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  • Steuergerechtigkeit

    Von Herbert am 15. Dezember 2020 um 17:08

    Ich möchte das Thema hier gerne einmal aufnehmen, da ich den Eindruck gewinne, dass das Thema irgendwie in der Öffentlichkeit nicht richtig gewürdigt wird.

    So wird im Fernsehen kaum darüber berichtet. Aber auch die öffentliche Diskussion findet kaum statt.

    Der Staat braucht Steuern.

    Das ist klar, nachvollziehbar und korrekt, leistet der doch alles, was die Gemeinschaft grundsätzlich braucht.

    Soweit so gut.

    Schaut man sich jedoch die Belastung einzelner Mitbürger an, sieht das ganze etwas anders aus.

    Z.B.:

    Ein Arbeitnehmer bezahlt ab 57.052 EUR Jahreseinkommen den Höchststeuersatz in Höhe von 42% (sieht man von den zusätzlichen 3% „Reichensteuer“ ab, die erst ab 270.501 EUR einkommen gelten).

    Das bedeutet, dass jeder zusätzliche EUR mit 42% Steuern belastet wird.

    Hat man soviel Geld auf dem Konto, dass man nicht mehr arbeiten muss (also nicht erst als Rentner, sondern z.B. auch im Alter von 25 Jahren) und man legt sein Geld an, dann erhält man daraus Erträge, also z.B. Zinsen, Dividenden usw.

    Also erhält z.B. das Geschwisterpaar Quant (BMW-Erben) aus dem ihnen gehörenden, geerbten Aktienanteil Dividenden in Höhe von ca. 1 Milliarde EUR pro Jahr.

    Für Kapitalerträge gibt es jedoch keine (progressive) Einkommensteuer, sondern nur nur die sog. Kapitalertragssteuer. Diese beträgt pauschal 25%.

    Das bedeutet:

    Eine Person, die Einkommen i.H.v. 67.000 EUR erzielt, bezahlt also für die 10.000 EUR oberhalb von 57.052 EUR 42% Steuern. Ab 270.501 steigt der Steuersatz dann auf 45%.

    Die Quants (und alle anderen Reichen) bezahlen jedoch nur 25% und zwar unabhängig davon wieviel Sie einnehmen (auch bei 100 Milliarden).

    In Deutschland ist also ein Reicher jemand der mehr als 57.052 EUR pro Jahr verdient.

    Ein tatsächlich Reicher wird steuerlich jedoch behandelt wie ein Armer.

    Kann das jemand erklären oder verstehen?

    Wo ist da die Gerechtigkeit?

    Herbert antwortete vor 5 Jahre, 1 Monat 4 Mitglieder · 16 Antworten
  • 16 Antworten
  • Herbert

    Mitglied
    16. Dezember 2020 um 19:03

    @Geniesser

    Hast Du diese Diskussion verfolgt?

    „wer viel verdient, zahlt auch viel Steuern“

    Genau das trifft nicht zu Slight Smile

    Viel Spaß beim Fussball.

  • Geniesser

    Mitglied
    16. Dezember 2020 um 18:59

    Hallo Herbert, die Halbzeitpause der Frauen-CL will ich schnell mal dazu nutzen: Ich halte das Steuerkonzept bei uns für gerecht, nämlich…wer viel verdient, zahlt auch viel Steuern und…wer weniger verdient, zahlt auch weniger. Allerdings gibt es beim Thema Steuern auch ein anderes Problem: Nämlich die Steuerverschwendung. Recht gebe ich Dir, dass an der länderübergreifenden Steuerregelung noch Handlungsbedarf besteht, und dass nicht nur bei dem (legalen?!) Umgehen damit, sondern auch bei der Gesetzgebung! So…nun hat wieder der Fußball Priorität!

    Mit besten Grüßen im Sinne einer friedlichen Gerechtigkeit, G.Wink

  • Herbert

    Mitglied
    16. Dezember 2020 um 18:00

    Wie sehr der Verweis auf die Gesamtsteuerbelastung hinkt zeigt bereits, dass viele Unternehmen tatsächlich kaum Steuern bezahlen, z.B. Google, Amazon, Apple u.v.m

    Und auch deutsche Unternehmen reduzieren Steuern in Steueroasen.

    Hier bleibt es bei 25% Gesamtbelastung.

    Also: Auf dem Sofa liegen wird in Deutschland privilegiert.

    Und wer das gut findet, kann eigentlich nur zu dieser Gruppe gehören.

  • GSaremba61

    Mitglied
    16. Dezember 2020 um 17:42

    Bevor ich mich endgültig von diesem Thema verabschiede noch eine Kleinigkeit zum Thema unser Steuergesetz macht Reiche reicher – Teilauszüge

    Immer wieder hört man, dass die Kapitalertragssteuer, auch Abgeltungssteuer genannt, ein Geschenk für Reiche und Vermögende sei, da auf Dividenden und Kursgewinne ja nur die 25 Prozent und nicht der persönliche Einkommenssteuersatz fällig wird. Da sogar immer öfter von Aktionären und Kapitalanlegern sogar so argumentiert wird, möchte ich heute aufzeigen, warum diese Behauptung falsch ist und Aktionäre in Wirklichkeit mehr als den Spitzensteuersatz, ja oft sogar den Höchststeuersatz (Reichensteuersatz), bezahlen!

    Betrachtet man die Aktie im Gesamtkontext als das, was sie ist, nämlich eine Unternehmensbeteiligung, so liegt der Steuersatz im Schnitt auf dem Niveau des Höchststeuersatzes, auch Reichensteuer genannt. Und bei Aktionären wird dieser wohlgemerkt fällig, sobald die 801 Euro Sparerfreibetrag ausgeschöpft sind!

    Und hier das Ganze:

    https://finanzgeschichten.com/abgeltungssteuer-bedeutet-spitzensteuersatz-fuer-aktionaere/

    und hier habe ich noch was, dass die Feinheiten aufzeigt, die gerne übersehen werden

    https://www.steuernetz.de/lexikon/welche-kapitalertraege-der-abgeltungsteuer-unterliegen

    Und nun einen schönen Abend mit vielen neuen Erkenntnissen Slight Smile

  • Herbert

    Mitglied
    16. Dezember 2020 um 17:38

    Was ist / war denn Dein Beruf?

  • GSaremba61

    Mitglied
    16. Dezember 2020 um 16:47

    Tja, @Herbert – wenn ich Dich lese muss ich dringend meinen Beruf neu erlernen.Upside Down

    Die Abgeltungssteuer ist eine Vorabsteuer, wenn der persönliche Steuersatz unter 25% liegt. Sie kann, wenn der persönliche Steuersatz unter 25% liegt, über die Steuererklärung mit dem persönlichen Steuersatz verrechnet werden und führt unter Berücksichtigung des Freibetrages sowie dem gesamten (also einschl. den Erträgen) Einkommen zu Steuererstattungen!!!!!! Allerdings kann der Soli diese Erstattung wieder auffressen. Und das Erträge zum Einkommen gehören steht doch wohl außer Frage. Wer es also schafft mit seinen Erträgen in den Höchststeuersatz zu gelangen, dem kann es nicht wirklich schlecht gehen.

    Hier mal die genaue Formulierung:

    Wer mit seinem Einkommen samt Kapitalerträgen bei der normalen Einkommensteuer auf einen Grenzsteuersatz unter 25 % kommt, darf seine Kapitalerträge alternativ mit der normalen Einkommensteuer versteuern lassen. Die ist dann entsprechend günstiger als der pauschale Abgeltungssteuersatz.

    Und natürlich hast auch jetzt einen Link eingesetzt, der braaandneu ist – von 2009Sunglasses

    Doch ich denke Fakten sind für Dich nicht wirklich interessant. Daher lassen wir es dabei. Wer nur auf Teile schaut kann den Gesamtzusammenhang nicht erkennen.

  • Herbert

    Mitglied
    16. Dezember 2020 um 15:27

    @Geniesser

    Das kommt daher, dass ganz oben am meisten verdient wird:

    https://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61769/einkommensverteilung

    Der relative Bezug zum gesamten Steueraufkommen sagt daher isoliert nicht viel über die tatsächliche Steuerbelastung der oberen Prozent aus.

    Zudem kommt es auch hier zu der Abgrenzung:

    Ein Vorstand (z.B. Herbert Diess – 9,9 Mio. Gehalt / Jahr) zahlt 45% Einkommensteuer.

    Der Erbe, welcher an VW Aktien hält und 9,9 Mio. Dividenden erhält, zahlt nur 25% Steuern.

    @GSaremba61

    Du schreibst:

    „Kapitalerträge werden weit höher besteuert als geringe Einkommen!“

    Das stimmt nicht, denn wenn der persönliche Steuersatz unter 25% liegt, werden Kapitalerträge zum persönlichen Steuersatz berechnet.

    Das mit dem österreichischen Bezug war tatsächlich nicht korrekt.

    Im Grunde ist es in Deutschland jedoch dass Selbe, vgl. S. 31 (jedoch nur bis 2009):

    https://www.ifst.de/wp-content/uploads/2009/03/454.pdf

    Die reine Steuerlast ist nur ein Teil der Gesamtbelastung

  • GSaremba61

    Mitglied
    16. Dezember 2020 um 13:56

    Mmmmh @Herbert – in meiner Berufszeit sind die Steuern auf mein Einkommen von 56% auf 42% gefallen.

    Vielleicht macht es Sinn, wenn Du Dich über die deutschen Steuersätze informierst und nicht über Österreich? In Deutschland war der Spitzensteuersatz von 58-64 = 53%. 1976 lag der Spitzensteuersatz bei 56% und das bis 1989.

    Deine 30% sind in Deutschland nicht vorhanden, denn selbst der Einstiegssteuersatz war unter 30% – heißt zwischen 20 bis 25,9% in der Spitze. Heute liegt er bei 14%. D.h. Kapitalerträge werden weit höher besteuert als geringe Einkommen!

    Jetzt noch Sozialversicherungsbeiträge – ja, klar Reiche sind ja sehr von Sozialgeldern abhängig. Die beziehen ja wirklich überproportional Sozialleistungen.Sweat Smile Sag mal hast Du nicht über Rendite schwadroniert? Möchte ich nicht lesen, wenn Deine Erträge entsprechend behandelt würden.

    Und nur so nebenbei – Erträge werden auch heute noch über die Steuererklärung je nachdem aus welchem Geschäft sie erwirtschaftet werden nachbesteuert – also über die 25% der Abgeltungssteuer, die nicht umsonst so heißt! Sie wurde übrigens eingeführt, um Steuerhinterziehungen (von allen Bürgern) einzudämmen bis abzuschaffen. Bis dahin wurde Besteuerung der Erträge über die Steuererklärung vorgenommen.

    Also laß es gut sein, auch wenn Du sehr am Geld hängst und möglicherweise Dich immer irgendwie benachteiligt fühlst.

    Schönen Tag noch

    Nachtrag: @Syringia – schöner Einwand Wink

    @Geniesser – auch ein perfekter Einwand Slight Smile

  • Geniesser

    Mitglied
    16. Dezember 2020 um 13:42

    Das Thema Steuergerechtigkeit ist ja ein ständiges Diskussionsthema. Um das mal zu versachlichen, hier 2 Hinweise (Quelle IWD): Mehr als 20 Millionen Menschen in Deutschland zahlen keine Steuern, wogegen die oberen 3,6 % allein mehr als 30% zum Steueraufkommen beitragen, G.

  • Herbert

    Mitglied
    16. Dezember 2020 um 12:56

    @GSaremba61

    Die Belastung der Einkommen ist durch Steuern und Abgaben (nicht durch Lohnpolitik) seit 1976 von damals 30% auf heute 47% gestiegen.

    Das kannst Du auf S. 12 des folgenden Dokuments nachvollziehen:

    https://www.econstor.eu/bitstream/10419/226496/1/ecoaustria-rp03.pdf

    Diese Belastung erfahren Kapitalerträge nicht, denn hier hat sich die Belastung nicht erhöht und hierauf werden auch keine Sozialversicherungsbeiträge fällig.

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