Positivismus

In zahlreichen Ratgebern wird Hilfesuchenden der Tip gegeben, man soll die Dinge positiv sehen. Das heißt, alles, was wir in der Welt wahr nehmen, soll positiv bewertet werden. Dieses neuzeitliche Credo bezeichnen viele Menschen als ihre Lebensphilosophie.

Mit dem philosophischen Positivismus hat dies freilich nichts zu tun. In der Geschichte der Philosophie gibt es endlose Debatten darüber, wie man zu gesicherter Erkenntnis kommen kann, und ob das überhaupt möglich ist. Die zahlreichen Theorien erschweren die Frage nach Erkenntnis, zudem wird diese Fragestellung auch durch metaphysische Spekulationen vernebelt.

Der Philosoph, Mathematiker und Religionskritiker Auguste Comte begründete einen neuen Standpunkt, den er Positivismus nannte. Der Positivismus vertritt die Auffassung, sich nur mit Erkenntnissen auseinander zu setzen, die positiv wahrgenommen werden können. Das sind zB. Erkenntnisse, die experimentell zu messbaren, das heißt positiven Ergebnissen führen.

So plausibel dieser Ansatz auf den ersten Blick auch ist, so kurz war auch seine Erfolgsgeschichte. Schon bald gab es Philosophen, die die Grenzen und die unaufhebbaren Widersprüche dieses Ansatzes herausarbeiteten. Vor allem der Ansatz, dass sich wissenschaftliche Thesen experimentell bewahrheiten lassen, wurde zurückgewiesen. Denn erfassen lässt sich immer nur ein Ausschnitt der Wirklichkeit, deshalb lassen sich wissenschaftliche Aussagen streng genommen gar nicht bewahrheiten.

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Kommentare

  1. In diesem Video wird der Begriff von Comte verständlich erklärt :
    https://youtu.be/F_TN50oqIes
    Allgemein wird er so zusammengefasst:
    "Philosophie, die ihre Forschung auf das Positive, Tatsächliche, Wirkliche und Zweifellose beschränkt, sich allein auf Erfahrung beruft und jegliche Metaphysik als theoretisch unmöglich und praktisch nutzlos ablehnt".
    (Wissen.de)
    -----
    Durch die Enge der Festlegungen werden viele Fragen ausgeschlossen, die das menschliche Dasein unmittelbar betreffen (z. B. die Frage nach dem Sinn des Lebens oder die Frage nach den unbegrenzten Möglichkeiten des wissenschaftlichen Fortschritts). Es ist innerhalb des Positivismus nicht möglich, über die selbst gesetzten Grenzen hinauszufragen oder gar diese kritisch zu hinterfragen.

    1. @seestern47 diese Einengungen der Gedankenwelt finden sich bei einer Reihe von Weltanschauungen, bei Religionen und ihren Konfessionen, in der Philosophie, im Parteileben, im Zusammenleben von Volksgruppen und Nationen usw. - gegenwärtig vielleicht mit zunehmender Tendenz!

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