Agnostizismus

Sowohl der Atheismus wie auch der Agnostizismus sind philosophische Fragestellungen besonderer Art. Bei beiden handelt es sich um eine Art von Glauben, aber um einen negativen.

Atheist zu sein, heißt ohne Gott zu sein, entweder weil man sich damit zufrieden gibt, an keinen zu glauben, oder weil man das Nichtvorhandensein behauptet. In einer monotheistischen Welt kann man zwei unterschiedliche Atheismen unterscheiden: nicht an Gott zu glauben (negativer Atheismus) oder zu glauben, dass Gott nicht existiert (positiver oder sogar militanter Atheismus). Abwesenheit Gottes oder Negation Gottes. Jeder Nichtgläubige kann zwischen beiden Polen Fuß fassen, schwanken, wechseln.

Und der Agnostiker? Er weigert sich zu wählen. Dies ist verwandt mit dem negativen Atheismus, aber offener für die Möglichkeit Gottes. Es handelt sich um eine Art metaphysischen oder religiösen Skeptizismus. Der Agnostiker ergreift nicht Partei, er entscheidet sich nicht, er ist weder gläubig noch ungläubig.

Für diese Positionierung gibt es ausgezeichnete Gründe. Wozu soll man sich auslassen über die Existenz Gottes, da man doch nicht weiß, ob es ihn gibt. Warum behaupten oder bestreiten, was wir doch nicht wissen. Die Haltung eines Agnostikers ist vielleicht geprägt von Zurückhaltung und Klugheit.

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Kommentare

  1. Danke, @FlorianS Ich wollte eigentlich den Anfang machen, war aber zu sehr mit den neuen Möbeln beschäftigt. Jetzt finde ich endlich Ruhe, um mich auch zu konzentrieren.
    Für mich bedeutet Agnostizismus die Erkenntnis, daß ich nicht wissen kann, ob es Gott/Götter gibt oder nicht. Diese Frage ist nicht nur ungeklärt, sie kann nicht geklärt werden. Ein allmächtiger und allwissender Schöpfer des Universums ist so weit jenseits allen menschlichen Vorstellungsvermögens, daß es absurd ist, mit menschlicher Logik die Existenz oder auch Nichtexistenz beweisen zu wollen. Wären Gläubige und Atheisten wirklich konsequent, dann müßten sie zugeben, daß ihre Überzeugung auf Glauben und keineswegs Wissen beruht. Das sind Agnostischer Theismus bzw Atheismus wie bei Wikipedia beschrieben. Ich zähle mich zum pragmatischen Agnostizismus: Ich kann nicht wissen, ob es Gott/Götter gibt, aber selbst wenn es sie gäbe, dann ist ihre Existenz ohne Bedeutung für die Welt, weil es keine Manifestation, kein sichtbares Wirken gibt. Die einzige Wirkung ist eine psychologische und für manche Menschen offenbar wichtig. Das ist aber nur individuelle Wirkung und somit keine tatsächliche Manifestation.
    Ich habe bereits geschildert, daß für mich die Antwort in einer Frage besteht: Würde sich dein Leben ändern, wenn die Existenz Gottes bewiesen werden könnte? Wenn die Antwort „Ja“ ist, dann brauchst du einen Gott. Wenn die Antwort „Nein“ lautet, dann brauchst du keinen Gott.
    Eine wichtige Anregung kommt aus einer anderen Religion: der Buddha wurde von einem Anhänger gefragt, woher die Welt käme. Seine Antwort lautete sinngemäß, daß es Zeitverschwendung sei, sich mit einer Frage zu beschäftigen, von der man vorher schon wisse, daß man keine Antwort finden wird. Diese Antwort läßt auf die Frage nach der Nicht-/Existenz Gottes übertragen.

    So viel erstmal.

    1. "Eine wichtige Anregung kommt aus einer anderen Religion: der Buddha wurde von einem Anhänger gefragt, woher die Welt käme. Seine Antwort lautete sinngemäß, daß es Zeitverschwendung sei, sich mit einer Frage zu beschäftigen, von der man vorher schon wisse, daß man keine Antwort finden wird. Diese Antwort läßt auf die Frage nach der Nicht-/Existenz Gottes übertragen" Palmstroem

      "Eine Frage, auf die man keine Antwort geben kann, soll man nicht stellen". Wittgenstein

      Erkenntnisse zweier großer Denker, deren Lebenszeit durch Jahrtausende getrennt ist.
      Ich bin aber der Meinung, dass diese "absolute Aussage" so nicht richtig ist.
      Hätte man Buddha gefragt, wie groß die Entfernung zwischen Erde und Mond ist, wäre
      seine Aussage berechtigt gewesen. Wittgenstein dagegen hätte diese Frage mühelos
      beantwortet. Was beide leider nicht bedacht haben ist, dass sich der Wissens-und
      Erkenntnisstand der Menschheit lfd. vergrößert und verändert. Dass wir heute auf die
      Frage "Wer oder Was ist Gott" ? nicht die richtige Antwort finden bedeutet aber nicht,
      dass dies in zwei-oder dreitausend Jahren auch nicht möglich ist.
      Ich bin der Meinung, dass erst die Fragen, auf die die Mensch zum Zeitpunkt der Fragestellung keine Antwort findet der Antrieb sind zu Forschen, zu Suchen und zu Experimentieren.

      Die Philosophen frage nach dem Wesen mit "Was ist" ? Die Naturwissenschaftler nach der Funktion mit" Wieso, weshalb, warum?

      1. @Webra, vermutlich ist Wittgenstein nicht korrekt zitiert, es ist auch logisch nicht fehlerfrei. Wie kann man vorher wissen, dass eine Antwort nicht möglich ist?

        Wenn auf Wittgensteins Traktat angespielt wird, dann wird der Sinn missverstanden - außerdem hat sich W. später vom Traktat weitgehend distanziert.

        Gruß/Florian.

        1. Den logischen Fehler in der Interpretation von @Webra hat @FlorianS schon angesprochen. Es gibt aber etwas auf Florian zu entgegnen. Es gibt durchaus Fragen, die nicht oder zumindest heute nicht beantwortbar sind. Da sind einmal die bekannten, wie die Frage nach der Existenz von Göttern. Um ein weiteres Beispiel zu nennen bieten Astronomie und Kosmologie ebenfalls solche Fragen: Was war vor dem Urknall? Gibt es außer unserem noch andere Universen? Wie sieht es hinter dem Ereignishorizont eines Schwarzen Lochs aus?
          In den Aussagen von Buddha und vielleicht auch Wittgenstein geht es nicht darum, ob Fragestellungen für immer und ewig unbeantwortbar sind, sondern um den jetzigen Moment. Für den lassen sich sehr wohl Fragestellungen vorstellen, die nicht beantwortet werden können, aus welchem Grund auch immer. Sich damit zu beschäftigen bringt keinen Fortschritt, weil die möglichen Antworten nicht überprüft werden können. Sie werden also über den Status einer Hypothese nicht hinauskommen.

  2. Aus meiner Sicht wird in dieser Art von Diskussionen meist von einem persönlichen Gott ausgegangen, der in einer Parallelwelt zu Hause ist. Was ändert sich bei der Annahme, dass Gott immanent ist, oder dass er mit der Natur identisch ist?

    Freunde von mir, die lange Zeit einen agnostischen Standpunkt eingenommen hatten, sind schlussendlich zum entschiedenen Atheismus gewechselt, weil sie ihre Unentschlossenheit nicht für sinnvoll erachtet haben.

    Die Frage hat viele Facetten.

    Gruß/Florian.

    1. Ein Gott, der mit der Natur identisch ist, aber sonst keine Manifestation zeigt, ist schlichtweg überflüssig. Diese Annahme würde Ockham‘s Razor zuwiderlaufen.
      Ich verstehe immer noch nicht, warum Agnostizismus mit Unentschlossenheit gleichgesetzt wird. Ich bin nicht unentschlossen, sondern ziehe die Konsequenzen daraus, daß weder die Existenz noch die Nichtexistenz Gottes bewiesen werden kann. Warum sollte ich mich mit dem Atheismus, also dem Glauben an die Nichtexistenz Gottes identifizieren? Ich will eben nicht glauben, sondern lege die Frage als nicht beantwortbar in die Schublade. Das Wichtigste dabei ist, daß die Frage ohne Belang für mein Leben ist.
      Ich finde den Artikel zum Agnostizismus bei Wikipedia recht hilfreich. Ganz abgesehen von der Antwort, die der Buddha gegeben hat.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Agnostizismus

      1. Wenn ich mir Eure Gedankengänge so anhöre, dann ist das Ganze eine Pattsituation. Ich würde mich auch eher dem Agnostizismus zurechnen und teile die Ansicht von Palmstroem, dass man A. nicht mit Unentschlossenheit gleichsetzen kann. Und eben:
        Es kann ein höheres Wesen geben, aber gewiss nicht den Gott, der in der Bibel geschildert wird.

  3. Das Ganze ist kein Patt finde ich.

    Ich sympathisiere mit Palmstroem aus mehreren Gründen. Zunächst, der Skeptizismus ist eine durchaus ernstzunehmende Weltsicht, in der Antike gehörte diese philosophische Sichtweise zu den maßgebenden Glückslehren. Was für mich aber entscheidender ist, der positive Atheismus zählt, für mich, zu einer metaphysischen Behauptung. Selbstverständlich kann man dies vertreten, aber es ergibt sich daraus kein Anspruch auf eine absolute Korrektheit bzw. Wahrheit.

    Die Rede von Gott, die uns in der Bibel begegnet, ist in unserer Zeit kaum noch nachzuvollziehen, da gebe ich Noscetempus recht.

    Gruß/Florian.

  4. Zurück zum Thema möchte ich ein Zitat von Bertrand Russell anfügen. Dieser Text entspricht meiner Einstellung, nur hätte ich das nicht so gut formulieren können.
    „Ich sollte mich als Agnostiker bezeichnen. Aber für alle praktischen Zwecke bin ich Atheist. Ich glaube nicht, dass die Existenz des christlichen Gottes wahrscheinlicher ist als die Existenz der Götter des Olymp oder von Walhall. Um ein anderes Bild zu bemühen: Niemand kann beweisen, dass es zwischen der Erde und dem Mars keine Porzellan-Teekanne gibt, die sich auf einer elliptischen Umlaufbahn bewegt, aber niemand hält dies für wahrscheinlich genug, als dass es realistischerweise erwogen werden müsste. Ich halte den christlichen Gott für ebenso unwahrscheinlich.“
    aus dem Artikel „Russells Teekanne“ bei Wikipedia

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