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Spielt der Glaube in Ihrem Leben eine große Rolle?
Mondin antwortete vor 1 Jahr, 5 Monaten 24 Mitglieder · 252 Antworten
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Als Agnostiker, also Außenstehender, sehe ich so einer Diskussion interessiert zu. Ich kann mit dem christilichen Glauben trotz (oder eher wegen?) des Konfirmationsunterrichts nichts anfangen. Mir fehlt auch die Fähigkeit etwas einfach zu glauben. So kann ich der innerbetrieblichen Auseinandersetzung zusehen, doch ich frage mich, ob es wohl auch zu den „radikalen Botschaften eines Jesus Christus“ gehört, nicht so aktive oder praktisch inaktive Mitglieder einer Gemeinde derartig zu beurteilen.
Etwas anderes fasziniert mich viel mehr und das ist die Aussage von @Carlinette „[…]Ich diskutiere gerne, denke aber auch, dass der “Glaube” an die
Aussagekraft der Naturwissenschaften eben nicht mehr als ein Glaube ist,
sobald wir uns auf das Feld des Sinns des Lebens begeben[…] Etwas in dieser Art habe ich schon öfters von Gläubigen gehört oder gelesen und ich wundere mich immer wieder darüber. Zuerst einmal stimmt die Aussage nicht, denn die Naturwissenschaften beschäftigen sich nicht mit dem Sinn des Lebens. Das überlassen sie den Philosophen und Theologen. Aber selbst wenn ein Richard Dawkins mehr oder weniger deutlich sagt, dass der Sinn des Lebens aus biologischer Sicht ausschließlich in der Weitergabe der Gene besteht, muss ich mich fragen, warum mit schöner Regelmäßigkeit Gläubige daruf herumreiten, dass zu den Naturwissenschaften ja auch glauben gehöre. Mir kommt das wie ein „Ätsch! Ihr glaubt ja auch!“ vor. Haben sie das nötig? Fühlen sie sich herabgesetzt, weil sie an etwas glauben, während sich die Wissenschaft mit überprüfbaren Fakten beschäftigt? Denn nichts anderes tun die Naturwissenschaften. Sie versuchen für Phänomene Erklärungen zu finden, ohne dabei eine übernatürliche Wesenheit zu bemühen. Ein Sinn des Lebens gehört bestimmt nicht dazu. Falsche Fakultät.Aus meiner Sicht könnten die Gläubigen sich doch einfach an ihrer Fähigkeit zu glauben erfreuen, die ihnen Erklärungen, Halt, was-weiß-ich bietet. Doch anscheinend reicht das nicht, denn dieses „Ätsch! Ihr doch auch!“ wiederholt sich ohne Ende.
„Faszinierend!“, um Mr. Spock zu zitieren.
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Hallo Zoe, was an der bewussten Aussage echauffiert dich denn genauer und wie stehst du zu der Frage, ob ein paar Stoßgebete schon einen religiösen Glauben ausmachen? N.B. gehörst du schon mal nicht zu den genannten Personen, da du einen theologischen Hintergrund und ein zerrissenes Verhältnis zu Gott nennst, also eine vermutlich aktive Auseinandersetzung hinter dir hast. Und sorry – selbstverständlich nur auf meine Frage eingehen, wenn es dir damit nicht zu persönlich wird!
Worauf es mir bei der ganzen Darlegung ankam, ist folgender Punkt: Wenn jemand seinen Glauben nur mit sich selbst abmacht und nie mit anderen Personen in den Dialog tritt, auch sich auf keine Schrift beruft, liegt die Möglichkeit nahe, dass der-/diejenige sich seinen Privatgott so zurechtlegt, wie es ihm passt. Im Grunde ist damit kein Ausbruch aus den Grenzen der persönlichen Blindheit, sprich Egobezogenheit, möglich. Das soll nicht heißen, dass regelmäßige Kirchenbesuche und gelegentliche Gespräche mit dem Pfarrer ausreichen, unsere Egobezogenheit zu kurieren!
Aber es ist doch so viel bequemer, nicht ständig mit den radikalen Botschaften eines Jesus Christus konfrontiert zu werden: Liebe deinen Nächsten, nimm die Kranken, Schwachen, Kinder und Ausländer an, gib nichts auf irdische Güter, halte die Schöpfung heilig, usw. Nun, ich habe kein Theologiestudium absolviert, bin bei euch neu und finde Widerspruch in der Diskussion sehr belebend. In dem Sinne, guten Abend allerseits!
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@Zoe 17:09h und 16:50h ja, auch ich war überrascht, dass man die Intensität des Glaubens an der Häufigkeit der Kirchgänge, den Gesprächen mit dem Pfarrer oder an der gegenseitigen Unterstützung – also Gemeindearbeit – festmacht. Als evangelisch Getaufte bin ich erst mal Mitglied der evangelischen Gemeinde gleich wie aktiv ich in ihr bin.
Meine Meinung – Glaube hängt nicht an der Kirche, nicht am Pfarrer und nicht an der Gemeinde – Glaube ist in mir und muss in keiner Form der „Schrift“ folgen.
GeSa
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Da ich selber der ev. (luth.) Kirche angehöre, theologisch ausgebildet bin und meine Beziehung zu Gott einigermaßen chaotisch zerrissen ist, erlaube ich es mir @Carlinette , mich über Dein „es gibt zwar Leute“ zu echauffieren.
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@Carlinette : Zum zweiten kann ich mir ein christliches Leben ohne Gebet genausowenig
vorstellen wie ohne Gemeinde. Es gibt zwar Leute, die dreimal im Leben
zum Pfarrer gehen und sich beim 2. (vor der kirchlichen Hochzeit)
gläubig nennen, aber nie am Sonntag in der Kirche erscheinen und auch
sonst nix praktizieren. Da ist kein lebendiger Glaube, der mit der Zeit
wächst und sich entwickelt, weil Fragen wie die o.g. theologischen
Grundprobleme in akuten Lagen durchlebt und ausgekostet werden.Hm, woher weißt Du, das diejenigen, die sich möglicherweise als Christen/Christinnen verstehen, keinen „lebendigen Glauben“ usw. haben, nur, weil sie der Gemeinde fern bleiben, keine Gemeinschaft mit anderen Christen pflegen usw. ? Weißt Du, wieviele Stoßgebete sie vielleicht gen Himmel schicken?
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Vielen Dank für deine freundschaftliche Rückmeldung, Cocco!
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Mein Kompliment Carlinette @Carlinette;
Deinen Argumenten zum eigentlichen Thema kann man sich nicht verschließen.
Freundlicher Gruß
C😊cco
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Hallo liebe Leute,
komme erst spät zu eurer Diskussion dazu. Da ging es ja mal ursprünglich um die Frage des Glaubens und seiner Bedeutung im eigenen Leben
Um nichts zu verheimlichen – ich bin praktizierendes Gemeindemitglied in der evangelischen Kirche und kann die Bedeutung des Glaubens gar nicht hoch genug ansetzen – für mich natürlich! In eurer Diskussion wurden bereits etliche persönliche Befindlichkeiten und auch theologische Grundprobleme diskutiert. Was aber wenig oder gar nicht darin vorkam, war die Beziehung zw. Glauben und Gemeinschaft, sowie Glauben und Gebetspraxis. Dass die Kirchen aller Konfessionen sehr oft ihren Auftrag verleugnet haben, z.B. den Nazis hinterhergerannt sind und Kinderschänder geschützt haben, ist das eine und wohl wahr. Wesentlich ist jedoch die Bedeutung von Kirche im ursprünglichen Sinne als Gemeinschaft (Gemeinde), in der man sich gegenseitig unterstützt und fördert. Das gibt es an vielen Orten zum Glück auch heute.
Zum zweiten kann ich mir ein christliches Leben ohne Gebet genausowenig vorstellen wie ohne Gemeinde. Es gibt zwar Leute, die dreimal im Leben zum Pfarrer gehen und sich beim 2. (vor der kirchlichen Hochzeit) gläubig nennen, aber nie am Sonntag in der Kirche erscheinen und auch sonst nix praktizieren. Da ist kein lebendiger Glaube, der mit der Zeit wächst und sich entwickelt, weil Fragen wie die o.g. theologischen Grundprobleme in akuten Lagen durchlebt und ausgekostet werden. Auch weil Glauben nicht Wissen ist, weil niemand darauf pochen kann, dass sein Gott „besser“ ist als der des (orthodoxen, katholischen, muslimischen, jüdischen…) Nachbarn, und weil das Wort von der Kanzel nie die endgültige Wahrheit sein kann, gibt es für den gläubigen Christen, so wie ich es verstehe, eine permanente Auseinandersetzung mit der Bibel und der Lehre durch eigene Erfahrungen, Zweifel, Diskussionen, Hinterfragen der eigenen Person und Annahme von manchmal schwierigen Schicksalen.
Es ist so schön wie richtig, dass jeder seinen Weg gehen darf. Ich diskutiere gerne, denke aber auch, dass der „Glaube“ an die Aussagekraft der Naturwissenschaften eben nicht mehr als ein Glaube ist, sobald wir uns auf das Feld des Sinns des Lebens begeben. Auch war mein Leben nicht dazu geeignet, mich glauben zu lassen, dass ich in jeder Lage aus eigener Kraft oder nur mit der Hilfe von Mitmenschen zurechtkommen werde. Unsere Lebensläufe haben mit hoher Sicherheit ihre Finger im Spiel bei der Frage, was jeder von uns glauben kann oder möchte…
Euch allen eine ruhige, behütete Nacht!
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