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Deutsche Aussenpolitik
oatrick DiekmannT-online schreibt am 15.12.2021 über die neue Aussenministerin::
Annalena Baerbock am Montag in Brüssel: Die neue Außenministerin will eine stärkere europäische Außenpolitik – auch wenn sich nicht alle einig seien. (Quelle: Reuters)
- Die Ampelkoalition startet mit ersten Konflikten in ihre Außenpolitik: Ministerin Annalena Baerbock will andere Akzente als Kanzler Olaf Scholz setzen. Der Streit ist programmiert.
Die Aufwärmphase fällt aus. Annalena Baerbock ist kaum eine Woche Außenministerin, schon ist sie durch Europa gereist. In Liverpool trifft sie erstmals ihre Amtskollegen der G7-Staaten, führt Gespräche in Paris und Brüssel, muss in Warschau eine Belehrung des polnischen Außenministers über sich ergehen lassen. Ein straffes Programm, kaum Verschnaufpausen, sie startet von null auf hundert.
Baerbock bringt bei ihren Antrittsbesuchen sichtlich Schwung und Gestaltungswillen mit. Aber sie wird auch mit der Realität des außenpolitischen Tagesgeschäfts konfrontiert. Und die Realität erfordert vor allem eines: Krisenbewältigung. Corona, Klima, Ukraine, China. Baerbock will als Chefdiplomatin versuchen, sich mit einer „wertebasierten Außenpolitik“ zu profilieren. Doch bereits bei ihren Antrittsbesuchen wird deutlich, dass dieser Weg steinig werden wird.
Die Außenminister der G7-Staaten: Die G7-Mitglieder sprachen sich zwar für einen gemeinsamen Kurs gegenüber Russland und China aus, aber inhaltlich gibt es wenig Konkretes. (Quelle: Reuters)Denn bislang stehen in den internationalen Beziehungen kaum Werte im Mittelpunkt des politischen Handelns, sondern Interessen. Anzeichen, dass sich daran etwas ändern wird, gibt es kaum. Für einen Paradigmenwechsel im Sinne der Grünen bräuchte es eine große nationale und internationale Geschlossenheit in der Frage. Die findet sich aber weder innerhalb der Europäischen Union noch in der Ampelkoalition in Deutschland.
Im Gegenteil: Kanzler Olaf Scholz lässt Baerbock bereits bei einigen politischen Fragen im Regen stehen. Die Außenministerin könnte an ihren eigenen Ambitionen scheitern – und an der politischen Wirklichkeit.
Interessen oder Werte?
Am Anfang steht jedoch zunächst die Euphorie: Baerbock hat ihre Antrittsbesuche akribisch vorbereitet, Bilder und Inszenierung stehen anfangs mehr im Fokus als politische Inhalte. Es geht um ein erstes Abtasten auf der großen internationalen Bühne, ein Kennenlernen in bilateralen Gesprächen mit den wichtigsten internationalen Partnern. Und die möchten natürlich wissen, was sie von der künftigen Bundesregierung und von Baerbock selbst zu erwarten haben.
Ich frage Euch: Wer setzt sich hier durch? Vermutlich der Kanzler Scholz. Ich bin wirklich gespannt, ob diese neue Koalition die ganze Legislatur durchhält.
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