in Ofen war, dann darfs kein "weiter so" mehr geben.

    Sorry, hab nur laut gedacht 😉

  • Webra

    Teilnehmer
    29. August 2019 um 13:18

    Jetzt weiche ich mal selbst von meinem Themenbeitrag ab. Aber irgendwie geht es ja auch hierbei um
    "Damals und Heute".

    Kein Politiker in Deutschland hat nach dem Zweiten
    Weltkrieg in einer solchen Situation ganz kurzfristig eine Entscheidung treffen müssen wie
    die Bundeskanzlerin.

    Vier bis fünftausend Menschen sind in Budapest
    aufgebrochen um nach Deutschland zu kommen. Niemand hat sie dazu aufgefordert. Sie sind den unmenschlichen Zuständen am Budapester Hauptbahnhof entflohen. In Spielberg, die Grenze
    zwischen Ungarn und Österreich, hatten die Österreicher provisorische "Grenzzäune" errichtet
    und Polizei und das Bundesherr stationiert. Als die Massen dort ankamen, wurde versucht diese
    erkennungsdienstlich zu erfassen. Die Menschen
    wussten aber, dass, wenn sie in Österreich registriert und erfasst sind, sie dort auch ihren
    Asylantrag stellen müssen. Das wollten sie aber
    in Deutschland tun.

    Sie beseitigten gewaltsam die provisorischen Grenzzäune, überrannten Polizei und Bundesherr
    und machten sich auf den Weg nach Deutschland.
    Ein österreichischer Regierungssprecher hat damals gesagt, dass sie nur durch den Einsatz von Schusswaffen zu stoppen gewesen wären.

    In dieser Situation hat die BK mit dem österreichischen Bundeskanzler und der Ungarischen
    Regierung Kontakt aufgenommen. Um Gleiches wie in
    Spielberg zu verhindern hat man sich geeinigt, die Flüchtlinge kontrolliert nach Deutschland
    einreisen zu lassen. Am Grenzübergang Salzburg/Freilassing wurden in den ehemaligen
    Zollgebäuden und auch in Zelten Notunterkünfte
    für einige Hundert Menschen eingerichtet. Die
    Brücke über die Saalach, der Grenzfluss zwischen Bayern und Salzburg wurde gesperrt. Es wurde somit keine Grenze geöffnet, sondern ein ehemaliger
    Grenzübergang provisorisch dicht gemacht.

    In Freilassing hatten die Deutschen inzwischen in einem ehemaligen Möbelhaus Notunterkünfte geschaffen. Auf österreichischer Seite hatte man die Flüchtlinge "erkennungsdienstlich erfasst" und sie dann in Gruppen von 80 bis 100 Personen
    den Deutschen übergeben. Bei der Erfassung mußte man sich notgedrungen, wenn keine amtlichen
    Dokumente vorhanden waren, auf die Angaben der Menschen verlassen. Erst hatte man versucht, Menschen ohne amtliche Dokumente die Einreise nach
    Deutschland zu verweigern. Als dann aber ca. 100 Personen sich aufmachten die Niedrigwasser
    führende Saalach nach Deutschland zu durchwaten,
    hatte man sich entschlossen, auch diese Personengruppe "geordnet" aufzunehmen. Körperliche
    Gewalt, die einzige Möglichkeit ihnen den Zugang nach Deutschland zu verwehren, wollte man nicht
    gegen Frauen, Kinder und alte Leute anwenden.

    Aufgemachte Grenzen und Willkommensgesten der BK
    entspricht genau so wenig der Tatsache wie eine
    alleinige Entscheidung der BK.
    Eine Behandlung "ob aufnehmen oder verweigern" im Parlament war aus zeitlichen Gründen auch nicht möglich, da innerhalb von 4 bis 5 Stunden eine
    Entscheidung getroffen werden musste.

  • Cocco

    Teilnehmer
    29. August 2019 um 14:09

    …zumal gerne "vergessen" wird,
    dass Ungarn die Grenzen geöffnet hat.
    Den völkischen Aufschrei hätte ich hören wollen,
    wären zeitgleich die deutschen Grenzen geschlossen worden.

    LG Cocco

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