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Der Fall Tellkamp - Streit um die Meinungsfreiheit
Natürlich dürfte kaum jemand hier das 900seitige Buch „Der Schlaf in den Uhren“ schon gelesen haben. Kritiken und sonstige mediale Beiträge machen auch nicht unbedingt Lust auf das Buch. Ehe ich mich da durchgekämpft habe – mit 70 habe ich nicht mehr (vermeintlich) unendlich Zeit. Den Dokumentarfilm auf 3sat am vergangenen Mittwoch habe ich mir aber angesehen. Ich kann nicht einschätzen, inwieweit der Film bundesweit relevant ist.
Gestern in meiner Buchhandlung ein Tisch am Eingang lagen und standen Exemplare dieses Buches, KäuferInnen habe ich nicht beobachtet.
Zurück zur Doku. Ich habe sie als Einheimische sehr aufmerksam angesehen. Sogar zweimal. Einmal am Morgen in der Mediathek. Da ist die Doku in 5 Teilen zu sehen. Abends dann komplett. Für mich war es spannend. Einmal bin ich Uwe Tellkamp begegnet als völlig unbeteiligte Beobachterin. Spannender als er waren die Leute, die ihn damals „hofierten“.
Ich hatte und habe ein gespaltenes Verhältnis zu Uwe Tellkampf und zu seinem Buch „Der Turm“, auch zu dem Hype, den dieses Buch ausgelöst hatte. Auch der Film konnte mich nicht überzeugen.
Die in der o. g. Doku als zweiter Strang im Mittelpunkt stehende Buchhandlung von Susanne Dagen ist mir gut bekannt. Ich war in einer Reihe von Veranstaltungen. Meine damaligen Zweifel, ob ich nach der Konzeptänderung noch Gast sein werde, hatte sich ganz schnell von selbst erledigt. Die Gäste waren nicht mehr meine Welt. Ich hatte damals ausführlich hier im Forum über meine Gefühle und Gedanken dazu geschrieben.
Zweimal war ich später noch im Buchladen. Ich wollte so schnell nicht aufgeben. Außerdem hatte ich dort so manches „Schätzchen“ gefunden. In der Ecke stehend als unbekannte Kundin, musste ich erleben, wie Frau Dagen sich ausließ über wegbleibende Kunden. Das waren für sie Menschen, die nichts begreifen würden. Die würden schon sehen, was noch passieren würde usw. Das Buch, welches mein Interesse gefunden hatte, blieb in der Buchhandlung. Ich hatte ja den Titel.
Nach dem Film habe ich mir mal wieder die Internetseite der Buchhandlung aufgerufen. Nein, das Programm ist für mich mehr abschreckend als einladend. Schade, wie schön und unvergesslich waren die Abende mit Uwe Naumann, Inge Jens, Hans Pleschinski, Frido Mann …
Zweimal blies der Buchhandlung massiver Gegenwind entgegen. Zwei Anschläge, einmal Schmierereien und beim zweiten Mal ein regelrechter Anschlag mit Buttersäure. Das ist kriminell und aufs heftigste zu verurteilen.
Hat von den Literaturfreundinnen und -freunden hier den Film gesehen? Was waren eure Empfindungen?
Vielleicht noch eine Ergänzung. Ich fand die Einblendungen von weiteren Personen als wohltuende Verbindung Uwe Tellkamp und Susanne Dagen.
https://www.3sat.de/kultur/kulturdoku/der-fall-tellkamp-film-100.html
Statt einen „Tellkamp“ habe ich zwei andere Bücher mit nach Hause genommen:
– Canaletto – seine Jahre in Dresden von Ralf Nürnberger
– Die verlorene Schwester – Elfriede und Erich Maria Remarque, Die Doppelbiografie von Heinrich Thies
Constantia
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