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Magazin  > Kurzgeschichten  > Oma Böllke, der Berliner Hausd...

Oma Böllke, der Berliner Hausdrachen (MichaelKuss)

Eine Seniorengeschichte aus der Berliner Nachwendezeit.

Nein, Oma Böllke aus meiner Nachbarschaft hat es nicht nötig, sich hinter den Fenstergardinen zu verstecken und die Straße heimlich zu beobachten. Oma Böllke lehnt sich weit und breit aus dem Fenster, jeder kann sie sehen, alle können es wissen: Hier wacht Oma Böllke wie eh und je über die kleinen Vorkommnisse, die sich in unserer Seitenstraße zutragen.

Wer nicht geschickt und aus Erfahrung klug geworden aufpasst, sondern seine Augen freundlich oder naiv nach oben zu Oma Böllkes Fenster gleiten, sich von ihrem Blick einfangen und in ein Gespräch verwickeln lässt, erfährt, gewollt oder ungewollt, Wichtiges und Unwichtiges und auch sonst noch alles aus dem Nachbarschaftsleben, und ist schnell in Geschichten verwickelt, in die man eigentlich nicht verwickelt werden möchte.

Nur selten kommt jemand gegen Oma Böllkes listige Augen und ihren scharfen, durchdringenden Blick an. Wer es trotzdem einmal schafft, auf dem Weg zur Bushaltestelle unbehelligt an ihrem Fenster vorbei zu schleichen, dem ruft sie, kaum dass man erleichtert wieder den Kopf heben will, mit anklagender Stimme nach: "Haben Sie das heute Nacht auch gehört, diesen Krach!?" Oder sie packt uns an der Ehre und ruft: "Na, das scheint Sie ja vollkommen kalt zu lassen, was sich da gestern bei der da unten in der Wohnung abgespielt hat!"

Nach einer Weile antwortete ich mit irgendeiner Floskel, mit "Ja, ja, so ist das Leben!" oder "Na, was soll man dazu sagen?" Aber damit kann man Oma Böllke nicht kommen! So leicht lässt sich die alte Dame nicht abspeisen, die schon zu DDR-Zeiten das Hausbuch geführt hatte und zweiunddreißig Jahre mit dem ABV, dem Abschnittsbevollmächtigten Gustav Böllke selig, verheiratet war, was für unkundige und neu zugezogene Wessis heutzutage so etwas wie ein Nachbarschaftspolizist ist.

Außerdem hat mich Oma Böllke wieder einmal überlistet. Denn wenn sie mich von weitem die Straße herunterkommen sieht, schnappt sie ihre beiden Krückstöcke und ist mit einer Schnelligkeit auf der Straße, als trainiere sie für die Behindertenolympiade. Dann sammelt sie, immer mit vorwurfsvollem Blick und verbissenen Lippen, hier ein Stückchen Papier und dort eine weggeworfene Bierflasche auf, in dem sie sich stöhnend bückt und mit der anderen Hand an der Hauswand anlehnt, bis sie nahe genug an mich herangekommen ist und mir den Weg abschneiden kann.

Auch an jenem Morgen füge ich mich in mein Schicksal. Diese fünf Minuten muss ich einkalkulieren; ich werde sie überstehen und höflich aber bestimmt versuchen sie abzukürzen. Denn Oma Böllke schafft es sogar, anderen Leuten eine halbe Stunde und mehr abzu-knöpfen, egal ob sie solche Gespräche lieben und absichtlich suchen, oder ungefragt in die heikle Situation geraten.

Mit der Krücke deutet Oma Böllke auf die frisch ausgebaggerte Baugrube an der Ecke. "Ganz schön gewühlt, hier!" sagt sie und ich überlege, ob sie es anklagend oder wohlwollend gemeint haben könnte, weil sich daran der Inhalt des unvermeidlichen Gesprächs orientieren wird.

Ausweichend antworte ich: "Ja, die Arbeiter und der Bagger waren ganz schön fleißig!" Jetzt würde wohl die ganze Welle der Anklagen kommen: der zukünftige Baulärm, die Materialanlieferungen, die armen gefällten Bäume, bald haben wir statt Grünzeug eine Häuserschlucht vor uns, und überhaupt, früher war das alles anders geregelt, da waren die vietnamesischen Zigarettenschwarzhändler noch anständige DDR-Gastarbeiter und überhaupt, früher war alles besser .

Aber Oma Böllke schaute wohlwollend, beinahe fasziniert auf die Baugrube und deutete auf den gelblichen Sand, der sich bereits weni-ge Zentimeter unter dem einigermaßen fruchtbaren Mutterboden metertief abzeichnete.

"So 'n schöner Sand!" sagte sie. "Wie an der Ostsee!" Ihr hartes, vergiftetes Gesicht verklärte sich; ihre Augen schienen in eine Traumwelt gewandert und sie wiederholte "Wie an der Ostsee!" Ich wollte nicht den Fehler machen und auf das Thema Ostsee und Urlaub eingehen. Nach Oma Böllkes Augen zu urteilen, wäre es dann ein abendfüllender Vortrag geworden. Deshalb, und um ihr den Wind aus den Segeln zu nehmen und die Unterhaltung möglichst abzukürzen, sagte ich: "Na ja, Berlin war ja mal Ostsee!"

"Wie bitte?" Sie schaut mich mit schiefem Kopf an. "Berlin war einmal Ostsee?" Ihre Augen hatten die durchdringende Schärfe verloren und zweifelnder Ungläubigkeit Platz gemacht. Dann fuchtelte sie mit einer Krücke durch die Luft und schüttelte den Kopf. "Nein, nein! Sie verwechseln das, junger Mann! Berlin hat einen Müggelsee und die Spree, wegen mir auch noch die Dahme und die Havel und ganz viele Kanäle, aber mit der Ostsee hat das nichts zu tun!" Entschieden stapfte sie beide Krückstöcke auf das Kopfsteinpflaster.

"Ich meine doch auch nur, dass Berlin und halb Brandenburg und ganz Mecklenburg mal unter Wasser standen, bis sich dann das Wasser zurückgezogen hat und die Ostsee übrig blieb." versuchte ich zu erklären. Aber Oma Böllke blieb skeptisch. Ihre Gehirnzellen arbeiteten sichtbar, die Gesichtsfalten wurden größer. Dann hatte sie eine brauchbare Erklärung gefunden: "Sie meinen also eine Überschwemmung?! Ein Unwetter?!" sagte sie, mich noch immer ungläubig anschauend.

"Ja! Eine Art Überschwemmung! Wenn Sie wollen auch ein Unwetter! Daher der Sand! Ganz Berlin ist auf Sand gebaut!" sagte ich erleichtert. Sie ließ mich einfach stehen und ging ein paar Schritte. Dann drehte sie sich um, stieß mit dem Stock in die Erde und rief: "Das muss aber vor meiner Zeit gewesen sein!" Als ich nicht antworte, fügte sie mit einer Bestimmtheit, die keinen Widerspruch duldete, hinzu: "Sonst würde ich es doch wissen! Mein ganzes Leben habe ich in Berlin verbracht. Aber eine solche Überschwemmung habe ich noch nicht erlebt!" Dann zog sie triumphierend davon und würdigte mich mit keinem weiteren Blick.

Es dauerte aber doch noch zwei Tage, bis Oma Böllke die meisten Nachbarn über mich informiert hatte, und dass ich ein Dummschwätzer bin, der alten Menschen blöde Geschichten über angebliche Unwetter und Überschwemmungen erzählt, von denen sie, Hildegunde Böllke, nichts weiß und noch nie davon gehört hatte. Denn Oma Böllke war doch sonst über alles informiert.

Ein Text von: MichaelKuss

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