Startseite Foren Religion & Glauben 75 Jahre Hitler-Attentat: Die Kirchen haben versagt

  • 75 Jahre Hitler-Attentat: Die Kirchen haben versagt

     Twdore antwortete vor 1 Jahr, 9 Monate 8 Teilnehmer · 29 Beiträge
  • Twdore

    Teilnehmer
    21. Juli 2019 um 17:45

    Die Kirchen in Deutschland haben während des Nationalsozialismus im Widerstand „grandios versagt“. Davon ist der Historiker Wolfgang Benz (Berlin) überzeugt. Er sagte im Interview mit der Augsburger Allgemeinen anlässlich des 75. Jahrestags des Hitler-Attentats am 20. Juli: „Christlicher Widerstand kam von Einzelpersonen, aber nicht von der Amtskirche.“

    Er sehe es zudem mit einem gewissen Unbehagen, wenn am 20. Juli ausschließlich an Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg – er hatte die Strippen für das Attentat auf den Diktator am 20. Juli 1944 gezogen – und die „kleine Gruppe um ihn“ erinnert werde, „die unendlich spät, zu spät, nur noch eine symbolische Tat begangen hat“. Denn darüber gehe der „Blick aufs Ganze“ verloren. Widerstand habe es in allen Bevölkerungsschichten gegeben. Die konservativen und geistigen Eliten bildeten das Schlusslicht, so Benz. Es gehe darum, alles das „in einem Geschichtsbild unterzubringen und die Fraktionen des Erinnerns zusammenzuführen“.

    Was Widerstand war

    Nach 1945 hätten praktisch alle behauptet, sie seien irgendwie dagegen gewesen, aber man habe halt nichts machen können. Dazu Benz: „Das war eine Legende.“ Regimekritischen Austausch mit Freunden zu pflegen, auf die man sich verlassen konnte, sei auch noch kein Widerstand gewesen: „Widerstand war, wenn man aus der Erkenntnis heraus, dass das NS-System verbrecherisch war, eine Änderung herbeiführen wollte – durch Propaganda oder durch Hilfe für Verfolgte, durch Verweigerung des Wehrdienstes, durch aktive Tat wie den Tyrannenmord oder durch Planungen für ein besseres Deutschland nach Hitler, die die Beseitigung Hitlers voraussetzen.“

    Das sei barbarisch vom Regime geahndet worden. Der Widerstand sei untrennbar mit einer hohen Selbstgefährdung verbunden gewesen, betonte Benz. Eine stillschweigende Mehrheit sei von den Anfangserfolgen der Hitler-Regierung nachhaltig begeistert gewesen und habe die von der Propaganda verkündeten Erfolge geglaubt. Die Erkenntnis, dass das mit Verbrechen einherging, sei bei den vielen „national Empfindenden, den Offizieren, Rechtsanwälten und Professoren“ zu spät gekommen. Die Eliten im Dritten Reich seien zuvor nicht demokratisch sozialisiert worden.

    Und auch wenn man den Nationalsozialismus etwa aus katholischem Glauben heraus ablehnte, so sei man doch so erzogen worden, dass man nicht die Hand gegen das Regime erhob. Ferner kritisiert Benz die AfD. Es sei bestürzend, wie schnell und absichtsvoll man da das Rad der Geschichte zurückdrehen wolle in die Zeiten des Nationalstaates und des Nationalismus, die unwiederbringlich vorbei seien: „Wir leben in einer globalisierten Welt, müssen entsprechende politische Verhaltensweisen entwickeln.“

    https://www.idea.de/

    Twdore

  • ingo.x

    Teilnehmer
    22. Juli 2019 um 12:46

    Warum kriegst Du auf Deinen langen Beitrag wohl keine Antworten? Weil das Thema wirklich nicht mehr zeitgemäß ist. Junge Menschen wüssten überhaupt nichts mehr damit anzufangen…..

  • Madame.C

    Teilnehmer
    22. Juli 2019 um 13:44

    Und weil @Twdore ledigich einseitig belehren will und an keiner Diskussion und anderen Meinungen interessiert ist. Selber werden lediglich lange Artikel benutzt, "ohne persönliche Durchringung des Stoffes". Diesen Satz habe ich mir gemerkt. Er stand unter einer Klassenarbeit und meine Lehrerin war im Recht. 🙂

  • ingo.x

    Teilnehmer
    22. Juli 2019 um 16:06

    Joschel: 'Wenn Du "die Kirsche" sagst, meinst Du auch den Pastor/Pfarrer in Meiner/Deiner Gemeinde. Und das ist schlichtweg falsch! 99 % der Mitarbeiter in den Kirchen sind rechtschaffene Menschen, und es ist ein Unding, sie in einem Atemzug mit denen zu nennen, die Dir nicht genehm sind. Es ist auch nur Neid, wenn Du "materiell wohl versorgten Oberhirten" in einen Topf wirfst, in den sie nicht gehören. Menschen, wie Bedford oder auch Merkel bekommen nur einen Bruchteil dessen von dem, was viele ihrer Gesprächs_/Verhandlungspartner bekommen. Und dennoch setzen sie sich Kritiken wie Deiner und sogar Verächtlichmachung aus. Das müssen sie sich nicht antun! Stell Dir vor, ein Mensch, der weniger Geld zur Verfügung hat, als Du, würde über Dich als "materiell wohl versorgt" reden……Nicht prickelnd…oder?

  • SusiSoho

    Teilnehmer
    23. Juli 2019 um 0:32

    Oh doch, Ingo, das Thema wird noch lange "zeitgemäß" sein, mindestens aber bis die letzten Opfer und ihre Kinder/Kindeskinder verstorben sind.

    Es ist allerdings eine traurige Tatache, das Schüler, mit Ausnahme der meisten Gymnasiasten, keinen Geschichsunterricht erhalten, der das "Dritte Reich" behandelt und gleichzeitig von ihren Eltern/Großeltern auch nicht entsprechend aufgeklärt worden sind.

    Auch wenn die meisten Vorfahren in die Verbrechen der NSDAP gegen die Juden/Sinti und Roma, Schwule u.a. verstrickt bzw. involviert waren wie ehemals die deutsche Wehrmacht, hätten die eigenen Angehörigen doch die Möglichkeit, wenigstens jetzt noch ihre Haltung/ihre Gedanken, die sie seinerzeit bewegten, zu offenbaren. Das würde niemandem mehr schaden, aber möglicherweise das eigene Gewissen entlasten…

    In der Tat gab es viele Kirchenangehörige/Pfarrer und Priester, die Widerstand gegen das Regime leisteten und teilweise den späteren Opfern des Nationalismus freiwillig in die KZs folgten!

    Die Kirchen selbst haben mit Hitler sogar paktiert, um ihre Pfründe zu behalten und sich im Hintergrund halten zu durften (ihre Hände in Unschuld waschen konnten).

  • ingo.x

    Teilnehmer
    23. Juli 2019 um 8:14

    ""Es ist allerdings eine traurige Tatache, das Schüler, mit Ausnahme der meisten Gymnasiasten, keinen Geschichsunterricht erhalten, der das "Dritte Reich" behandelt und gleichzeitig von ihren Eltern/Großeltern auch nicht entsprechend aufgeklärt worden sind.""

    Bei vielen Lehrern und auch Eltern dürfte es mittlerweile aber auch an fundiertem Wissen über diese Zeit, geschweige denn über die Weimarer Republik, fehlen.

  • SusiSoho

    Teilnehmer
    23. Juli 2019 um 10:25

    http://www.spiegel.de/forum/lebenundlernen/schuelerantworten-dann-kam-der-hitlerpunsch-thread-286259-1.html

    Dazu gibt es zahlreiche Umfragen, die zeigen, wie rudimentär das Schülerwissen heutzutage ist; zu unserer Schulzeit endete der Geschichtsunterricht mit dem 30-jährigen Krieg und im Lateinunterricht mit den punischen Kriegen…

  • ingo.x

    Teilnehmer
    23. Juli 2019 um 10:53

    Wenn ich mittags die Gymnasiasten, die dort auf die Bahn warten, einfache Fragen zu 1933-1945 stellen würde, würde ich mich nach 2 Minuten frustriert entfernen.
    Ich denke wirklich, dass viele (junge) Lehrer auch Angst davor haben, mit ihren Schülern über diese Zeit zu sprechen. Einerseits, weil sie selbst (große) Wissenslücken haben; andererseits, weil es peinlich für sie wäre, wenn sie Antworten schuldig bleiben müssten oder in Diskurse mit Schülern geraten, die auf politischen Streit aus sind.
    Mich würde interessieren, wie ausführlich diese Epoche im Studium behandelt wird. Da das Pflicht-Fach "Pädagogik" m.W. auf ein Semester beschränkt ist und weitere Semester freiwillig sind, fürchte ich, dass die Studenten im Hinblick auf das Dritte Reich nicht wirklich sattelfest gemacht werden. Das würde dann aber vielleicht auch schon damit zusammenhängen, dass schon die Professoren nicht mehr sattelfest sind.

  • ingo.x

    Teilnehmer
    23. Juli 2019 um 11:32

    Ich bitte Dich, Joschele. Geschichtsunterricht mit "nicht allzusehr Drittes Reich" geht doch gar nicht. Und was die dann im Unterricht entstehenden Auseinandersetzungen mit Rechtspopulisten und der AfD ist ja genau das, wovor etliche Lehrer wohl Schiss haben. Aaaaaaaber: Genau diese Diskussion muss in den Klassenzimmern stattfinden, weil junge Menschen für Demokratie "fit gemacht" werden müssen. Noch ein "Aber": Nicht mal die Parlamentarier schaffen es, sich (argumentativ) mit der AfD auseinanderzusetzen. Ausnahmen, die ich schon genannt habe: Amthor und Özdemir. Die Entwicklung, in der man nur auf die Straße geht, statt Rechtpopulisten mit Argumenten zu entlarven, gefällt mir hinten und vorne nicht.

  • ingo.x

    Teilnehmer
    23. Juli 2019 um 12:15

    Ich habe die AfD nicht in die Diskussion eingeführt und differenziere sehr wohl zischen der Partei und dem Höcke-Flügel. Aber genau deshalb muss man sich mit der AfD und nicht ausschließlich mit dem "Flügel" argumentativ auseinandersetzen.
    Eines musst Du Dir jetzt aber zuschreiben lassen. Wenn Du schreibst " es war eine einmalige Regression des Volkes", dann hast Du von Gaulands "Fliegenschiss-Bemerkung" abgekupfert. Ich glaube zwar, verstanden zu haben, wie er es gemeint hat; aber so eine Bemerkung stört den demokratischen Frieden in unserem Land; und das wusste Gauland genau.
    Meine Meinung zur AfD ist übrigens: Wenn sie sich von allen Nazis trennen würde, wäre sie ebenso wählbar, wie es die Linke geworden ist, nachdem sie sich von (den meisten) ihren Alt-Stasis getrennt hatte.

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