Startseite › Foren › Philosophie › Leben
-
Leben
Von seestern47 am 1. Oktober 2021 um 11:07Folgendes habe ich heute in meinem Kalenderblatt gelesen und ich möchte August Bebel zustimmen und betonen, ja der Mensch ist determiniert! Seht ihr das auch so?
seestern47 antwortete vor 4 Jahre, 3 Monaten 5 Mitglieder · 4 Antworten -
4 Antworten
-
Ich möchte hier einschalten, daß ich von dem Satze: der Mensch ist seines Glückes Schmied, blutwenig halte. Der Mensch folgt stets nur den Umständen und Verhältnissen, die ihn umgeben und ihn zu seinem Handeln nötigen. Es ist also auch mit der Freiheit seines Handelns sehr windig bestellt. In den meisten Fällen kann der Mensch die KonseqÜnzen seines momentanen Handelns nicht übersehen; er erkennt erst später, zu was es ihn geführt hat.
Bebel hat das 1860 verfasst. Man sollte es also in diesem Kontext lesen und interpretieren. Und so geht sein Text weiter:
Ein Schritt nach rechts statt nach links, oder umgekehrt, würde ihn in ganz andere Verhältnisse gebracht haben, die wiederum bessere oder schlechtere sein könnten als jene, in die er auf dem eingeschlagenen Wege gekommen ist. Den klugen wie den falschen Schritt erkennt er in der Regel erst an den Folgen. Oftmals kommt ihm aber auch die richtige oder falsche Natur seines Handelns nicht zum Bewußtsein, weil ihm die Möglichkeit des Vergleichs fehlt. Der Selfmade-man existiert nur in sehr bedingtem Maße. Hundert andere, die weit ausgezeichnetere Eigenschaften haben als der eine, der obenauf gekommen ist, bleiben im verborgenen, leben und gehen zugrunde, weil ungünstige Umstände ihr Emporkommen, das heißt die richtige Anwendung und Ausnutzung ihrer persönlichen Eigenschaften verhinderten. Die „glücklichen Umstände“ geben erst dem einzelnen den richtigen Platz im Leben. Für unendlich viele, die diesen richtigen Platz nicht erhalten, ist des Lebens Tafel nicht gedeckt. Sind aber die Umstände günstig, so muß allerdings die nötige Anpassungsfähigkeit vorhanden sein, sie auszunutzen. Das kann man als das persönliche Verdienst des einzelnen ansehen.
Quelle: http://www.marxists.info/deutsch/archiv/bebel/1910/leben1/kap03.html
M.
-
Der Bebel meint ja nicht im Ernst, dass wir „determiniert“ sind, sondern dass die Zufälle unserer Herkunft und unserer Lebensumstände unsere Entscheidungen zwingend beeinflussen. „Man“ müsste demzufolge nur die Lebensverhältnisse „zum Guten“ wenden, um Schicksale zum Besseren zu wenden. Wäre ja schön, wenn‘s ginge. Was uns darüberhinaus „determiniert“, unsere Anlagen, Begabungen, seelische Stärke, Sensibilität, ist dabei ausgeklammert,
etaner34
Sie müssen angemeldet sein, um zu antworten.