Startseite Foren Computer & Internet KI-Jesus nimmt Beichten ab

  • seestern47

    Mitglied
    16. Dezember 2025 um 11:33

    @Genuss

    Ah ja – und zack, ist eine eigentlich interessante Diskussion im Beichtstuhl verschwunden.

    Der „Witz“ macht sie nicht nur kaputt, er ist leider auch noch ziemlich altbacken und sexistisch.

  • Genuss

    Mitglied
    16. Dezember 2025 um 11:22

    Es gibt in Deutschland Regionen, wo man noch regelmässig zur Kirche geht und auch zur Beichte muss. Und so musste auch Franz zur Beichte.

    „Herr Pfarrer, ich habe meine Frau betrogen.“

    „Ja, wer war’s denn?“

    „Eigentlich möchte ich das nicht sagen!“

    Der Pfarrer will ihm helfen: „War’s Frieda aus der Finkenstraße?“

    „Nein.“

    „War’s die Helga aus der Ahornstraße?“

    „Nein.“

    „War’s die Sabine aus der Lerchengasse?“

    „Nein“, antwortet Franz und verlässt den Beichtstuhl unverrichteter Dinge.

    Draußen vor der Kirche trifft er seinen Kumpel. „Na, hast du die Absolution bekommen?“

    „Nein, das nicht, aber drei Superadressen!“

  • realo

    Mitglied
    16. Dezember 2025 um 11:02

    Wie gesagt, es geht bei so einem Automaten um die Äußerung des Menschen, er spricht seine Sünden laut aus, der Automat hört zu und reagiert, mehr braucht es nicht um etwas in der Seele des Menschen zu bewirken. Die schriftliche online Beratung basiert seit vielen Jahren darauf, der Klient äußert sich und teilt sein Leid mit, das ist das A und O. Ich als Atheist haben noch nie in meinem Leben gebeichtet, zumindest keinem Pfarrer, aber einem Psychotherapeuten sehr wohl und meinen schriftlichen Unterlagen auch. Alles am Computer geschrieben seit über zwanzig Jahren. Da ist so ein Automat nur ein Wandel in der Technik, der menschliche seelische Ausdruck bleibt stets der Gleiche.

  • Yossarian

    Mitglied
    16. Dezember 2025 um 9:43

    @seestern47 Das mit dem zweiten Verlust kann ich nachvollziehen, wenn auch nicht verstehen. Aber es bedeutet doch nur, dass die Betroffenen sich nicht endgültig mit ihren Gefühlen auseinandergesetzt haben und den Avatar dazu benutzten, vor dieser Beschäftigung mit sich selbst zu flüchten. Ich bin wohl zu kopfgesteuert um das zu verstehen.

  • seestern47

    Mitglied
    16. Dezember 2025 um 9:23

    @Yossarian, vieles von dem, was du schreibst, kann ich gut nachvollziehen, gerade den Gedanken, dass jede technische Annäherung immer nur ein Bruchstück des Menschen abbilden kann.

    Aber, wenn solche Avatare oder sogenannte Deathbots Teil des Alltags werden, besteht die Gefahr, dass der Trauerprozess nie wirklich abgeschlossen werden kann. Trauer braucht irgendwann auch ein Loslassen. Bleibt die „Beziehung“ technisch bestehen, wird dieses Loslassen unterlaufen.

    Hinzu kommt, meiner Ansicht nach, ein weiterer, sehr problematischer Aspekt: Verschwindet ein solcher Avatar – etwa durch technische Probleme, Geschäftsaufgabe eines Anbieters oder Datenverlust – erleben Angehörige unter Umständen einen zweiten Verlust. Man spricht hier bereits von second loss, also einem erneuten „Sterben“. Das kann emotional extrem belastend sein und langfristig psychische Folgen nach sich ziehen (siehe Sendung ttt).

    Und nun nicht lachen 😉: ich habe einen lesenswerten Artikel gefunden, der in der Apotheken Umschau erschienen ist:

    https://www.apotheken-umschau.de/familie/kuenstliche-intelligenz-hilft-beim-trauern-um-verstorbene-der-trost-vom-deadbot-1177915.html

  • Ricarda01

    Mitglied
    16. Dezember 2025 um 9:16

    @seestern47

    Beitrag von 9:09

    Guten Morgen, liebe Seestern – nachdem ich das mir unbekannte Adjektiv gegoogelt habe, weiß ich genau, was du meinst! 😆😁😀Wünsche dir eine schöne Vorweihnachtszeit – Ricarda01🙋‍♀️🎄

    • Diese Antwort wurde in vor 1 Monat, 2 Wochen um  Ricarda01 geändert.
  • seestern47

    Mitglied
    16. Dezember 2025 um 9:09

    Ja, diese Entwicklung wirkt schon ziemlich dystopisch, @Ricarda01

  • Yossarian

    Mitglied
    16. Dezember 2025 um 9:08

    Was soll ich sagen, @seestern47 ? Das haut mich nicht vom Hocker. Mein erster Gedanke war, wie wohl die Menschen vor 200 Jahren bei dem Gedanken reagiert hätten, einen Film des verstorbenen Menschen zu sehen, vielleicht sogar einen Tonfilm? Heute ist das für uns eine Selbstverständlichkeit, aber die hätten es sicher ganz anders empfunden, einen toten Menschen wieder in Bewegung zu sehen und ihn sogar sprechen zu hören. In 50 Jahren wird es vielleicht täuschend ähnliche Puppen geben, die von einer KI „beseelt“ so aussehen und handeln wie die abgebildete Person.

    Was macht das mit der Trauer? Es forciert vermutlich die Auseinandersetzung mit den eigenen Emotionen. Wobei ich die Trauer ohnehin nur begrenzt nachvollziehen kann. Was passiert dabei? Wir beklagen in erster Linie den eigenen Verlust und darum sollten wir uns Gedanken machen. Vor vielen Jahren habe ich im Überseemuseum in Bremen eine Sonderausstellung gesehen, die den Totenkult irgendwo in der Südsee zeigte. Dort ist die Totenfeier keine Klage um den eigenen Verlust, sondern eine Party, bei der gefeiert wird, dass der Verstorbene jetzt in ein besseres Leben geht. Das hat mich sehr nachdenklich gemacht, denn deren Umgang mit dem Tod beschäftigt sich wirklich mit dem Toten, statt den eigenen Verlust in den Vordergrund zu stellen.

    Eine KI, die so redet wie ein verstorbener Mensch, eventuell mit so einem Klotz vor den Augen ein bewegtes Abbild zeigt, ist letztendlich doch nur ein Bruchteil dessen, was die Person tatsächlich war oder ist. Es ist eine Momentaufnahme, eine Erweiterung des Tonfilms, die für immer und ewig das Gleiche zeigt. Selbst wenn die KI aus der Interaktion mit dem Betrachter Verhaltensänderung zeigte wäre es schon nicht mehr der/die Verstorbene.

    Das ist das Einzige, was ich dabei interessant finde. Jede Interaktion beinflusst die Beteiligten. Folglich ist die KI nach einem Dialog nicht mehr die Gleiche wie vorher. Was ergibt sich aus dem Gedanken, dass die KI sich durch eine Interaktion exakt genauso verändert, wie es bei dem/der Verstorbenen geschehen wäre?

    Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, den Film „A.I. Artificial Intelligence“ von Stanley Kubrick noch einmal aus einem neuen Blickwinkel zu sehen.

  • realo

    Mitglied
    15. Dezember 2025 um 13:50

    Eine Beratung kann die KI nicht, dazu braucht man menschliches Einfühlungsvermögen in die individuelle Situation, aber eine Beichte abnehmen geht. Der Mensch artikuliert laut und deutlich seine Sünden, bereut, bekommt von der KI drei ‚Vater unser‘ auf und den Segen, fertig. Es geht nicht um die Äußerung der KI, es geht um die deutliche und bewusste Artikulation des Menschen. Es aussprechen worin der Schuh drückt, das ist therapeutisch wertvoll und gegenüber der KI möglich.

  • Maedchen

    Mitglied
    15. Dezember 2025 um 12:07

    Ich sehe dieses „Gerät“ als psychologischen Berater, nicht mehr aber auch nicht weniger. Das kann hilfreich sein. Eine Beichte wird dabei aber nicht abgenommen.

    Missbrauch? Bei der Beichte hatte ich nie Angst, dass ich „verpetzt“ werde – aus damaliger kindlicher Sicht. Und ich fühlte mich immer erleichtert und habe sehr gern meine Buße auf mich genommen:

    20 x und mehr das „Gegrüßet seist du Maria“ zu beten.

    Als Erwachsene kam ich nie auf die Idee, das ich mißbraucht werden könnte. Eine Beichte findet immer anonym statt. Ich gebe meinen Namen nicht preis, keiner weiß wer ich bin. Aber doch hat mich ein Gefühl dazu veranlasst, immer einen Pastor zu wählen, der mich nicht kannte!

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