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Die Sehnsucht findet ihren Platz (Sandor71)

Sieglinde öffnete mir die Tür, nachdem ich zweimal kurz hintereinander geklingelt hatte. Sie wischte noch ihre feuchten Hände an der Schürze ab und rief erschrocken. "Du bist schon da? Ich habe erst in zwei Stunden mit Dir gerechnet. Entschuldige bitte aber ich stehe noch in der Küche.« Wir umarmten uns und ich flüsterte ihr ins Ohr »Du siehst auch mit Schürze und ungeschminkt gut aus. Darf ich nun reinkommen?« Sie trat einen Schritt zurück und lachte »natürlich komm rein, wir freuen uns doch das du endlich hier bist. Wie war die Fahrt?« Unter wir freuen uns verstand Sieglinde ihre vier Kinder, die ich allerdings nicht sah und nach deren Verbleib ich mich unmittelbar erkundigte. »Wo ist dein Nachwuchs?« Sieglinde rief mir aus der Küche zu »die zwei Mädchen sind bei ihren Freundinnen und die beiden Jungens schauen ihren Söhnen beim Fußball zu. Du wirst sie morgen sehen, wie lange kannst du bleiben?« » Zwei Tage bestimmt, vielleicht noch einen Tag länger.

»Das ist schön« rief sie immer noch aus der Küche.« Die Kinder werden heute nicht kommen, sie wissen, dass wir zum Friedhof gehen. Setz dich doch, ich will nur noch den Kaffee und den Kuchen holen. Dieser Aufforderung kam ich nicht sofort nach, denn ich kannte diesen gemütlichen Ohrensessel vor mir, noch von meinem ersten Besuch. Einmal dort gesessen und das Aufstehen wäre zu einer körperlichen Qual geworden. Zu gemütlich, zu aufgehoben und warm empfand ich die stark gepolsterte Sitzfläche. Ich blieb noch einige Minuten vor dem Wohnzimmerschrank stehen und nahm einen Bilderrahmen zur Hand. «Ach so Sieglinde um deine Frage zu beantworten, die Fahrt war OK.« rief ich ihr zu und dabei nahm mein Auge das Bild in dem geschmackvollen Rahmen streng unter die Lupe. Tobias war ihr fünftes Kind, das Nesthäkchen sozusagen. Der Junge war vor dreißig Jahren im Alter von vier Lenzen urplötzlich gestorben. Es gab keine Vorerkrankungen. Er starb einfach so, plötzlich und unerwartet aus dem Spiel heraus.

Nicht nur Sieglinde litt seit jener Zeit unter dem Verlust, auch die Geschwister hatten ihren kleinen Bruder so sehr ins Herz geschlossen, das die Erinnerung an Tobi, so nannten sie ihn, körperliche Schmerzen verursachte. Jedes Jahr am Todestag kam die Familie zusammen um zu trauern und an den kleinen Jungen zu erinnern. "Er lebt weiter" mit diesen Worten riss mich Sieglinde aus den Gedanken. Tobias strahlte auf diesem Foto und hielt krampfhaft seine kleine Gitarre im Arm. Es muss schrecklich sein für eine Familie, wenn so ein kleiner Bub ohne Vorwarnung stirbt. Sieglinde kam mit der Kaffeekanne und ohne Schürze zurück. Ihre Wangen waren leicht gerötet, sie musste schnell noch etwas Schminke aufgetragen haben, weilbliche Eitelkeit dachte ich. Als sie mich mit dem Bild sah, zitterten ihre Hände und das klapperde Geräusch der Tassen gefiel mir nicht. Hastig stellte ich das Foto zurück in den Schrank und eilte Sieglinde zur Hilfe, damit die Tassen unbeschadet ihren Platz erreichen konnten.

Während unserer Kaffeezeit versuchte ich Sieglinde auf andere Gesprächsthemen zu kolportieren, das mir allerdings nur spärlich gelang. Immer wieder wurde Tobi zum Thema der Stunde. Ihre anderen Kinder waren alle sehr lebensbejahend und schlugen sich so gut es ging durch die Wirren des Alltagstresses und machten das Beste daraus. "Er lebt weiter. Ich hätte so gerne einen kleinen Beweis, dass er um uns ist, dass er bei uns zuhause ist, nur ein kleiner Beweis, ein Zeichen, ein Leuchten, irgendetwas." Der Tag meines Besuches war Tobis Todestag. Wir wollten gemeinsam zum Friedhof gehen. Den letzten Schluck aus der Kaffeetasse nahm Sieglinde im Stehen zu sich. "Gehen wir?". So fragte sie mit einem leichten Seitenblick auf meine Körpermaße, der versuchte, diesen Sessel zu entrinnen. Heute ist dieser Tag und ich bin zum ersten Mal dabei.

was für ein Zeichen wünscht sie sich hämmerte es in meinem Kopf als wir die Hauptstraße Dorf auswärts gingen, um in der übernächsten Straße in die Friedhofsgasse einzubiegen. Der Friedhof war schön angelegt und von einer besonderen Sauberkeit geprägt. Die Gräber befanden sich wie auf allen Friedhöfen in militärisch korrekter Ausrichtung. Sieglinde kannte viele der Toten, die hier ihre letzte Ruhe fanden. Im Vorübergehen zeigte sie mit ausgestreckten Arm auf einen Grabstein und flüsterte "da liegt mein Schwiegervater." Ich blieb kurz stehen und las die Zeile laut vor: "Hier ruht in Frieden meine große Liebe ." Den Rest des Satzes konnte ich nicht mehr lesen, weil Sieglinde weiterging und mit einem dahingeschlenzten Satz, mich zum Lachen brachte: "Sie hat ihn nie geliebt."

Es folgten keine weiteren Erklärungen, denn wir standen vor Tobis Grab, das etwas abseits von den anderen Gräbern lag. Man spürte sofort die Liebe, mit der das Grab gepflegt und blumenbestückt wurde. Unverzüglich machte sich Sieglinde an die Arbeit. Sie entfernte verdorrte Blätter, herumliegendes Papier und richtete Blumen auf, die durch die Last der Naturgewalten, ihre Köpfe hängen ließen. Zu beiden Seiten des Grabsteins standen dichte Hecken, die das Auge nicht durchdringen konnte. Gerade als Sieglinde mit einer Gießkanne zurückkam, zeigte ich mit meinem rechten Arm, eben auf diese Hecke zur linken Hand des Grabsteins. "Schau mal Sieglinde, dort sitzt ein Frosch oder eine Kröte. Sieglinde klärte mich leise auf: "Frösche sind meistens recht dünn, haben lange und schlanke Beine sowie Schwimmhäute zwischen den Zehen. Kröten sind wesentlich größer, haben einen dicken rundlichen Körper und kurze Beine. Was wir dort sehen ist eindeutig eine Kröte". Diese Kröte hoppelte ein bis zwei Schritte nach vorne, drehte sich um und blieb regungslos stehen.

Sieglinde stellte ihre Arbeiten am Grab ein und wir begaben uns in eine Entfernung von mehreren Metern. Nun war das Grau der Kröte deckungsgleich mit dem Grau der Erde. Wir sahen sie nicht mehr. Also pirschten wir uns auf leisen Sohlen heran und siehe da, die Kröte kam, blieb stehen und wartete ab. Wieder traten wir den Rückzug an, näherten uns erneut, Kröte kam und ging. Mittlerweile waren wir der Meinung das diese Kröte sich am Grabstein häuslich eingerichtet hatte. "Wolltest du nicht ein Zeichen haben Sieglinde?" Ich sprach den Satz leise, wollte deren Wirkung abwarten. Sieglinde sah mich an und antwortete. "Wir wissen nicht wo die Seelen sind. Sind sie bei Gott oder sind sie verwachsen mit der Natur. Leben sie weiter in Kreaturen oder werden sie nur von denen bewacht und beschützt. Diese Kröte hier bleibt beharrlich in ihrem Lebensraum, beharrlich vielleicht auch bei oder mit Tobi." Noch einige Zeit sprachen wir über diese Kröte und wollten wissen, ob sie eine Eintagsfliege war. Also gingen wir am nächsten Tag wieder zum Grab und siehe da, die Kröte machte mit uns das gleiche Spielchen wie tags zuvor. Sieglinde war überzeugt, in dieser Kröte das Zeichen zu sehen auf das sie seit dreißig Jahren gewartet hatte.

Ich war längst wieder zu Hause als ich telefonisch von Sieglinde erfuhr, dass die Kröte am Grab nicht mehr wegzudenken ist. Ihre Familie wird zukünftig noch sorgsamer bei den Grabarbeiten sein. Die Kröte ist nun zu einem Wahrzeichen geworden.

Die Sehnsucht nach Tobi stößt sich nicht mehr an kaltem Gestein. Sie hat ihren Platz gefunden, lebendig, warm und herzensnah.

Ein Text von: Sandor71

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