Startseite Foren Open house Archaismen - Wer kennt noch welche?

  • Zoe

    Mitglied
    31. Juli 2022 um 11:54

    Da die Geschichte mit der Muhme mir noch unklar war, habe ich jetzt nachgesehen:

    Oheim = Mutterbruder
    Muhme = Mutterschwester
    Vetter = Vatersbruder
    Base = Vatersschwester

    Das entspricht dem, was @Mondin schrieb.

    Und zugleich ist auch zutreffend, was @Forscher schrieb; die Begriffe (Muhme + Oheim) wurden für sozial nahe Beziehungen gebraucht. (

  • Modesty

    Mitglied
    30. Juli 2022 um 21:29
  • Mondin

    Mitglied
    30. Juli 2022 um 21:09

    In alten Schriften des Archivs, in dem ich ehrenamtlich arbeite, ist der Septem(ber) sehr oft als der 7. Monat bezeichnet, und schlüssigerweise der Oktem (8.), Novem (9.) und Decem (10). Vom Januar ist aber nie als 11. Monat die Rede.
    Das Jahr hat übrigens verschiedenen Zeiten zu sehr verschiedenen Zeitpunkten angefangen u. a. dem 21. März. Passt dann wieder zu Septem etc.
    Wenn mich nicht alles täuscht, waren Hortung, Harnung etc. sehr frühe (unchristliche) Bezeichnungen und wurden im 1000jährigen Reich wieder ausgegraben.
    Die Muhme war heute Gesprächsthema. Ich kannte es nur als alte Bezeichnung für Tante. Mein Gegenüber bemerkte aber, dass es früher zwei verschiedene Bezeichnungen für Tante gab, je nachdem, ob es sich um (Bluts-?)verwandte väterlicherseits oder mütterlicherseits handelte. In vielen afrikanischen Sprachen wird da z. T. sehr genau unterschieden.

    Mondin

  • Paesi

    Mitglied
    30. Juli 2022 um 18:46

    @forscher,

    Wenn Hornung für Februar steht, dann ist Hartung der Januar, denn für Dezember war „der zehnte Monat“ nach altem Kalender. Danach müsste der Januar sogar einmal der 11. Monat gewesen sein und das Jahr begann mit März.

  • MotoBlues

    Mitglied
    30. Juli 2022 um 18:38

    Der Monat heißt Hornung, alt Süddeutsch/Österreichisch für Februar

  • forscher

    Mitglied
    30. Juli 2022 um 17:05

    HARTUNG = uralte Bezeichnung für einen Wintermonat, nur welcher ?

  • forscher

    Mitglied
    30. Juli 2022 um 16:46

    @Modesty Die Muhme oder der Oheim müssen nicht unbedingt in Verwandschaft stehen.

    Auch nur eine soziale Nähe kann maßgeblich sein.

  • forscher

    Mitglied
    30. Juli 2022 um 16:34

    Ja, @Zoe u. @Paesi das „Nestelband“ wurde früher durch Ösen/Schlaufen in der Kleidung gezogen, um zu verbinden und alles in richtiger Position zu halten. ( vor Erfindung von Knopf und Reißverschluß )

    Ps. im Moselfränkischen ( Luxemburgisch ) sagt man heute noch zum Schnürsenkel = „Schuh-neschtel“

  • Modesty

    Mitglied
    30. Juli 2022 um 14:45

    @Paesi

    Ich meine mich zu erinnern, dass damals, als ich Kind war, nicht nur tatsächliche Verwandte mit ‚Tante‘ und ‚Onkel‘ angesprochen wurden, sondern auch Nichtverwandte, wie z.B. die Freund*innen von Eltern, Großeltern, Tanten und Onkeln. Da kam es auf eine/n mehr oder weniger nicht an – zumal ohnehin kein Kind die exakten Verwandschaftsbeziehungen bei jeder/m echten Tante/Onkel auf dem Schirm hatte. Unsere Mutter hatte 13 Geschwister. Mir ist es nie gelungen, die echten und die angeheirateten Tanten und Onkel auseinanderzuhalten.

    Da meine Eltern gemeinsam berufstätig waren, hatten wir ein Kinderfräulein – eine unverheiratete ältere Dame aus dem katholischen Paramentenverein, den meine Mutter unterstützte. Die Gute war eine kluge Seele von Mensch und entsprach dem Urbild der molligen und fürsorglichen Großmutter.

    Wir nannten sie ‚Tante Ei‘, weil sie es wie niemand sonst verstand, zu trösten und stundenlang geduldig über Alltagswehwehchen hinwegzustreicheln. Es hätte nicht viel gefehlt und wir wären freiwillig vom Kinderstuhl gepurzelt oder die Haustreppe heruntergefallen, nur um von ihr gehätschelt zu werden….

    M.

    …und nein, sie war kein Elternersatz und wir wurden auch nicht emotional von Mutter und Vater vernachlässigt – sie war einfach nur ein zusätzliches Geschenk des Himmels!

  • Paesi

    Mitglied
    30. Juli 2022 um 9:31

    @Modesty

    Vielleicht waren die Wörter schon hier:

    Muhme-Tante, Oheim-Onkel

    Aber hinter der Muhme muss sich noch eine weitere Bedeutung verstecken. Ich besitze noch ein Kinderbuch: „Muhmes Rehkitz“ (ungarische Autorin) – eins meiner Lieblingsbücher und das meiner Enkelin.

    Hier ist Muhme eine ältere allein lebende Frau, die am Rande eines ungarischen Gebirges wohnt, die ein verletztes Rehkitz aufpäppelt und schweren Herzens wieder in die Freiheit entlässt. Später bringt das Kitz als junge Rehmama ihr Kind zu Muhme, um es heilen zu lassen und von nun an wird sie zur „Rehdoktorin“, findet zugleich Anerkennung bei Alt und Jung im Dorf und lebt nicht mehr so einsam.

    Die ersten Verse der ersten Strophe habe ich noch im Kopf:
    „Muhe Mirl wohnt auf dem Lande, an des Matraberges Rande. Hilfreich ist sie, voller Fleiß, hört nun, was ich von ihr weiß.“

    Somit könnte Muhme auch ein Begriff für ältere, alleinstehende, hilfsbereite Frauen gewesen sein. Zu weit gedacht?

Seite 198 von 402

Sie müssen angemeldet sein, um zu antworten.

Verstoß melden

Schließen