-
Clara Westhoff und Rainer Maria Rilke
In dem Thread "Künstlerinnen" hatte ich das Buch über Clara Westhoff schon erwähnt. Es war nicht das erste Buch, welches ich über die Künstler-Kolonie in Worpswede und deren weiteres Umfeld gelesen habe. Das beginnt bei Paula Modersohn-Becker und geht bis zu Lou Andreas-Salomé oder Rainer Maria Rilke und den Frauen und noch weiter.
Die Autorin Marina Bohlmann-Modersohn stellt laut Titel nun Clara Westhoff in den Mittelpunkt. Diese war mir bisher beim Lesen immer ein wenig zu kurz gekommen. Eine gute Gelegenheit also den Kreis der KünstlerInnen zu erweitern.
Das Buch entspricht in weiten Teilen meinen Wünschen und Erwartungen. Wir erfahren viel über die junge Frau, ihrem Wunsch Künstlerin zu werden, ihre Verehrung und Beziehung zu Auguste Rodin. Aber im Mittelpunkt steht ihr Leben mit Rainer Maria Rilke. Fast bin ich geneigt, Rilke ist der Mittelpunkt, um den sich alles dreht.
Bohlmann-Modersohn zitiert viel aus Briefen von Rilke. Umgekehrt sieht es schwach aus, was wahrscheinlich damit zu tun hat, dass der Dichter zweimal all sein Hab und Gut verloren hat, immer auf Achse war. Irgendwann war er nicht der mittelose Dichter. Auch als es ihm besser ging, nie vergaß er Clara und Tochter Ruth.
In meinen Gedanken über Worpswede macht der Tod von Paula Modersohn-Becker immer einen Schnitt. Der Tod von Rilke am 29. Dezember 1926 ist dann die endgültige Zäsur.
Ich habe Menschen kennengelernt, da bekam beim Namen Rilke ihre Stimme einen anderen Klang und die Augen begannen zu glänzen. Zitate waren etwas Besonderes. So war es bei mir nie. Ich registriere mit Erstaunen, wo der Name des Dichters immer wieder auftauchte.
Über die Ehe von Westhoff und Rilke dachte ich zwei Künstler, die sich im Überschwang der Gefühle ehelichten und einer von ihnen dann weiterzog. Nein, so war es nicht. Trotz getrennter Wege, Rilkes Liebe zu Frauen, Scheidung – sie blieb immer seine Frau. Rilke als Vater und Großvater für mich schwer vorstellbar.
Mit dem Tod des Dichters wird das Buch schneller, gefühlt oberflächlicher. Vielleicht war aber auch das Leben von Clara Westhoff nicht mehr so – lebendig. Es nimmt jedenfalls in dem Buch nur wenig Platz ein.
Ich habe viel gelernt, Zusammenhänge herstellen können und sehe den Dichter in einem etwas anderem Licht.
Und noch etwas. Als ich letzte Nacht nicht schlafen konnte und durchs www schlenderte fand ich ein Gedicht von Rilke, hielt inne und überlegte. Könnte doch sein, dass ich erst jetzt im Seniorenalter dem Gefühl seiner Werke ein Stück näher komme.
Constantia
Sie müssen angemeldet sein, um zu antworten.