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"Sie ist für die Partei kein Bonus, sie ist ein Malus"
"Annegret Kramp-Karrenbauer, CDU-Vorsitzende und seit einigen Monaten Hoffnungsträgerin der Christdemokraten, reiht derzeit einen Fehler an den anderen. Die Tage rund um die Europawahl, die Reaktionen auf ein Youtube-Video muss man als kommunikatives Desaster bezeichnen. Könnte Kramp-Karrenbauer ein ähnliches Schicksal drohen wie vor noch nicht allzu langer Zeit dem damaligen SPD-Parteichef Martin Schulz?
Der Stern von Annegret Kramp-Karrenbauer, die erst vor einem halben Jahr zur neuen Parteivorsitzenden gekürt wurde, verglüht derzeit so schnell, dass die Parallele zu Schulz nicht fern liegt.
(Markus Feldenkirchen, politischer Autor im Hauptstadtbüro des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel")
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Am bedrückendsten ist die Hilflosigkeit, mit der Kramp-Karrenbauer in diesen Tagen unterwegs ist – als habe sie sich zum Ziel gesetzt, nur ja kein Fettnäpfchen auszulassen, das am Wegesrand lauert. Jede Handlung, fast jeder gesprochene Satz deutet derzeit auf Überforderung hin, als sei diese Aufgabe vielleicht doch eine Nummer zu groß oder ihre Berater zu schlecht. CDU-Vorsitzende und Kanzleranwärterin zu sein, ist nun mal etwas anderes als Landesmutter des sehr schönen Saarlands.Gewiss, in ihrer Lage erfolgreich zu sein, ist eine Herausforderung. Aber der große Spagat, der nötig wäre, will Kramp-Karrenbauer bislang nicht gelingen. Sie soll die neuen Wähler bei Laune halten, die Angela Merkel mit ihrem Modernisierungskurs für die CDU gewonnen hatte – vor allem Frauen und Großstadtbewohner. Gleichzeitig soll sie das konservative und wirtschaftsliberale Profil der Partei wieder schärfen, um all jene einzubinden, die sich von der Kandidatur von Friedrich Merz eine Kurskorrektur versprochen hatten.
Das ist komplex, gewiss, und die Aufgabe wird noch dadurch erschwert, dass Kramp-Karrenbauer als Parteivorsitzende faktisch nur reden und wünschen kann. Echte Handlungsmacht hat weiterhin die Kanzlerin – und Merkel macht keinerlei Anstalten, ihr Amt vorzeitig zu räumen.
In nur kurzer Zeit den Ruf ramponiertAber Kramp-Karrenbauer hat viele unnötige Fehler selbst beigesteuert, die nun die Frage aufwerfen, ob sie wirklich die richtige Vorsitzende ist. Schon bei ihrem platten Toilettenwitz im Karneval, als sie sich über das hippe Großstadtmilieu lustig machen wollte, hatte es den Anschein, als verstehe sie nicht, dass Sätze von CDU-Vorsitzenden eine andere Wirkung entfalten als Sätze von saarländischen Landespolitikern. Die neugewonnenen Merkel-Wähler reagierten entsetzt auf die etwas plump und hinterwäldlerisch wirkende Geisteshaltung der Neuen, die da zum Vorschein zu kommen schien.
Und dann kam es noch schlimmer. Spätestens seit der Veröffentlichung eines sehr CDU-kritischen Videos auf Youtube reiht Kramp-Karrenbauer eine haarsträubende Fehlentscheidung an die nächste. Der Fall dient jetzt schon als Anschauungsunterricht für die Frage: "Wie ramponiere ich meinen Ruf in nur 48 Stunden?"
"Sie ist für die Partei kein Bonus, sie ist ein Malus" so Michael Spreng in einer Talkrunde.
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