Zur Schuldfrage gibt es noch eine weitere Stellungsnahm (Frankfurter Rundschau):
Trotz Selenskys Schilderung des Angriffs erwies sich der Reaktorblock eins als unbeschädigt. Die Internationale Agentur für Atomenergie verlautbarte auf Twitter, die ukrainischen Behörden hätten ihr mitgeteilt, das Feuer habe die wesentlichen Anlagen nicht berührt. „Eine Veränderung der Strahlenwerte wurde nicht gemeldet.“
Und es bleibt strittig, auf welche Ziele und aus welchen Waffen geschossen wurde. Igor Konaschenkow, Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau, machte die Gegenseite für den Brand verantwortlich. Die russischen Truppen hätten die Stadt Enerhodar und das AKW schon am 28. Februar unter ihre Kontrolle gebracht, die Angestellten des Atommeilers aber ihren gewohnten Betrieb fortgesetzt.
Russland sieht die Schuld bei der Ukraine
Laut Konaschenkow hatten ukrainische Kräfte aus mehreren Etagen eines Ausbildungsgebäudes außerhalb des AKWs eine russische Patrouille unter heftigen Beschuss genommen, um Antwortfeuer zu provozieren. Sie seien von den Russen mit Schüssen vertrieben worden, hätten aber vor ihrer Flucht im Gebäude Feuer gelegt. Die Agentur RIA Nowosti zitierte Konoschenkow mit den Worten, Ziel sei es gewesen, „Russland zu beschuldigen, es habe einen Herd radioaktiver Verseuchung geschaffen“.
Ein gezielter atomarer Terrorschlag der russischen Streitkräfte gegen die Ukraine wäre in dieser Nacht eher unsinnig gewesen. Laut BBC wehte der Wind in Richtung Südost, eine radionuklide Qualmwolke aus einem beschädigten Reaktor hätte sich also in Richtung der russischen Region Krasnodar bewegt.
https://www.fr.de/politik/angriff-auf-atomkraftwerk-in-der-ukraine-brandgefaehrlich-91389517.html
Bei aller Gefährlichkeit bleibt erneut die Frage, wie viel wem geglaubt werden darf und ob eine einseitige Schuldzuweisung richtig ist.