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Magazin  > Lebenserinnerungen  > Erinnerungen an meine Kindheit...

Erinnerungen an meine Kindheit und meine Schulzeit

An meine frühe Kindheit in Danzig kann ich mich nur noch sehr bruchstückhaft erinnern. Es ist ja auch kein Wunder, denn ich war gerade einmal 5 Jahre alt, als Mutter, ihre Schwester Tante Lotte und wir drei Kinder, Fritz (9), Erika (7) und ich, Jürgen (5), im Januar 1945 an einem kalten Wintertag meinen Geburtsort Danzig verließen, um vor den anrückenden Russen über die Ostsee nach Westen zu fliehen.

Ich wurde am 15. Oktober 1939, einem Sonntag, um ½ 3 Uhr in der Frühe geboren. Der zweite Weltkrieg war gerade einmal sechs Wochen alt. Die deutschen Truppen waren auf einem siegreichen Vormarsch. Vater war als Funker oder Strippenzieher in einer Fernmeldekompanie dabei und war bis lange nach dem Krieg nur gelegentlicher Besucher in unserer Familie. Auf diese Weise spielte er in meiner Kindheit keine sehr große Rolle. Vielmehr wurde ich geprägt durch Personen in meinem unmittelbaren Umfeld. Das waren fast ausschließlich Frauen. An ihrer Spitze natürlich meine Mutter. Mutti wurde sie von uns Kindern genannt. Dann gab es da noch Tante Lotte, Muttis jüngere Schwester. Die Mutter von beiden war Oma, eine grauhaarige milde alte Dame, die wir recht oft besuchten. Bei Oma wohnte noch eine alte Dame, Omas Cousine. Wir nannten sie nur Tante Mieze. Die andere Oma wohnte zu weit entfernt, als dass wir sie häufiger besuchten. Sie war mir eher fremd. Opas gab es nicht mehr. Sie waren beide schon lange vor meiner Geburt von uns gegangen.
Meine Mutter erzählte mir schon in meiner frühen Kindheit, dass Sonntagskinder Glückskinder seien. Heute weiß ich, dass sie damit Recht hatte, denn rückblickend muss ich gestehen, dass mich das Schicksal mehr mit glücklichen Wendungen als mit Unglück bedacht hat. Irgendwann einmal begann für mich die Zeit, da ich in den Kindergarten kam. Der Kindergarten war schrecklich weit weg und ich musste regelmäßig dort hingebracht und auch wieder abgeholt werden.

Einige Erlebnisse aus dieser Zeit haben sich in meiner Erinnerung festgesetzt. Zwei von ihnen fallen in die Weihnachtszeit. Es war entweder 1943 oder 1944. Natürlich kam der Weihnachtsmann zu uns in den Kindergarten. Ich hatte große Angst vor ihm, wusste ich doch, dass er Kinder in seinen Sack steckte, mitnahm und später zu Pfefferkuchen verarbeitete. Dass er mich nicht in seinen Sack steckte, hatte ich wohl nur dem glücklichen Umstand zu verdanken, dass Mutti und Tante Lotte in meiner unmittelbaren Nähe waren. Jedenfalls habe ich an dieser Weihnachtsfeier viel und laut geweint und sie ist mir gar nicht in guter Erinnerung. Mein Verhalten und meine Angst waren offensichtlich auch nach unserem Nachhausekommen Gesprächsthema zwischen Mutti und Tante Lotte. Das andere Erlebnis schloss sich unmittelbar an. Es war einige Tage später, vielleicht auch der auf die Weihnachtsfeier folgende Tag. Eine der Tanten aus dem Kindergarten hatte sich noch einmal in die Kluft des Weihnachtsmannes geworfen und sich am Fenster gezeigt. Nun ja, es dauerte nicht lange und der "Weihnachtsmann" hatte auch nicht das Zimmer betreten, in dem wir Kinder uns aufhielten. So gelang es mir, meine Angst zu beherrschen und nicht erneut in weinendes Geschrei auszubrechen. Das erfüllte mich mit einem unbeschreiblichen Stolz und ich konnte es nicht erwarten, nach Hause zu kommen und über meine Tapferkeit zu berichten. Doch niemand glaubte mir. Im Gegenteil, ich wurde ob meiner "dreisten Lüge" offen ausgelacht. Ich war grenzenlos enttäuscht, schloss mich im Badezimmer ein und wollte von der schnöden Welt nichts mehr wissen. Festgesetzt aber hat sich bis heute die unbeantwortete Frage, weshalb mir niemand geglaubt hatte. Ich war von allen Menschen maßlos enttäuscht.

An ein anderes Erlebnis kann ich mich sehr gut erinnern. Es ging um die Klärung der Frage auf welcher Seite links und auf welcher rechts war. Das war für mich ungeheuer wichtig, denn ich hatte beschlossen, bei meinem Eintreffen im Kindergarten mit einem schneidigen "Heil Hitler" und dem Hitlergruß die anwesenden Tanten zu begrüßen. Im Nachhinein stellt sich mir die Frage, woher ich wusste, wie der Hitlergruß aussah. Fernsehen gab es noch nicht. In die Zeitung habe ich nicht geschaut. In der Familie war der Hitlergruß nicht üblich. Woher also kannte ich ihn? Ich weiß es bis heute nicht. Ich weiß auch bis heute nicht, ob ich meine Absicht wahr gemacht habe und mit dem Hitlergruß die Tanten im Kindergarten begrüßte. Vielmehr beschäftigte mich das Problem, wie ich mir merken konnte, auf welcher Seite nun rechts und auf welcher links war. Meine Mutter hatte mir mit einem Lächeln erklärt, welche meiner Hände die rechte war. Allerdings - und das weiß ich bis heute - hatte ich ihr nicht verraten, weshalb ich sie danach gefragt hatte. Und es gab noch ein weiteres Problem: Ich fand keinen Weg, wie ich mir "rechts" und "links" merken konnte.

Die Nazi-Propaganda ging auch an mir kleinem Knirps nicht spurlos vorbei. Ich kann mich nicht erinnern, woher ich meine Weisheiten hatte. Ich glaube, dass unsere Mutter uns weitgehend unpolitisch erzog. Trotzdem setzte sich bei mir fest, dass die Polen, unsere unmittelbaren Nachbarn, böse Menschen seien, denen es nur darum ging, aus Danzig eine polnische Stadt zu machen. Ein Kaschube (heute weiß ich, dass die Kaschuben einem slawischen Volksstamm in Polen angehören) war das Sinnbild eines Menschen, der unerzogen war und sich nicht benehmen konnte. "Sitz nicht da wie ein Kaschube!" Mit diesen Worten korrigierte unsere Mutter uns, wenn wir bei Tisch nicht gerade saßen.

Ein Spruch war unter Kindern gang und gäbe und diente nach meiner Erinnerung auch als Abzählvers: "So lange Katz hat Schwanz sich, reißt Polen sich um Danzig. So lang hat Esel Ohren, ist Danzig nicht verloren."

(Allen, die jetzt aufmerksam die Ohren spitzen und radikale politische Gesinnung argwöhnen, sei versichert, dass derart gelagerter Verdacht unbegründet ist.)
Sehr aufregend war es, wenn wir nachts bei Bombenalarm in den Keller mussten. Da saßen alle Leute aus dem Haus und warteten darauf, dass sie wieder nach oben in ihre Wohnungen durften. Ein wenig traurig war ich darüber, dass ich nicht, wie alle anderen, mit einer Gasmaske ausgerüstet war. Ich wäre noch zu klein dazu, lautete die Erklärung an mich. Stattdessen wurde für mich ein zu einem Rechteck gefaltetes Tuch mit Bindebändern an den vier Ecken angefertigt. Das Tuch würde bei Gasalarm nass gemacht und mir vor Nase und Mund gebunden werden. Das musste natürlich geübt werden und ich zeigte bei Fliegeralarm im Keller stolz allen anwesenden Nachbarn, dass ich auch so etwas wie eine Gasmaske hatte.

Das Schicksal meinte es gut mit uns. Vielleicht lag es daran, dass ich ein Sonntagskind bin. Unser Haus wurde bis zu unserer Flucht niemals von einer Bombe getroffen. Selbst in der Nähe schlugen niemals Bomben ein. So blieb mir die Erfahrung erspart, wie eine von Bombenexplosionen verwüstete Wohnung aussah.

Ein anderes, eigentlich vollkommen unbedeutendes Erlebnis hat sich bei mir eingeprägt. Wie das bei Kindern so üblich ist, war ich gelegentlich erkältet und meine Nase lief wie ein Wasserfall. Mutti nahm mich mit zum Einkaufen in einem kleinen Laden an der Ecke. Während wir darauf warteten, an die Reihe zu kommen, lief meine Nase munter vor sich hin und ich leckte den Ausfluss immer wieder ab. Das ersparte mir das lästige Naseputzen. Der Verkäuferin, eine garstige Vettel, die niemals ein freundliches Wort für mich übrig hatte, beobachtete mich und fragte mit leicht angewiderter Stimme, ob es mir schmecke. Wahrheitsgemäß antwortete ich mit "Ja" und erntete entsetztes Schweigen aller Umstehenden. Für mich vollkommen unverständlich, denn so übel schmeckte das Zeug ja nun wirklich nicht. Sommerzeit, Badezeit. Für uns bedeutete das eine Fahrt mit der Straßenbahn nach Brösen, einem kleinen Badeort in der Danziger Bucht in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem etwas vornehmeren Zoppot. Mutti mietete regelmäßig einen Strandkorb. An sonnigen Tagen musste ich ein Kopftuch zum Schutz gegen die Sonne tragen. Das war mir gar nicht recht, aber was vermochte ich schon gegen meine Mutter und Tante Lotte, die oft dabei war, auszurichten. Trotzdem endete mancher Badeausflug mit einem Sonnenbrand.

Herrschte anlandiger Wind, dann waren die Wellen für mich kleinen Knirps recht hoch, das Wasser allerdings deutlich wärmer als bei ablandigem Wind, wenn die Wellen nur ganz niedrig waren. Irgendwann einmal hatte mich eine solche Welle umgerissen. Seitdem hatte ich Angst vor den hohen Wellen.

Mein Bruder besaß hellseherische Fähigkeiten. Während Mutti die Strandtasche packte, konnte er bereits zu Hause nach einem Blick aus dem Fenster vorhersagen, ob uns am Strand hohe oder niedrige Wellen erwarteten. Sagte er hohe Wellen voraus, war meine Freude deutlich gedämpft. Anlandiger Wind mit hohen Wellen hatte eine weitere Konsequenz. Die Badegäste wanderten am Strand entlang und suchten Bernstein, der bei stürmischer See immer wieder angespült wurde. Es bestand zwar die Anordnung, gefundenen Bernstein abzuliefern, jedoch traf das auf mich nicht zu, denn ich gehörte niemals zu den glücklichen Findern eines solchen Schatzes. Einmal aber wurde ich doch fündig. Es war allerdings kein Bernstein, sondern ein hochinteressantes Spielzeug. Als ich den Fund meiner Mutter zeigte, bestand sie darauf, den Belichtungsmesser im Fundbüro abzugeben.
Schade.

Das Verhältnis zwischen uns Geschwistern war wohl so, wie es in vielen anderen Familien auch war. Wir zankten uns und vertrugen uns wieder. Mein Bruder war 5 Jahre älter als ich und besaß die Fähigkeit, vorausschauend zu denken. Das führte dazu, dass er eines Tages mir meinen Teddy namens Petz abschwatzte. In der folgenden Nacht erwachte ich, vermisste meinen Bär und versuchte das Problem auf meine Weise zu lösen, indem ich lauthals weinte. Als ich Mutti meine Sorgen schilderte, trafen wir in der Nacht die Vereinbarung, dass ich Fritz am folgenden Morgen mein Honigbrötchen überlassen musste. Dafür erhielt ich meinen Petz zurück und für den Rest der Nacht herrschte Ruhe.

Schon sehr früh hatte ich erkannt, dass Zucker süß ist. Und sehr bald hatte ich auch erkannt, dass Muttis Baldrianpillen mit einer wohlschmeckenden Zuckerschicht überzogen waren. Die konnte man ablutschen und die Pille, sobald sie nicht mehr gut schmeckte, wieder ausspucken. Mutti hatte zwar verboten, an ihre Medikamente zu gehen, aber die Macht der gut schmeckenden Zuckerglasur war stärker als ihr Verbot.

Um nicht alleine der Übeltäter zu sein, zog ich meine Schwester ins Vertrauen. Muttis überzogene Reaktion war mir nicht begreiflich, nachdem Erika ihr sofort alles gepetzt hatte. Schließlich hatte ich doch nur die süße Schicht auf den Pillen abgelutscht. Vollkommen unverständlich für mich, weshalb sie sich so ereiferte. Aber ich nahm mir trotzdem vor, so etwas nicht wieder zu tun.

Unter den wenigen Fotos, die aus jener Zeit noch existieren, ist eines, das mich mit einer Katze auf dem Schoß zeigt. Ich kann mich noch daran erinnern. Es war bei einem Spaziergang durch den Kurpark in Zoppot. Irgendwoher kam diese grau getigerte Katze, die wohl auch sehr zutraulich war. Tante Lotte hatte die Idee, dass ich dieses Untier auf den Schoß nehmen sollte und sie würde dann ein Foto von uns schießen. Wie üblich, wenn mir etwas nicht passte, versuchte ich mich mit lautem Geschrei gegen diesen Unsinn zu wehren. Es half aber nichts, ich musste das Tier auf den Schoß nehmen, bis Tante Lotte das Foto geschossen hatte. Ich weiß nicht, wie oft mein Vater Fronturlaub erhielt und nach Hause kam. Ich kann mich nur an einen Besuch von ihm erinnern. Und meine Erinnerung beschränkt sich auf zwei Merkmale. Das eine war seine Tätigkeit während des Urlaubs. Er war nämlich lange damit beschäftigt, sein Lederkoppel mit einem Schnapsglas blank zu wienern und dabei wie ein Rohrspatz zu schimpfen, weil das Koppel nicht so wollte wie er.

Das andere hatte etwas mit Essen zu tun. Es gab für uns Kinder oft Griesbrei zu essen. Der schmeckte gut und war nahrhaft. Allerdings hätte er süßer sein können, wenn Mutti ihn zubereitete.

Während dieses Urlaubs von unserem Vater übernahm er einmal die Zubereitung dieses Griesbreis. Und als er den Zucker dazu gab, erntete er meine grenzenlose Bewunderung. Er nahm so viel Zucker, dass sich im Brei davon Schlieren bildeten. Eine Erscheinung, die den Brei so süß machte, wie ich ihn niemals vorher gegessen hatte.

Mutti ließ mich die Sorge um unseren im Felde kämpfenden Vater niemals deutlich spüren. Allerdings fragte sie mich fast jeden Morgen, ob denn wohl an diesem Tage Post von Papa kommen würde. Ich antwortete entweder mit "ja" oder "nein". So, wie es mir gerade einfiel. Noch Jahre nach dem Kriege erzählte mir meine Mutter, dass meine Vorhersagen immer richtig waren. Ob dies nun wiederum stimmte, vermag ich nicht zu sagen. Aber es war immer wieder eine gute Geschichte, wenn sie sie erzählte.

Der Januar 1945 war bitterkalt. Am 27. Januar verließ unsere Familie, Mutti, Tante Lotte und wir drei Kinder, unsere Wohnung in Danzig. Bepackt mit Rucksack, Koffer und Taschen ging es per Eisenbahn nach Gotenhafen, dem heutigen Gdingen, wo ein Geleitzug wartete, um Flüchtlinge über die Ostsee nach Schleswig-Holstein zu bringen. Eines dieser Schiffe hieß "Wilhelm Gustloff". Wir allerdings kamen am 29. Januar auf die Antonio Delfino, die einen Tag vor der Gustloff aus Gotenhafen auslief, um an anderer Stelle weitere Flüchtlinge aufzunehmen.

Am 3. Februar trafen wir in Flensburg ein. Was Mutti über das Schicksal der Gustloff erfahren hatte, weiß ich nicht. Sie hat nicht darüber gesprochen. Irgendwann nach Jahren hat sie einmal nebenbei erwähnt, dass wir ursprünglich mit der Gustloff hatten fahren sollen, dann aber umdirigiert wurden. Ich bin eben ein Sonntagskind.
Fortsetzung folgt.

Eine Geschichte von: Novis

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