in den 60er nach Griechenland 3

In Deutschland begann die Faschingszeit, ob es in meinem neuen Domizil auch Fasching gibt?

In Doxaton, einer Nachbarstadt von Drama, wurde von je her ausgiebig Fasching gefeiert. Es tanzen die Hexen auf den Straßen - sagte man mir. Fasching war für mich immer etwas Besonderes. In meiner Heimat, dem Saarland, feierte man damals ausgiebig Straßenfasching - den ich schon als Kind nie ausließ. Meine Freundin Sina und ich bereiteten die Hexenkostüme vor - wir wollten besonders kecke Hexen sein. Schon während der Vorbereitungen hatten wir so richtig Faschingsstimmung - bis zu dem Tag, an dem es hieß "König Paul ist todkrank" - tagelang wussten wir nicht, ob wir unsere Kostüme je tragen werden. Bis Freitag vor Karneval - König Paul war gestorben - Staatstrauer war angesagt - der Fasching fiel aus. Die hübschen Kostüme - wir haben sie nie getragen - nie wieder hatte ich die Gelegenheit, in Griechenland Fasching zu feiern.

GR, es war doch nicht mein Land. Oder doch?

Jeden Morgen wartete ich schon auf den galatas - den Milchmann. Ich liebte es, wenn er rief: "gala, galatas - Milch, der Milchmann". Ebenso das Rufen des Stangeneisverkäufers: "pagos - Stangeneis". Oder den Fischhändler mit seinen "Psaaaaaria... Psarakia... Sardelles!" - Fische... Fischlein... Saardinen!"

Ich liebte es, morgens um 10 Uhr mein Tapsi - mit Fleisch, Fisch oder Gemüse bestückt zum fourno, der Bäckerei, zu transportieren, inklusive Reis, Kartoffel oder Kretharakia, um dann gegen 13 Uhr das fertige Gericht abzuholen - ersparte mir das Kochen. Ich liebte es, jeden Morgen meinen frischen Yoghourti zu besorgen, um ihn zum Frühstück mit Honig zu löffeln. Oder aber mit frischem Maroulia und Kremidakia - Romanasalat mit grünen frischen Zwiebel - zu essen. Ich liebte es, nach dem Mittagessen mit meinem kleinen Sohn in Richtung der Berge zu spazieren.

GR, es wurde langsam doch mein Land.

Ostern stand vor der Tür. Für mich wieder etwas ganz neues. Sina, meine direkte Nachbarin und Freundin, sie war meine Lehrerin in Sache griechischer Traditionen - leider habe ich sie später total aus den Augen verloren. Nach der Faschingszeit begannen wir mit dem Fasten - es wurde meist nur Brot, Tiri = Feta und Elies gegessen. Für mich nicht ganz einfach, zumal mir schon so einiges an Essen fehlte, die vielen Wurst und Käsesorten, die es in der Heimat gab.

Sie erklärte mir den "kokino pemti - den roten Donnerstag", an dem man etwas Rotes vor dem Haus aufhängte - entweder ein rotes Tuch oder ein anders rotes Kleidungsstück, Pullover, Bluse. Und die Ostereier rot färbte. Bei ihr lernte ich die schönen Ostereiermuster - Blütenblätter, Rosenblätter und Gräser mit Nylonstrumpf über das Ei gezogen und in Eier in rote Farbe getaucht. Tage vorher knetete sie mit mir den Tsirekia-Teig. Ein Hefeteig, der abends zubereitet, ab 5 Uhr morgens wieder geknetet, dann einige Male aufgehen musste, bevor er im Holzofen gebacken wurde.

"Tin megalli paraskevi - dem großen Freitag - Karfreitag" wurden Fische gegessen. Samstagnacht dann das große Ereignis, die Osternacht. Zusammen mit meinem Sohn - ich ließ ihn nie alleine - ging es Mitternacht zur Platia - dort hatte man schon Tage vorher einen Altar aufgebaut. Der veskovo - der Bischof von Drama, hielt die Osternachtmesse. Massen von Menschen auf der Platia.

Noch wusste ich nicht, was mir nach Ende der Messe bevorstand, das große Feuerwerk. Bevor es losging, drückte mir Sina eine Kerze in die Hand, der veskovo wird das heilige Licht an die Gäubigen weitergeben. Die Kerze sollte unbedingt brennend zu Hause ankommen, denn das heilige Licht würde das ganze Jahr Glück bringen. Und dann das Feuerwerk. Mir war wie an Silvester zumute. Es war einfach schön, wunderschön. Ob ich die Kerze brennend nach Hause brachte... ich weiß es nicht mehr, ich glaube nicht.

Ostermontag gingen wir, Sina die Nachbarn und ich gemeinsam zur Kaserne - dort wurden für die Dramini Hammel gegrillt - jeder durfte kostenlos essen, soviel er wollte.

Mein erstes Osterfest in GR - GR war doch meine Land.

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